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Verfilmung des „Cats“-Musicals : Neongrün im Pelz

  • -Aktualisiert am

Die Katzen singen wieder: Das Musical „Cats“ von Andrew Lloyd Webber wurde verfilmt. Bild: Picture-Alliance

Singende und tanzende Katzen auf der Leinwand? Das Musical „Cats“ von Andrew Lloyd Webber läuft seit Weihnachten in den Kinos. Unser Autor war am Set dabei und hat sich angesehen, wie digitales Fell entsteht.

          6 Min.

          An einem trüben Märztag steht Judi Dench in einer Halle der Filmstudios in Leavesden bei London und trägt ein Kostüm, das sogar in ihrer langen Karriere seinesgleichen sucht. Unter einem ausladenden alten Pelzmantel steckt die Oscar-Gewinnerin in einem neongrün leuchtenden engen Ganzkörperanzug inklusive Kapuze, die ihren grauen Kurzhaarschnitt versteckt. Es ist ein befremdlicher, fast schon alberner Anblick. Das Publikum wird ihn nie sehen. Denn wenn der Film „Cats“ am ersten Weihnachtstag in die Kinos kommt, wird auf der Leinwand das Neongrün durch digitales Katzenfell ersetzt sein.

          Bei „Cats“ handelt es sich, wie sollte es anders sein, um die Verfilmung des Musicals von Andrew Lloyd Webber. Dass die Katzen erst jetzt über die Leinwand springen, also 38 Jahre nach der Uraufführung der Bühnenshow im Londoner West End, ist erstaunlich. Denn kaum ein Musical wurde in London, New York, Hamburg und anderswo häufiger und länger aufgeführt – mehr als 3,5 Milliarden Dollar soll es eingespielt haben.

          Selbst wer das Stück nie auf der Bühne gesehen hat, dürfte zumindest mit dem Song „Memory“ vertraut sein, mit dem es unter anderen Barry Manilow und Barbra Streisand in die Hitparaden schafften. Auf eine solche Marke müsste sich doch Hollywood stürzen, wo man vom „Phantom der Oper„ bis „Chicago“ noch jeden Musical-Hit adaptiert hat. Wäre da nicht die klitzekleine Schwierigkeit, dass in „Cats“ eben keine Menschen auftreten, sondern nur Katzen.

          Gelenkige jungen Menschen in hautengen Einteilern

          Singende und tanzende Vierbeiner auf der Leinwand? Dieser Herausforderung stellen sich nun Regisseur Tom Hooper und Produzentin Debra Hayward, die gemeinsam schon „Les Misérables“ zum Oscar-prämierten Welterfolg gemacht haben. Während Hooper an diesem Märztag am Set in Leavesden mit einer aufwendigen Ballsaal-Szene beschäftigt ist und an seinem Monitor hinter einem Flügel kauert, erklärt Hayward die Herangehensweise.

          „Wir nehmen den Titel ernst, hier geht es um Katzen“, sagt sie. „Aber es geht eben auch um Kino, weswegen wir einen Schritt weiter gehen als am Theater.“ So kommt ein Computerverfahren zum Einsatz, das die Produzentin als „digitale Fell-Technologie“ beschreibt, eine Variante der Motion-Capture-Technik, die auch schon Benedict Cumberbatch in einen Drachen („Der Hobbit“) und Andy Serkis in einen Schimpansen („Planet der Affen“) verwandelte.

          Francesca Hayward als Katze Victoria und Robbie Fairchild als Munkustrap.
          Francesca Hayward als Katze Victoria und Robbie Fairchild als Munkustrap. : Bild: Picture-Alliance

          „Wir schaffen im Grunde unsere eigene Kreatur, quasi eine Art menschlicher Katzen, die auch mal auf zwei Beinen unterwegs sein können“, sagt Hayward. „Alle Schauspieler und Tänzer werden von realistischem Katzenfell überzogen sein, manche zusätzlich noch ein Kostüm tragen. Aber anders als beim gewöhnlichen Mo-Cap-Verfahren lassen wir die Gesichter unverändert.“ Hier in Leavesden kann man sich das noch kaum vorstellen, so amüsant ist das Bild, das sich Set-Besuchern bietet.

          Zu ärgerlich, dass Fotografieren strengstens verboten ist! Neongrün und Pelz trägt auch Jennifer Hudson, die als Grizabella verpflichtet wurde und – nach „Dreamgirls“ – nun wieder in einem Musical-Klassiker auftritt. Es ist das Standard-Outfit für all jene Katzen, die später im fertigen Film über ihrem Fell noch in ein Kostüm gekleidet sind. Ansonsten wimmelt der riesige Ballsaal vor gelenkigen jungen Menschen in hautengen Einteilern. Die Farbpalette reicht von schwarz, weiß und grau bis braun oder rötlich, wie bei Hauskatzen eben üblich.

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