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Blazer für Frauen : Ein cooles Mädchen ist ein halber Mann

  • -Aktualisiert am

Maßanfertigung statt Massenware: Blazer von Blazé Milano Bild: Foto Laura Sciacovelli’/Margherita Maccapani Missoni für Blazé

Zwei Italienerinnen haben festgestellt: Den perfekten Blazer gibt es nur für Männer – nicht für Frauen. Um das zu ändern gründeten sie ihr eigenes Label: Blazé Milano.

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          Das süße Leben ist in Italien erfunden worden: das gute Essen, die Leidenschaft und nicht zuletzt die Schneidertradition. Doch während Männer ihre Vorliebe für Passform bei Herrenmaßschneidern ausleben können, durften Frauen nur auf Glücksgriffe hoffen. Das wollten die Italienerinnen Corrada Rodriguez d'Acri, Sole Torlonia und Delfina Pinardi nicht länger hinnehmen. Sie arbeiteten als Moderedakteurinnen bei Magazinen wie „Elle“ und als Stylistinnen bei Marken wie Valentino. Und immer wieder stellten sie fest: Den perfekten Blazer gibt es nicht. Aber mit ihrer Erfahrung wussten sie, wie er aussehen müsste. Also gründeten sie 2013 ihr Made-to-order Label Blazé Milano. Motto: „Every cool girl is half a man.“

          Der Name Blazé ist abgeleitet vom französischen Wort blasé („blasiert“). Als Marke wollen sie sich nur auf ein einziges Produkt spezialisieren. Heute bieten die meisten Designer ein Spektrum vom Wintermantel bis zur Duftkerze an. Blazé besinnt sich auf die Ursprünge. Einst war es üblich, zu Spezialisten zu gehen. So ähnlich hält es auch Blazé. „Mach eine Sache, und mach sie richtig gut“, sagt Pinardi über die Vision des mutigen Modetrios.

          „Blazé ist ein reiner Girls-Club“

          It-Girls wie Alexa Chung oder Stilvorbilder wie Ada Kokosar tragen ihre Entwürfe, und mit Margherita Missoni haben sie eine kleine Sonderkollektion lanciert. Die Vorzeige-Pariserin Caroline de Maigret ist ihre Muse. So ist das eben: Marken statten Streetstyle-Stars kostenlos aus, dafür gibt es Werbung. „No, no“, wehrt Delfina Pinardi ab. „Fast alle sind normale Kunden.“ Wer genau, das verrät sie nicht. Nur, dass sie auch Anfragen von Männern erhalten: „Aber Blazé ist ein reiner Girls-Club“, sagt Pinardi. „Die Männer sind verwöhnt genug.“

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          Die Kollektion von Blazé Milano stützt sich auf sechs Grundmodelle: Länge, Reversform und Knopfleisten variieren. Da gibt es zum Beispiel den „Everyday Blazer“ mit doppelreihiger Knopfleiste und Halbmondtaschen oder den knöchellangen „Great Coat Blazer“ mit Bindegürtel. Da nach Auftrag gefertigt wird, können Kunden die Details selbst bestimmen, etwa die Knöpfe aus bordeauxrotem Leder, aus Holz oder geprägt und in Gold. Auch beim Material hat man die Wahl. Die Blazer erinnern an Offiziers-Uniformen oder elegante Dressurreiterinnen: Corrada Rodriguez d'Acris Vater war Marine-Offizier, Delfina Pinardi und Sole Torlonia sind begeisterte Reiterinnen. Dieser Hintergrund prägt das Design mit akzentuierten Schulterpartien und leichtem Oversize-Schnitt, sodass die Blazer trotzdem elegant fallen. Eine Mischung aus französischer Coolness und italienischer Klassik. Damit der PowerLook nicht zu extrem wirkt, haben sie ein eigenes Maß für Schulterpolster: „Normalerweise kann man zwischen Größe 1 und Größe 2 wählen. Wir haben bei der Produktion auf 1,5 bestanden“, sagt Delfina Pinardi. Sie seien keine Designer, betonen die drei Frauen. Aber als erfahrene Stylisten haben sie ein Auge für Details.

          Blazer mit integrierter Handtasche

          Und: Sie kennen die Bedürfnisse moderner Frauen, die Handtasche haben sie kurzerhand in den Blazer integriert. Es gibt unterschiedlich große Fächer für Lippenstift, Handy, Schlüssel, Karten-Etui, Zigaretten. Weil der Schnitt klug konstruiert ist, sieht man trotzdem nicht wie ein ausgestopfter Ladendieb aus. Je nach Material, Länge und Details kostet ein Blazer zwischen 900 und 3000 Euro. Der hohe Preis könnte zu einer neuen Konsumhaltung passen: weniger kaufen, dafür hochwertiger.

          Im Mailänder Atelier kann man die Blazer nach Wunsch fertigen lassen. Und was, wenn jemand einen lilagrünen Blazer mit roten Knöpfen und gelbem Innenfutter bestellt? „Wir geben einen ästhetischen Rahmen vor. So stellen wir sicher, dass das Ergebnis gut aussieht“, sagt Pinardi. Zwei bis drei Monate wartet man auf das fertige Einzelstück. Das Kernbusiness solle immer der Made-to-order-Service sein: „Unser Traum ist eine kleine Fläche in Boutiquen, wo ein Profi Maß nimmt und die Kundinnen dann ihr Modell zusammenstellen“, sagt Pinardi. Bis es so weit ist, kann man eine kleine Auswahl bei einigen Boutiquen kaufen, in Deutschland unter anderen bei „The Store“ in Berlin oder „Linette“ in Hamburg, online bei Moda Operandi oder Matchesfashion.com. Isabelle Braun

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