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Bioplastik : Verpackt in alle Ewigkeit!

  • -Aktualisiert am

Kosmetik in Bioplastik: Chanel hat schon angeklopft Bild: Sulapac

Plastik ist sehr haltbar, das ist das Problem. Die Lösung ist Bioplastik, garantiert kompostierbar.

          Für die Industriestaaten war Plastikmüll lange ein untergeordnetes Problem. Es fand sich immer jemand, der ihn annahm. Doch seit China kaum mehr Plastikmüll importiert und Staaten wie Malaysia und Rumänien in illegalen Müllhalden ersticken, rückt das Problem ins Sichtfeld auch der Politik. Auf der ganzen Welt werden jedes Jahr etwa dreihundert Millionen Tonnen Plastik produziert, das meiste landet im Müll. Wenn der Trend anhält, gibt es 2050 mehr Plastik in den Weltmeeren als Fische. Denn Kunststoffe wie Polyethylen, Polystyrol oder PET waren immer so begehrt, weil sie besonders haltbar sind – leider auch dann, wenn man sie nicht mehr braucht. Nach Berechnungen der University of Georgia und der University of California Santa Barbara wurden von den bis heute weltweit produzierten 8,3 Milliarden Tonnen Plastik mehr als 6,3 Milliarden längst weggeworfen.

          Überall auf der Welt will man das Plastikproblem in den Griff kriegen. Das Unternehmen Avani Eco aus Indonesien stellt aus Tapiokapflanzen Taschen her, die ähnliche Eigenschaften wie Plastiktüten besitzen, sich aber in Wasser auflösen lassen. Slowakische Forscher ziehen aus so unterschiedlichen Grundstoffen wie Zucker, Maisstärke oder Speiseöl Elemente für das Material Nuatan, das bis zu fünfzehn Jahre lang und länger halten soll, sich aber bei entsprechender Behandlung auch in 90 Tagen zersetzen kann. Der Schwede Pontus Törnqvist hat ein Material aus Kartoffelstärke entwickelt, das kompostierbar ist; in Frankreich arbeiten sie an Enzymen, die Plastik zersetzen sollen; und die Londoner Skipping Rocks Labs haben auf Grundlage von Meeresalgen die essbare Folie Ooho entwickelt, die in ersten Takeaway-Läden für Saucen genutzt wird.

          Von der Marktreife weit entfernt

          Viele Produkte sind von der Marktreife weit entfernt, Ooho etwa hält nur wenige Tage, ehe es zu schrumpfen beginnt. Doch das Umweltprogramm der Vereinten Nationen schätzt, dass der Markt für „alternatives Plastik“ bis 2020 rund 3,4 Milliarden Dollar umfassen wird. In den nächsten zehn Jahren sollen bis zu zwanzig Prozent aller Kunststoffprodukte aus Bioplastik entstehen. Ein weiteres Unternehmen, das sich Anteile in diesem Zukunftsmarkt sichern will, ist Sulapac aus Finnland. Das gleichnamige Material besteht vollständig aus Holz und aus natürlichen Bindemitteln wie Zuckerrohr. Sulapac ist ähnlich flexibel wie Plastik; es weist Wasser, Öl und Sauerstoff ab, ist aber rückstandslos biologisch abbaubar.

          Die Idee kam der Gründerin Suvi Haimi im Badezimmer: Es sei widersinnig, dass sie Naturkosmetik benutze – deren Verpackung aber der Umwelt schade. „Im Kosmetikbereich werden Produkte ein paar Monate genutzt. Warum sollte die Verpackung dann Jahrhunderte überdauern?“ Suvi Haimi ist Spezialistin für Biomaterie und Gewebeherstellung, sie hat in Finnland und den Niederlanden studiert. Und es war ihr Professor, der ihr den Rat gab, sich selbständig zu machen. „Wer die großen Probleme lösen will, kann das nur als Unternehmer tun.“ Zusammen mit ihrer Kollegin Laura Kyllönen gründete sie 2016 das Unternehmen Sulapac.

          Auf den Kompost: diese Teile sind aus Kartoffelstärke Bilderstrecke

          Die Grundlage sind Chips aus Holz; Haimi und Kyllönen entwickelten dazu das Bindemittel, das anstelle des herkömmlichen Granulats in handelsüblichen Spritzgussmaschinen genutzt werden kann. „In der Maschine stecken dann achtzig Prozent Holz“, sagt Haimi; es ist ein Abfallprodukt. Sulapac garantiert 24 Monate Haltbarkeit unter tropischen Bedingungen (Temperaturen bis 40 Grad, Luftfeuchtigkeit bis 75 Prozent), ehe der Abbauprozess beginnt. „Wir arbeiten an einem Katalog chemischer und kosmetischer Zutaten, denen unser Produkt widerstehen kann“, sagt Haimi. „Wir nutzen es schon in unseren eigenen Badezimmern, es funktioniert.“

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