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Breuninger in Düsseldorf : Breuni-Bär und Exquisit-Etage

Vom kleinen Warenhaus zum Department-Store: die neu eröffnete Filiale im Düsseldorfer Kö-Bogen. Bild: Breuninger

Breuninger ist eines der wenigen deutschen Kaufhäuser, das es mit der internationalen Konkurrenz aufnehmen kann. Das liegt vor allem am Service. Die Kunden sollen staunen, im Stuttgarter Stammsitz wie im neuen Düsseldorfer Store.

          Was staunten die Stuttgarter Kaufhauskunden da, einer nach dem anderen, als sie völlig unerwartet von den in Schwarz gekleideten Verkäuferinnen in diese Hinterzimmer geführt wurden. „Wären Sie an einer Kundenkarte interessiert?“ Die Frage, die heute völlig gewöhnlich klingt, beinahe nervig kam damals, in der frühen Bundesrepublik, vor allem überraschend. Sie klang aufregend.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Eine Stunde dauerte das Aufnahmesystem. Was man da alles ankreuzen musste: Nach dem Beruf wurde gefragt, nach dem Jahresgehalt, am Ende stand die Schnellauskunft über die Kreditwürdigkeit. Es war eine Zeit, als die Verkäuferinnen an jedem anderen beliebigen Kassentresen des Landes noch schwiegen, als noch niemand ihr Kundenkarten-Gemurmel erfunden hatte: „Payback-Karte?“

          Mit der ersten Kundenkarte Deutschlands, die Heinz Breuninger erstmals 1959 in seinem Warenhaus vorgestellt hatte, blieb er jahrzehntelang ziemlich allein. „Damals wurden numerierte Papierkarten ausgegeben“, sagt Willy Oergel, der heutige Chef des Unternehmens. „Und die Kunden bekamen am Monatsende für ihren Einkauf eine Rechnung.“ Die Tradition ist bis heute sichtbar: „Sechs von zehn Kunden bezahlen mit der Breuninger-Karte“, sagt Oergel.

          Avantgarde: Das Kaufhaus Breuninger in der Stuttgarter Innenstadt auf einem Foto aus dem Jahr 1978.

          Zumindest ist das in Stuttgart so, dem Stammsitz des Unternehmens. Mittlerweile hat das Warenhaus weitere Stützpunkte eröffnet. In Leipzig, in Karlsruhe, an zusätzlichen sieben Standorten und nun, seit vergangenem Donnerstag, auch in Düsseldorf. Aus Breuninger ist eine Kette von Department Stores geworden. Neben den Premiumhäusern von Karstadt, zu denen das KaDeWe in Berlin gehört, ist Breuninger die einzige deutsche Kaufhausmarke, die es mit dem internationalen Vergleich aufnehmen kann, den La Rinascentes in Italien, den Galeries Lafayettes in Frankreich, den Filialen von Harvey Nichols in Großbritannien.

          Das liegt nicht etwa an der besonderen Kauflust der Deutschen oder am Modeverständnis der Schwaben. Es liegt vor allem am Service – daran, dass dieses Warenhaus von Anfang an den Charakter eines Erlebnishauses haben sollte. Hier konnten die Stuttgarter im hauseigenen Schwimmbad im Obergeschoss in den siebziger Jahren Spa-Tage einlegen, bevor sie das Wörtchen Wellness überhaupt kannten. Durch die Etagen darunter schossen derweil die gläsernen Aufzüge, es gab den Shuttleservice, der einen nach dem Shopping bis vor die Haustür fuhr, den Kinderfrisör, die Betreuung für Kinder, den „Breuni-Bär“, der im Haus herumzog und die Kleinen bei Laune hielt.

          Beim Streben nach Wohlstand in den Nachkriegsjahren lieferte das Haus, das bereits im Jahr 1881 gegründet wurde, den Kunden eine faszinierend glitzernde Lebensvorlage. „Man kann an vielen Orten Kleider kaufen“, sagt Oergel. „Es geht darum, die Menschen im Herzen zu erreichen.“ Man muss sie zum Staunen bringen. Dafür reiste Heinz Breuninger regelmäßig in die Vereinigten Staaten – und kehrte mit neuen Inspirationen zurück: mit den Ideen zu den Kundenkarten, den Restaurants auf jedem Stockwerk, die mittlerweile auch in den Einkaufszentren der Provinz selbstverständlich geworden sind. Über das Stuttgarter Stammhaus kamen sie zum ersten Mal nach Deutschland.

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