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Ana de Armas über „Blonde“ : „Ich musste Marilyn nah an mich heranlassen, egal wie weh es tut“

  • -Aktualisiert am

Ein echter Filmstar: Ana de Armas, hier am Lido von Venedig, spielte Marilyn Monroe in „Blonde“ Bild: AP

Vom Dreh als Marilyn direkt ans Bond-Set: Schauspielerin Ana de Armas erzählt im Interview, was ihr die Rolle der Monroe abverlangt hat und warum sie nach Drehende sofort umschalten konnte.

          3 Min.

          Frau de Armas, es gibt die Marilyn Monroe aus dem Drehbuch zu ihrem neuen Film „Blond“ und die der Romanvorlage von Joyce Carol Oates, dann natürlich die reale Person und schließlich das Bild, das alle Welt von ihr im Kopf hat. Wie haben Sie aus all diesen Versionen Ihre eigene Marilyn kreiert?

          Natürlich war für mich am wichtigsten die Drehbuch-Marilyn, also die, die unser Regisseur und Autor Andrew Dominick im Kopf hatte. Aber ich denke, dass die, die ich schließlich gespielt habe, am Ende tatsächlich eine Kombination aus all dem geworden ist, was Sie gerade aufgezählt haben.

          Haben Sie gezögert, diese Rolle anzunehmen?

          Gezögert habe ich nicht, sondern im Gegenteil hart dafür gekämpft, sie zu bekommen. Was nicht heißt, dass die Herausforderung mich nicht unglaublich nervös gemacht hat. Auch weil es lange dauerte, bis das Projekt tatsächlich in trockenen Tüchern war. Bis wir endgültig grünes Licht bekamen und das Budget zusammenhatten, verging viel Zeit, und selbst danach brach nochmal die Finanzierung zusammen und es sah aus, als würden wir den Film doch nicht drehen können. Ich war wirklich verzweifelt und fürchterlich traurig. Denn ich wusste, dass diese Rolle eine Gelegenheit ist, wie man sie wohl nur einmal im Leben bekommt. Selbst wenn sie mir angesichts der Bedeutung, die Marilyn als Popkultur-Ikone für so viele Menschen hat, eine Heidenangst eingejagt hat.

          Wie erklären Sie es sich, dass Marilyn Monroe bis heute so viele Menschen fasziniert?

          Einerseits ist es natürlich diese Mischung aus Trauma und Glamour, die ihre Biografie ausmacht. Das lässt ja niemanden kalt. Aber andererseits liegt die Faszination meiner Meinung nach nicht zuletzt darin, dass unser Bild von ihr nie bis ins Letzte vollständig zu sein scheint. Egal wie viel man über ihr Leben weiß und wie gut man ihre Filme kennt – es fehlt immer etwas. Niemand scheint sie je komplett verstanden zu haben, vielleicht nicht einmal sie selbst. Deswegen ranken sich auch bis heute Spekulationen und dramatische Mutmaßungen um ihre Beziehungen oder ihren Tod. Manches an Marilyn wird für immer Mysterium bleiben, deswegen beschäftigt sie uns bis heute.

          „Blond“ stürzt sich recht offensiv auf das Leiden und den Schmerz in Monroes Leben, sowohl in der Kindheit als auch später. Wie kann man das als Schauspielerin verkörpern und sich trotzdem selbst davor schützen?

          Das kann man eben nicht. Ich wusste von Anfang an, dass diese Rolle es erfordern würde, dass ich mich sehr verletzlich mache. Mir war klar, dass mir Marilyns Geschichte an die Nieren gehen und wehtun würde. So war es dann auch: während der neunwöchigen Dreharbeiten und eigentlich schon davor spürte ich eine enorme Traurigkeit und Schwere. Aber ich hatte keine andere Wahl. Ich musste sie so nah an mich heranlassen, um ihr gerecht zu werden, egal wie weh es tut. Und wahrscheinlich habe ich es nur ausgehalten, weil ich wusste, dass ich einen Regisseur an meiner Seite habe, der Marilyn und mich gleichermaßen beschützt.

          Wurden Sie diese Traurigkeit dann nach dem Dreh wenigstens schnell wieder los?

          Leicht war das nicht. Aber die Therapie, die mir dabei geholfen hat, war meine nächste Rolle. Wir waren mit „Blond“ an einem Freitag fertig und am Montag drauf stand ich schon als Paloma im Bond-Film „Keine Zeit zu sterben“ vor der Kamera.

          Ana de Armas als Marilyn in „Blonde“ an der Seite von Adrien Brody
          Ana de Armas als Marilyn in „Blonde“ an der Seite von Adrien Brody : Bild: AP

          Wow, Sie haben direkt umgeschaltet?

          Hätte ich es mir aussuchen können, hätte ich gerne mehr Zeit gehabt. Einfach um alles ein wenig sacken zu lassen und mich von dieser Rolle und all diesen Erfahrungen, die ich so nie wieder machen werde, in Ruhe zu verabschieden. Aber über seine Drehpläne hat man als Schauspielerin nun einmal keine Kontrolle. Und wie gesagt: vielleicht war es letztlich sogar ganz hilfreich so.

          Sie mussten für den Film zahllose sehr berühmte Filmszenen Monroes nachspielen. Welche war am schwierigsten?

          Puh, die waren alle auf ihre Weise eine echte Herausforderung und ein großer Spaß. Und natürlich auch irgendwie surreal. Die „Diamonds Are A Girl’s Best Friend“-Sequenz aus „Blondinen bevorzugt“ war natürlich eine sehr besondere Sache. Aber letztlich vergleichsweise unkompliziert, weil es vor allem um die Choreografie und das Singen ging. Die Szene von den Dreharbeiten zu „Das verflixte 7. Jahr“, wo wir zeigen, wie der legendäre Moment mit ihrem weißen Kleid über dem U-Bahn-Schacht entstanden ist, war allerdings besonders kompliziert, denn da ging es um einen Dialog, es gab Statisten und auch den Schwenk hinter die Kamera, also etwas, das im Original nicht zu sehen war. Aber wissen Sie was: der Mann, der dafür zuständig war, mein Kleid hochwehen zu lassen, war der Enkel des Mannes, der das damals bei Marilyn gemacht hat. Ist das nicht fantastisch?

          Bei all dem erzählt „Blond“ natürlich auch von den Abgründen des Showgeschäfts und den Fallstricken des Ruhms. Wie gehen Sie selbst damit um, nach „Knives Out“, Bond und nun diesem Film jetzt berühmt zu sein?

          Das war nie mein Plan und ich habe auch nicht unbedingt damit gerechnet, mal in einer solchen Position zu sein. Deswegen gehe ich einen Schritt nach dem nächsten und nehme die Dinge wie sie kommen. Ich freue mich natürlich, denn der Erfolg zeigt mir, dass ich gute Arbeit abgeliefert habe. Aber ich weiß auch, dass man vorsichtig damit umgehen muss, auch heute noch. Unser Film zeigt ja sehr deutlich, dass das öffentliche Image und die Privatperson in der Regel nicht deckungsgleich sind, und letztere versuche ich zu schützen so gut es nur geht. Und nicht zuletzt die Auseinandersetzung mit Marilyn hat mir vor Augen geführt, wie wichtig es ist, Grenzen zu setzen und nicht immer nur zu geben, zu geben und zu geben. Darauf achte ich seither enorm!

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