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Ausstellung in Los Angeles : Und der Oscar geht – ins Museum

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Für „Psycho“: Joseph Stefano schrieb auf der Schreibmaschine das Drehbuch. Bild: dpa

Alte Filmtrophäen finden nun in einem neuen Museum in Los Angeles ein Zuhause. Unter den Ausstellungsstücken sind einige Kuriositäten.

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          Spätestens nach Silvester kommt man in Los Angeles um eine Frage nicht mehr herum. Sobald das Wort „Oscars“ fällt, heißt es zwischen Pacific Palisades und Downtown: „Wer gewinnt?“ Branchenblätter wie „Variety“ und „Hollywood Reporter“ begleiten die Kampagnen der Studios, die seit Harvey Weinsteins Zeit als Königsmacher wie Wahlkämpfe geführt werden, mit immer neuen Vorhersagen. Goldderby.com lädt Filmkritiker und Kinobesucher ein, zu Hause am Computer auf das „Best Picture“ zu setzen. Zumindest auf der Website liegen Sam Mendes’ Schützengraben-Drama „1917“ und die Tragikomödie „Parasite“ des südkoreanischen Filmemachers Bong Joon-ho vor der 92. Oscar-Verleihung am Sonntag vorn, vor Quentin Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“ und „Jojo Rabbit“, einer Satire mit Adolf Hitler als imaginärem Freund eines Zehnjährigen. Das muss aber nicht nichts heißen.

          Dass die Oscars oft unvorhersehbar sind, weiß Hollywood schon seit „Cleopatra“. Trotz Stars wie Elizabeth Taylor und Richard Burton, aufwendiger Kostüme sowie Produktionskosten, die das Studio 20th Century Fox fast in den Ruin trieben, ging das Spektakel bei der Preisverleihung im Jahr 1964 leer aus. Nach Nominierungen für neun Oscars zeichnete die Academy of Motion Picture Arts and Sciences (Ampas) „Cleopatra“ nur in den Kategorien Kostümdesign, visuelle Effekte, künstlerische Leitung und Kameraführung aus. Der Oscar für den besten Film ging aber an die britische Low-Budget-Komödie „Tom Jones“.

          Aus „Alien“: Kopf eines Außerirdischen, geschaffen von H.R. Giger Bilderstrecke

          „Oscars sind abhängig vom Zeitgeist“, sagt Jessica Niebel, Ausstellungskuratorin des Museums der amerikanischen Filmakademie. „Als Hollywoods letztes großes Spektakel markiert ‚Cleopatra‘ das Ende einer Ära. Die Leute waren einfach schon weiter. Sie wollten etwas Junges, Frisches wie ,Tom Jones‘.“ Neben der Erinnerung an Taylors Skandalromanze mit Burton am Set ist auch die Echthaar-Perücke mit den goldenen Perlen geblieben, die die Schauspielerin als ägyptische Pharaonin trug. Scouts entdeckten das Unikat vor einigen Jahren bei einer Auktion. Nach der für dieses Jahr geplanten Eröffnung des „Academy Museum of Motion Pictures“ findet auch Taylors „Wig“ einen Platz am Wilshire Boulevard.

          Viele Hoffnungen auf Goldritter en miniature

          Wie „Cleopatra“ fand auch Victor Flemings „Der Zauberer von Oz“ mehr Fans unter Kinobesuchern als bei den Wählern der Filmakademie. Der Musicalfilm, gedreht in Technicolor und mit Judy Garland in der Hauptrolle, wurde zwar für sechs Oscars nominiert. Den Goldritter als bester Film des Jahres 1939 holte aber das ebenfalls unter Flemings Regie gedrehte Bürgerkriegsepos „Vom Winde verweht“. „Der Zauberer von Oz“ befindet sich damit in bester Gesellschaft. Auch Produktionen wie „Taxi Driver“, „Psycho“ und Francis Ford Coppolas Antikriegsfilm „Apocalypse Now“ wurden von der Academy übersehen.

          Ein Trost: Gewinner des Oscars in der Kategorie „Best Picture“ schaffen es nur selten auf die Listen der besten Filme. Zu den „100 Greatest of All Time“ der Filmzeitschrift „Sight & Sound“ gehören nur vier oscar-prämierte Produktionen. „Der Zauberer von Oz“ wurde derweil von mehr Zuschauern gesehen als jede andere Produktion der Traumfabrik. Zudem setzt das American Film Institute (AFI) den Phantasiefilm regelmäßig auf die Bestenliste. Bei der Oscar-Verleihung 2014 erinnerte Moderatorin Ellen DeGeneres die Academy an einen ihrer größten Snubs, als sie den Smoking vorübergehend gegen das rosafarbene Kostüm der Oz-Figur Glinda, die gute Hexe des Nordens, tauschte. Warum Kleid und Krone DeGeneres so gut passten? „Das Kleid war eine Reproduktion für Ellen“, sagt Niebel, „in Auftrag gegeben von den Produzenten der Oscar-Gala.“

          Der „Juvenile Oscar“, ein Goldritter en miniature für Kinderdarsteller, galt dagegen als sichere Sache. Vor der Verleihung wurde weder nominiert noch gewählt. Stattdessen entschied die Filmakademie hinter verschlossenen Türen, welcher Schauspieler unter 18 Jahren die „Oscarette“ bekam. 1935 wurde Shirley Temple die Erste, die den gut 15 Zentimeter hohen Ritter auf Filmrolle mit nach Hause nahm. Die blondgelockte Sechsjährige hatte im Jahr zuvor für „Stand Up and Cheer!“, „Little Miss Marker“ und „Bright Eyes“ vor der Kamera gestanden. Knapp 80 Jahre später fand Temples Nachwuchs-Oscar den Weg zurück zur Academy. Nach dem Tod des früheren Kinderstars Anfang 2014 überließ die Familie Temple-Black dem Academy Museum die seltene Trophäe. Bis die Filmakademie den „Juvenile Oscar“ 1961 wieder strich, war er nur etwa ein Dutzend Mal verliehen worden. Auch Garland, deren Filmbiographie „Judy“ mit Renée Zellweger bei den Oscars 2020 für zwei Auszeichnungen nominiert ist, erhielt nach „Zauberer von Oz“ und „Babes in Arms“ einen Nachwuchs-Oscar. Auf den Academy Award of Merit wartete sie aber vergeblich.

          Auch die Tafeln aus Cecil B. DeMilles „Die zehn Gebote“, die wie der Alien-Kopf aus Ridley Scotts Film „Alien“ bis zum Umzug in das Academy Museum in Compton lagern, wecken nicht nur gute Erinnerungen. Nach Rekorden an der Kinokasse und sieben Nominierungen, auch als bester Film des Jahres 1956, musste sich der Regisseur mit der Trophäe für Special Effects zufriedengeben. Den Goldritter in der Kategorie „Best Picture“ holte damals die Romanverfilmung „In 80 Tagen um die Welt“. „Ein eindeutiger Beweis, dass man einen Oscar kaufen kann“, wettert Filmkritiker Dave Kehr bis heute. Es scheint auch Vorteile zu haben, ohne Goldritter nach Hause zu gehen.

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