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Die Meisterhäuser (von links) von Walter Gropius und László Moholy-Nagy in Dessau-Roßlau Bild: dpa

100 Jahre Bauhaus : Freischwinger und Plattenbau

2019 jährt sich die Gründung des Bauhauses zum hundertsten Mal. Die Planungen für das Jubiläum laufen auf Hochtouren. Vor einer „Idealisierung des Bauhauses“ wird aber auch gewarnt.

          Die Schilder an den Autobahnen sind vor wenigen Wochen ersetzt worden. Das große Luther-Jubiläum ist vorüber, nun wirbt Sachsen-Anhalt mit aller Kraft für das anstehende Bauhaus-Jubiläum, denn 2019 jährt sich die Gründung des Bauhauses zum hundertsten Mal. Die Feierlichkeiten werden zwar nicht an die Dimensionen des 500-jährigen Reformationsjubiläums heranreichen, das größte kulturpolitische Ereignis des Jahrzehnts mit einem geschätzten Volumen von 300 Millionen Euro.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Doch auch für das Bauhaus-Jubiläum stellen der Bund und die beteiligten Länder wieder erhebliche Mittel bereit. Die Planungen konzentrieren sich auf die Achse Weimar – Dessau – Berlin. In Weimar war das Bauhaus 1919 von Walter Gropius gegründet worden. Dort soll im Frühjahr 2019 ein mehr als 22 Millionen Euro teures, neues Museum eröffnen, in dem die Gründungssammlung von Gropius präsentiert wird.

          Sechs Jahre nach ihrer Gründung war die Kunstschule dann 1925 von Weimar nach Dessau umgezogen, nachdem in Thüringen rechtsnationale Kräfte an die Macht gekommen waren, die den gestalterischen Aufbruch des Bauhauses ablehnten. Anlässlich des Jubiläums sortiert man sich nun auch in Dessau neu. Das von Gropius entworfene Hochschulgebäude, eine Ikone der Bauhaus-Architektur, soll künftig wieder mehr seinem ursprünglichen Zweck als Schulgebäude dienen, erläutert die Dessauer Stiftungsdirektorin Claudia Perren.

          Für die Präsentation der Sammlung und für Wechselausstellungen wird im Stadtinneren Dessaus ein neues Museum errichtet. Rund 25 Millionen Euro fließen in das Projekt. Stiftungsdirektorin Perren kündigt an, in dem Neubau werde es weniger darum gehen, Designklassiker des Bauhauses aufs Podest zu stellen. Stattdessen soll die Arbeitsweise am Bauhaus im Mittelpunkt stehen, dessen große Innovationskraft nicht zuletzt auf der Durchbrechung der Barrieren zwischen Kunst, Industrie, Handwerk und Wissenschaft beruhte.

          Von den Nationalsozialisten erzwungene Selbstauflösung

          In Berlin, wo das Bauhaus von 1932 bis zur von den Nationalsozialisten erzwungenen Selbstauflösung 1933 bestand, entsteht derzeit ein Erweiterungsbau für das dortige, von Gropius entworfene Bauhaus-Archiv. Einschließlich der Sanierung des bereits bestehenden Archivgebäudes soll das Vorhaben etwa 56 Millionen Euro kosten. Die große Ausstellung im Jubiläumsjahr 2019 wird allerdings nicht dort, sondern in der Berlinischen Galerie stattfinden. Die Eröffnung des Neubaus ist nämlich erst für das Jahr 2022 geplant.

          Das Auseinanderklaffen von Jubiläum und Fertigstellung belegt, dass die Planer des Luther-Jahres 2017 gut beraten waren, ihrem Jubiläum eine ganze „Reformationsdekade“ vorzuschalten. So konnte die Sanierung der historischen Lutherstätten rechtzeitig zum eigentlichen Jubiläum abgeschlossen werden. Beim Bauhaus ist das weniger gut gelungen. Selbst in Weimar eröffnet das neue Museum erst, wenn das Jubiläumsjahr bereits begonnen hat. Ursprünglich war die Fertigstellung bereits für 2014 geplant. Dann wurde jedoch über Jahre um den Standort des Museums gerungen.

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