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Automobile von Walter Gropius : Bauhaus auf Rädern

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Vor dem I.G.-Farben-Haus in Frankfurt: Der Adler Standard 8 wird seit einiger Zeit von einem Kreis von Adler-Enthusiasten nachgebaut. Bild: Dieter Günther

Das Bauhaus war weitaus mehr als eine Bildungseinrichtung für angehende Architekten und Designer. Ihr Gründer und Lehrer, Walter Gropius, entwarf auch drei Automobile – nur passten sie damals nicht in die Zeit.

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          Dass Walter Gropius ein Faible hatte für automobile Fortbewegung, wurde früh deutlich. Im Jahrbuch des Deutschen Werkbunds von 1914 schwärmte der spätere Bauhaus-Gründer von der „klaren, mit einem Blick erfassbaren Erscheinungsform“ zeitgenössischer Fahrzeuge, „die nichts mehr von der Kompliziertheit des technischen Organismus ahnen“ lasse.

          „Technische Form und Kunstform sind darin zu organischer Einheit verwachsen.“ Bis Gropius selbst zum Formgeber, wie man das damals nannte, von Autokarossen wurde, dauerte es freilich noch gut 15 Jahre. Da hatte er sich längst als Architekt und Designer einen Namen gemacht sowie das Staatliche Bauhaus in Weimar initiiert, das am 12. April 1919 eröffnete.

          Die zentrale Idee der Schule für Architektur und gestalterisches Schaffen war ein „ganzheitlicher“ Ansatz, um Kunst, Handwerk und industrielle Produktion zusammenzuführen und Form und Inhalt zusammenzudenken. Das führte zu einer unverwechselbaren Formensprache, die sich an geometrischen Grundmustern ebenso orientierte wie an Funktionalität und Variabilität. Diese Formensprache sollte nun auch in die Architektur von Autos einfließen. 1933 sagte Gropius in einem Vortrag, Haus und Auto unterlägen „den gleichen Formgesetzen“.

          Drei Adler-Modelle von Gropius

          Gropius war mit Heinrich Kleyer befreundet, dem Gründer und Generaldirektor der Adlerwerke in Frankfurt, der bis kurz vor seinem Tod im Jahr 1932 Aufsichtsratsvorsitzender des Unternehmens war. Die Adlerwerke galten als fortschrittlich: Das 1926 vorgestellte Modell Standard 6 verfügte über eine hydraulische Vierradbremse, einen abnehmbaren Zylinderkopf und eine moderne Ganzstahlkarosserie. Da passte die Zusammenarbeit mit Gropius ins Bild. Er entwarf für das Unternehmen nicht nur wunderbare kühl-sachliche Ausstellungsstände und einen stilisierten Adler als Firmenemblem, sondern auch drei Automobil-Aufbauten: zwei viertürige Limousinen und ein zweitüriges Cabriolet mit vier Sitzen.

          Brachte auch Autos in Form: Walter Gropius im Jahr 1928
          Brachte auch Autos in Form: Walter Gropius im Jahr 1928 : Bild: Ullstein

          In seinem Architekturbüro in Berlin arbeitete Gropius mit seinem Team am Design der drei Adler-Modelle. Die beiden Viertürer debütierten am 2. Oktober 1930 auf dem Automobilsalon in Paris als Adler Standard 6 Vierfenster-Limousine mit sechs Zylindern, 2,9 Litern Hubraum und 50 PS sowie als stattlicher Standard 8 Pulman mit acht Zylindern, 3,9 Litern Hubraum und 80 PS.

          Das deutsche Publikum musste sich bis zur Internationalen Automobil-und Motorrad-Ausstellung in Berlin gedulden, wo vom 19. Februar 1931 an zwei Wochen lang alle drei Schöpfungen zu sehen waren: die beiden Limousinen auf dem Ausstellungsstand von Adler und das Schlaf-Kabriolett Standard 8, Modell Gropius, so die offizielle Bezeichnung, bei Karosserie Neuss, einem Berliner Unternehmen, bei dem die Modelle fertiggestellt wurden.

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