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Küchentrends : Architektur zum Kochen

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Die Küchenzeile von Holzrausch als Möbel: Doch auch in der individuellen Planung ist Weiß Trumpf. Bild: F.A.S.

Wer sich eine neue Küche zulegt, hat die Qual der Wahl: Vom Manufaktur-Möbel bis zur aufgemotzten Ikea-Variante gibt es viele Alternativen zur herkömmlichen Einbauküche.

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          Sie sind kastig, sie sind pflegeleicht, und vor allem sind sie: weiß. Durchschnittliche Einbauküchen sehen meistens ziemlich gleich aus. Dabei gibt es kaum einen anderen Raum, bei dessen Einrichtung so viele Entscheidungen getroffen werden müssen wie in der Küche. Mit freistehendem Block? Mit komplett geschlossener Front oder offenen Elementen? Mit Griffen oder lieber ohne? Doch zur Debatte steht nicht nur, wie man Geräte ergonomisch richtig anordnet und ob die Arbeitsplatte robust genug ist. Wer seine Küche plant, der plant auch seine Lebensweise: Soll die Küche zum Mittelpunkt des Alltags werden mit offenem Grundriss und wohnlichem Charakter? Oder bleiben die Sphären klar getrennt, hier der Arbeitsort zwischen Kühlschrank und Herd und dort die Entspannungzone mit der Kuschellandschaft?

          Auf diese Fragen geben Küchenstudios und Möbelhäuser immer noch die Standardantwort: kastig, pflegeleicht, weiß. Die Antwort ist nicht nur ziemlich langweilig, damit entgeht den künftigen Bewohnern auch die Chance, sich eine atmosphärische, persönliche, ja lebenswerte Umgebung zu schaffen. Dabei gibt es Alternativen genug, für fast jedes Budget und fast jeden Geschmack.

          Naturstein oder massiver Beton

          „Bei uns landen viele Leute, die schon durch einige klassische Küchenstudios gezogen sind und gemerkt haben, dass sie sich ihre Küche eigentlich anders wünschen“, sagt Tobias Petri. „Wohnlicher, besser angepasst an ihre Räume.“ Petri ist Gründer und Geschäftsführer von Holzrausch. Gemeinsam mit seinem Partner Sven Petzold hat sich der gelernte Schreiner in den vergangenen Jahren einen Ruf für individuelle, handwerkliche High-End-Küchen erarbeitet. Geplant wird in München, gefertig in eigenen Werkstätten in der Gemeinde Forstern östlich der Landeshauptstadt. Das Label Holzrausch steht für formal eher reduzierte Möbel, deren Raffinesse in den Materialien und Details liegt und die in einem manchmal ausdauernden Dialog mit den Kunden entstehen. Obwohl solche „Architekturmöbel“, wie Holzrausch sie nennt, entsprechend teuer sind, gibt es dafür einen Markt: „In den vergangenen Jahren wurde sehr viel und sehr hochwertig gebaut“, sagt Petri. „Und der Fokus wird häufig auf die Küche gelegt.“ Das sei ja auch sinnvoll, schließlich spiele sich in diesem Raum viel ab, gerade bei Familien. Und wenn Gäste kommen, gäbe es kein gesetztes Essen mehr, da blieben alle gleich in der Nähe der Kochstelle.

          Innen Ikea, außer Reform-Design von Sigurd Larsen Bilderstrecke
          Innen Ikea, außer Reform-Design von Sigurd Larsen :

          Um die Farbe Weiß allerdings kommt auch Petri nicht ganz herum: „Das ist ein Klassiker, das wünschen sich Kunden hin und wieder. Dann versuchen wir aber, komplett auf Weiß zu gehen. Nicht nur die Fronten, auch die Platte, die Armaturen, alles wird weiß.“ Ansonsten aber dominieren häufig Materialqualitäten den Look einer Holzrausch-Küche: natürlich Hölzer aller Art, aber auch warme Metalle wie Messing oder Bronze, die mit der Zeit Patina ansetzen dürfen. Und Naturstein oder massiver Beton, die dem Arbeitsplatz Küche etwas Gravitätisches verleihen.

          Superfront aus Stockholm oder Reform aus Kopenhagen

          Holzrausch ist nicht das einzige Unternehmen, das seine Nische mit Küchen weit über dem Standard gefunden hat. Andere Manufakturen wie Tischlerei Sommer aus dem Westerwald oder Wiedemann Werkstätten aus Bayerisch-Schwaben bieten ähnliche Leistungen. Auch viele kleinere Schreinereien haben sich entsprechend spezialisiert – die Nachfrage ist da, sicher befördert durch die niedrigen Zinsen. Viele Menschen investieren in Immobilien und brauchen dabei nicht zu sparen. Nur im Küchenstudio geben die Deutschen weniger Geld aus als früher: Im September meldete der Verband der Deutschen Küchenmöbelindustrie schlechtere Geschäfte für seine etwa 50 Mitglieder. Vor allem im Inland schwächelt die Branche, hier sind die Umsätze bis Juli 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 4 Prozent gesunken. Und die Prognose sieht einstweilen keine Besserung der Lage.

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