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Gärten : Ab durch die Hecke

  • -Aktualisiert am

Mal ein schmaler Gang, mal ein lauschiger Sitzplatz: Hinter jeder Ecke dieses Irrgartens in Italien entdeckt der Spaziergänger Neues. Bild: mauritius images

Kein Rasen, kaum Stauden, dafür eine Fülle an Gehölzen: Auch in einem privaten Garten können Hecken die zentrale Rolle spielen – wenn man weiß, wie sie am besten in Szene gesetzt werden.

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          Eine ungewöhnliche Aussicht bieten die Wohnzimmerfenster: Große Balkontüren öffnen sich zum tiefer gelegenen Garten. Doch weder Rasen noch Staudenbeete sind dort unten zu sehen. Der Blick wandert vielmehr über geschwungene Hecken, über Formschnittgehölze, die entfernt an Schachfiguren erinnern, über glatte Stämme und Astwerk, das im Winter besonders gut zur Geltung kommt. Dieser Garten in einer ruhigen Wohnstraße in Gelsenkirchen gleicht einem Skulpturenpark voller lebender Kunstwerke.

          Rund 15 Jahre wurzeln sie schon an Ort und Stelle. Der Garten hat seine Formvollendung gefunden, die allerdings jedes Jahr ein wenig korrigiert werden muss durch Hecken- und Baumschnitt. „Anfangs konnte ich mir kaum vorstellen, wie es aussehen würde, weil die Pflanzen noch so klein waren“, sagt Besitzerin Margret Vonau. Doch die Idee eines Heckengartens mit Blickachsen und Fokuspunkten, auf denen das Auge ruht, gefiel ihr und ihrem Mann Herbert. Zumal dem Entwurf die Form eines großen Notenschlüssels zugrunde liegt, mit dem Gartengestalter Michael Große die Liebe der Besitzer zur Musik würdigt. Der Notenschlüssel ist zwar im Garten selbst nicht unbedingt erkennbar, verleiht dem Design aber einen zutiefst persönlichen Charakter.

          Gehölze spielen in den Gärten von Michael Große eine zentrale Rolle: Staudenbeete sucht man vergebens, seine Leidenschaft sind Bäume und Sträucher. „Sie haben viel zu erzählen und zu zeigen. Sie geben die Jahreszeiten an mit Blüte, Frucht und buntem Laub.“ Dazu kommt die Struktur des Stammes, die Furchung der Rinde. Und natürlich die Vertikalität, die hier in Gelsenkirchen von Interesse ist, da dieser Garten ein Stück tiefer liegt als das Haus und durch die hohen Gehölze von oben besonders interessant aussieht.

          Hecken sind die Raumteiler des Grundstücks

          Das Ehepaar Vonau hatte Gärten des Designers gesehen, die ihnen gefielen. So ließen sie ihn 2001 ihr langes, schmales Grundstück - elf Meter breit, 60 Meter lang - gestalten. Viel war nicht vorhanden, Wiese und ein alter Birnbaum, zu dem ein Trampelpfad führte, vorbei an abgelegten Baumaterialien. Den Pfad verwandelte Große in einen gepflasterten Weg, behielt den Birnbaum als Fokuspunkt, nutzte vorgefundene Basaltsteine, um eine Sitzfläche anzulegen. Er unterteilte das langgestreckte Grundstück in drei Bereiche, die durch Hecken voneinander getrennt sind: einen Irrgarten nahe des Hauses, einen geschützten Sitzplatz in der Mitte und eine freiere Fläche am Ende. Um den Garten mit dem Haus zu verbinden, wurden Balkontüren eingebaut, die auf eine kleine, von Buchs und Eiben umgebene Terrasse führen.

          Hier steht eine in Form geschnittene Buche im Kübel, außerdem eine kleine Felsenbirne. Stufen führen hinunter in den Garten, unter einer hoch geschnittenen Koelreuteria, Blasenesche, hindurch. Zwei Wege durchziehen das Grundstück, hinzu kommen schmale Laufstraßen der beiden großen Hunde der Familie, für die dieser Ort ideal zum Toben ist. Beim Spaziergang lässt sich, wie in einem Irrgarten, hinter jeder Ecke Neues entdecken, Licht und Raum anders erfahren. Mal ist der Weg ein schmaler Gang, der Tuchfühlung mit der Natur bringt und nach einem Regen die Kleidung benetzt. Dann wiederum öffnet er sich zum lauschigen Sitzplatz im Strandkorb, den Große auf Wunsch der Familie, die die See liebt, integriert hat. Die Sitzfläche in der Mitte des Gartens ist formal gestaltet und von hoch stämmigen Trompetenbäumen umstanden. Ein Durchgang in der Hecke öffnet sich zum freien Raum rund um den Birnbaum. Auch Quitten und Mispeln wachsen hier, vom Designer selbst in malerische Form geschnitten.

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