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Paula Cademartori : Zum Henkel damit

Arbeitet in ihre eigene Tasche: Nach zwei Jahren bei Versace ging Paula Cademartori in die Selbstständigkeit. Bild: Paula Cademartori

Paula Cademartori kreiert Handtaschen, die aussehen wie Patchworkteppiche zum Mitnehmen und Befüllen. Ihre Karriere bei Versace tauschte sie gegen die Selbstständigkeit und erlebte dabei eine Überraschung.

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          Paula Cademartori versteht es, Stress in Spaß umzuwandeln. Das sieht man schon mit einem Blick auf ihren Instagram-Account, den die Designerin alle paar Stunden mit Schnappschüssen aus einem Leben zwischen kunterbunten Taschen füttert: Paulas Frühstück neben den neuesten Veröffentlichungen ihrer Henkelmodelle, Paulas Tee, mit Beutel in der Tasse, zur farblich passenden Tasche in Grüntönen, Paula im Aufzug, in der einen Hand ihre „Sylvie-Bag„, in der anderen das iPhone für ein Spiegel-Selfie. An diesem Mittwoch ist sie zusätzlich Star-Gast-Posterin des Instagram-Accounts der britischen „Times“. Ist sie also im Stress? „Auf gar keinen Fall, ich bin nicht im Stress, ich bin entspannt“, sagt die Taschendesignerin und lacht.

          Jennifer Wiebking
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Andererseits hat Cademartori wirklich keinen Grund zur Klage. Den sozialen Medien dürfte die in Porto Alegre geborene Brasilianerin, die dort zunächst Industriedesign studierte und 2005 nach Mailand zog, einen großen Teil ihres Erfolgs schulden. In Italien schrieb sie sich am Istituto Marangoni für einen Master in Accessoire-Design ein und fing anschließend bei Versace an. Zwei Jahre blieb sie dort, danach erschien die Selbständigkeit zu verlockend.

          Farben, Muster, Materialien: Paula Cademartoris Taschen sind Patchworkteppiche zum Mitnehmen.
          Farben, Muster, Materialien: Paula Cademartoris Taschen sind Patchworkteppiche zum Mitnehmen. : Bild: Paula Cademartori

          Und statt erst mal jahrelang Klinken putzen zu müssen, passierte etwas, womit sie selbst am wenigsten gerechnet hätte: Paradiesvogel Anna Dello Russo, der Streetstyle-Star, der während des Schauenmarathons seit Jahren von einem ausdauernden Kamera-Knipsen begleitet wird, lieh sich spontan eine Tasche bei der unbekannten Designerin. Der Rest ist nicht nur Internet-Geschichte, sondern übersetzte sich innerhalb weniger Saisons in echte Umsätze. „Street-Style hat meine Taschen bekannt gemacht“, sagt Paula Cademartori heute, „dann kamen die Boutiquen, dann die sozialen Netzwerke.“ Die Designerin weiß also, warum sie lieber einen Frühstückskaffee samt cappuccinofarbener Handtasche zu viel postet als zu wenig.

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          Nur wäre sie wohl kaum so erfolgreich, wenn ihre Taschen schlicht braun wären. Ihre Entwürfe sind Patchworkteppiche zum Mitnehmen. Cademartori versteht es zur Zeit wie kaum jemand sonst, etliche verschiedene Materialien und Muster so zu kombinieren, dass daraus Taschen werden, die trotzdem zu den allermeisten Outfits passen. „Mir geht es nicht nur um die leuchtenden Farben, sondern auch um die Funktionalität der Taschen“, sagt sie.

          Erst kamen die Boutiquen, dann die sozialen Netzwerke: Paula Cademartori kam mit ihren Taschen schnell zu Erfolg.
          Erst kamen die Boutiquen, dann die sozialen Netzwerke: Paula Cademartori kam mit ihren Taschen schnell zu Erfolg. : Bild: Paula Cademartori

          Nicht umsonst hat Cademartori Industriedesign studiert. Müsste man seine Siebensachen jeden Tag von Tasche zu Tasche umräumen, wäre das auf Dauer auch mühsam. „Aber Mode soll ja Spaß machen“, sagt Cademartori. „Ich denke gern darüber nach, wie Frauen meine Taschen verwenden, dass sie eher zwei als ein Telefon bei sich haben, dazu ein Notizbuch und trotzdem am liebsten eine kleine Tasche tragen würden.“ Bei dieser Beschreibung dürften tatsächlich viele Frauen dreimal „Ja!“ rufen.

          Der Verschluss wird zum Symbol: Designerin Cademartori achtete besonders auf den Metallbeschlag ihrer Taschen.
          Der Verschluss wird zum Symbol: Designerin Cademartori achtete besonders auf den Metallbeschlag ihrer Taschen. : Bild: Paula Cademartori

          Und noch einmal, wenn Paula Cademartori erklärt, weshalb ihr ein Logo auf der Tasche mit dem eigenen Namen überflüssig erscheint. „Es ging mir darum, aus der Schließe ein Symbol zu entwerfen, das für meine Taschen steht. Darauf bin ich gleich als erstes gekommen, ich begann meine Marke wirklich mit der Schließe.“

          Der aufwendige Metallbeschlag erinnert mehr an ein Schmuckstück als an ein Logo. Ganz ähnlich wie der Medusenkopf bei Versace – dort ging für die Designerin schließlich alles los.

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