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Im Alter von 74 Jahren : Deutscher Modefotograf Peter Lindbergh ist tot

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Peter Lindbergh, hier auf einem Bild aus dem September 2016. Bild: AFP

Der deutsche Starfotograf Peter Lindbergh ist im Alter von 74 Jahren gestorben. Das teilte seine Familie mit. Lindbergh arbeitete für berühmte Modeschöpfer und prägte die Modefotografie mit seinen markanten Schwarzweißbildern.

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          Der deutsche Starfotograf Peter Lindbergh ist tot: Er starb mit 74 Jahren, wie seine Familie an diesem Mittwoch in Frankreich mitteilte.

          Peter Lindbergh wurde unter dem Namen Peter Brodbeck am 23. November 1944 in Lissa in Polen geboren, von wo seine Familie vertrieben wurde. Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in Duisburg. Sein Vater war Handelsvertreter für Süßigkeiten, seine Mutter Hausfrau. Lindbergh wuchs gemeinsam mit zwei Geschwistern auf. Sein älterer Bruder Horst wurde Arzt und Psychoanalytiker.

          Lindbergh war ein schlechter Schüler. Mit 15 verließ er die Schule und absolvierte zunächst eine Lehre als Schaufensterdekorateur. In Berlin belegte er an der Hochschule für Bildende Kunst einen Abendkurs in Zeichnen. Nach einer Vagabundenzeit, in der Lindbergh nach Frankreich und durch Spanien und Marokko trampte, studierte er an der Werkkunstschule in Krefeld bei Günther C. Kirchberger Malerei, Gebrauchsgrafik und Design. Zu seinem eigentlichen Metier, der Fotografie, fand Lindbergh erst im Alter von 27 Jahren, als sein Bruder ihn bat, sich eine Kamera zu kaufen. Lindbergh sollte dessen Kinder fotografieren. Danach assistierte Lindbergh dem Fotografen Hans Lux und entschloss sich dabei zu einer weiteren zweijährigen Lehrzeit, um die handwerklichen Grundbegriffe der Fotografie zu lernen.

          Anschließend machte er sich als Werbefotograf selbstständig. Zunächst interessierte ihn besonders der Kontrast der Duisburger Industriearchitektur zur benachbarten linksrheinischen Naturidylle. Eine Modefotoserie, die im Jahr 1978 im Magazin „Stern“ veröffentlicht wurde, brachte ihm aber dann den entscheidenden Durchbruch in der Modebranche. In dieser Zeit nahm er auch seinen Künstlernamen an, da es einen Fotografen namens Brodbeck bereits gab.

          Am liebsten Frauen, sinnliche Männer

          Die Aufträge für Lindbergh, die nach dem ersten Erfolg eintrafen, kamen nun von allen namhaften internationalen Modemagazinen und Hochglanzgazetten, darunter die bekanntesten wie „Vogue“, „Marie Claire“, „Harper's Bazaar“, „Vanity Fair“ oder das Musikmagazin „Rolling Stones“. Kaum ein namhafter Designer hat nicht mit Lindbergh zusammengearbeitet. So lichtete er die Kreationen von Prada ebenso ab wie die von Calvin R. Klein, Donna Karan, Giorgio Armani, Jil Sander, Gianfranco Ferré oder Karl Lagerfeld.

          Zwischen Schauspielerin Amber Valletta (l.) und Model Cara Delevigne Ende Mai 2018 in Berlin Bilderstrecke
          Peter Lindbergh : Bilder eines Fotografenlebens

          Lindbergh galt innerhalb weniger Jahre als der Starfotograf der internationalen Modewelt. Viele seiner Bilder waren Schwarz-Weiß-Fotografien, eine Vorliebe, die er sich bis zuletzt bewahrte. Auch als Modefotograf stellte er Fotomodelle gern in ein künstliches, technisches Umfeld, eine Neigung, die auf seine frühen Bilder der Industriearchitektur verwies. Bevorzugt fotografierte er Frauen, neben Models auch Schauspielerinnen und Rockstars wie Tina Turner und Madonna. Männer zeigte Lindbergh hingegen gern sinnlich oder verletzlich, etwa 2013 den britischen Schauspieler Eddie Redmayne.

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