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Deutsche Flotte : Der Untergang

In flachem Wasser: Am 21. Juni 1919 sinkt der Schlachtkreuzer „SMS Hindenburg“ in der Bucht von Scapa Flow. Bild: Classic Vision/AGE/F1online

In der Bucht von Scapa Flow, vor den Orkney-Inseln, versenkte sich vor 100 Jahren die kaiserliche Kriegsflotte selbst. Zu Besuch am Schauplatz einer beispiellosen Zerstörung.

          9 Min.

          Über den Untergang der deutschen Flotte findet sich nicht viel in den Geschichtsbüchern. Dabei war es ein schöner Junitag, Sonnenschein, milde Winde. Die Schulkinder von Stromness, dem westlichen Hafenstädtchen auf den Orkney-Inseln, machten einen Schiffsausflug hinaus in die Bucht von Scapa Flow, in der morgens noch 77 Schiffe der Kaiserlichen Hochseeflotte lagen. Der Kutter mit den Kindern steuerte zwischen den grauen, schmutzigen Schiffsleibern hindurch, auf deren Backbordseite die Morgensonne schien.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Mittags begann das große Sinken. Die Schlachtschiffe, Kreuzer, Zerstörer, Torpedoboote, die wie in einem weiten Hufeisen um die Insel Cava herum ankerten, legten sich tiefer ins Wasser, die meisten neigten sich erst allmählich, dann stärker zur Seite. Bei manchen hob sich der Bug oder das Heck, einige drehten sich komplett auf den Rücken, andere bäumten sich auf und rauschten spitz in die Tiefe. Der Stahl der Schiffskörper ächzte unter diesen letzten Windungen, die Schlagseite ließ die Klöppel einiger Schiffsglocken anschlagen. Das Meer schäumte in Strudeln über den versunkenen Rümpfen, Explosionen krachten in die Stille der Bucht, wenn das kalte Wasser die heißen Kohlenkessel im Bauch der Schiffe erreichte.

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