https://www.faz.net/-hrx-989dp

DJ Felix Jaehn im Porträt : Ey, das bin ich!

Jaehn macht gerne Stimmung auf der Bühne – auch das gehört zu seinem Job. Bild: dpa

Er ist die Hoffnung des deutschen Pop und – er hat es geschafft. DJ Felix Jaehn feiert internationale Erfolge. Doch der Ruhm hat auch Schattenseiten. Über einen Popstar aus Versehen, der eine Pause brauchte.

          7 Min.

          Felix Jaehn ist ein unkompliziertes Fotomodell. Er lässt sich auf die Treppe setzen, räkelt sich ohne Probleme auf der vorsätzlich runtergerockten Couch und greift nach dem aufgeschäumten Latte Macchiato, der wohl den Vintage-Tisch aufwerten soll. Nach einer Viertelstunde fragt Jaehn sachte beim Manager nach, ob er auch einen Kaffee haben kann, zum Trinken. „Nimm' doch den!“ – „Also eigentlich trink' ich den nur schwarz.“

          Johanna Dürrholz

          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET

          Auch das stört ihn nicht, und er zieht sich gern für das Gespräch zurück, raus aus dem Trubel, weg von all den schönen Dingen, zwischen denen man ihn plazieren kann wie ein stylishes Accessoire. Alles dreht sich hier um ihn. Nur er, er dreht sich wirklich nicht um sich.

          Dabei ist Felix Jaehn die neue Hoffnung des deutschen Pop. Mehr noch: Er hat es schon geschafft – ein Nummer-eins-Hit in Amerika ist nur wenigen deutschen Musikern überhaupt je gelungen. „Cheerleader“ heißt der Song, OMI singt ihn mit viel Soul, und DJ Felix Jaehn hat diesen Soul mit relaxten Bläsern und einem unbeschwerten Beat unterlegt. Klingt nach einem angenehmen Strandtag.

          Felix Jaehn trägt die lässigen Klamotten eines Popstars aus Versehen: Sweatshirt, lockere Jeans, nicht mehr richtig weiße Sneakers. Damit passt er gut in das Fotostudio in Altona, das so wirkt wie ein Instagram-Paradies. Felix Jaehn ist groß und schlank, hat aber ein Babyface sondergleichen und gute Manieren. Das lässt sich schon daran erkennen, dass er es schafft, Gesprächspartnern unentwegt in die Augen zu schauen, ohne peinlich berührt zu wirken.

          Angefangen hat das mit der Musik zu Schulzeiten, in Mecklenburg-Vorpommern, dort ist Jaehn aufgewachsen, auch wenn er in Hamburg geboren wurde. Die ersten Partys, auf die er ging, waren private Feiern, vielleicht kein Wunder in der Einöde von Meckpomm. Ziemlich schnell merkte er da: Nichts läuft ohne Musik. Und trotzdem schien es kaum jemanden zu interessieren, was überhaupt gespielt wird. Jaehn aber war das gar nicht egal. „Ich wurde der Typ mit dem MP3-Player.“

          Ständig lud er neue Tracks darauf, den neuesten Shit eben, Avicii, David Guetta, Steve Aoki, das spielte er dann auf den Partys. Und irgendwann dachte er sich: Das geht auch besser. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder legte er sich eine Soundmachine zu, DJ-Equipment. Und fing an, auf Schul- und Abipartys aufzulegen.

          Die Eltern gaben ihren drei Söhnen nach dem Abitur ein Jahr frei: sich selbst finden, reisen, überlegen, was man anfangen will mit seinem Leben. Keine schlechte Idee für jemanden, der mit 17 Jahren Abitur macht. „Ich wollte erst nach Südamerika. Da sagte mir ein Freund: ,Du kannst aber nicht mit deinem DJ-Equipment durch Südamerika reisen.‘ Und mir wurde klar, dass es das ist, was mich wirklich bewegt.“ Morgens nach dem Aufwachen dachte er als Erstes an sein DJ-Set: Welchen Übergang kann er als Nächstes spielen? Welcher Track passt da rein?

          Südamerika war also raus. Stattdessen ging er nach London und studierte ein Jahr an einem College Musikproduktion. Dort lernte er nicht nur das Handwerk, sondern auch viel über die wirtschaftlichen Aspekte des Musikmachens. Die Szene war vielfältig, Jaehn verbrachte die meiste Zeit mit jungen Menschen, die auch Musik machen, und ging oft in kleine Clubs. „Das Jahr in London war für meine Musik extrem wichtig.“ Am Ende spielte er sogar Gigs in der Metropole. In Hamburg machte er ein Praktikum beim Musiklabel Edel und begann dann, Betriebswirtschaftslehre in Berlin zu studieren. In der Vorlesung hörte er aber nicht zu, sondern ging die neuen Tracks bei Soundcloud durch und hing eigentlich nur dem Traum nach, Musiker zu werden.

          Nach zwei Monaten brach er das Studium ab, und schon kam der Plattenvertrag. Universal zahlte ihm einen Vorschuss, zum ersten Mal konnte er seine Miete selbst zahlen, das freute auch die Eltern. Jaehn bastelte weiter an Songs und schaffte den Durchbruch. „Cheerleader“ kam eigentlich schon 2012 raus, 2014 remixte er den Track  und landete einen Welthit.

          Weitere Themen

          Die singende Köchin

          Chansons im Restaurant : Die singende Köchin

          Marianne Djaida Henry-Perret serviert ihren Gästen im Restaurant „Belleville“ französische Küche. Doch das ist nur eines ihrer vielen Talente – zu denen auch das Singen von Chansons gehört.

          Wie eine Atomrakete

          FAZ Plus Artikel: Lokaltermin : Wie eine Atomrakete

          Radio-Moderator, Gastronom, Rapper – im Businesskopf von Hassan Annouri steckt mehr als nur eine Idee. Sein jüngster Streich: die Café-Bar „Noah“. Doch auch hier erinnert vieles an Musik.

          Topmeldungen

          Präsident Erdogan erklärt sich gegenüber Journalisten.

          Krieg in Syrien : VW stellt Werk in der Türkei in Frage

          Eigentlich war die Sache in trockenen Tüchern, nahe Izmir wollte VW sein erstes türkisches Pkw-Werk errichten. Doch weil Erdogans Truppen in Nordsyrien einmarschiert sind und dort die Kurden bekämpfen, wachsen die Zweifel an der Standortentscheidung.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.