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Leibovitz-Ausstellung : Das Foto macht die Porträtierte selbst

  • -Aktualisiert am

Perfektionsversessen: Annie Leibovitz Bild: Laura J. Gerlach

In Frankfurt lässt Annie Leibovitz ihre Protagonistinnen sich selbst inszenieren. Auf ihren Reisen ist sie manch berühmtem Menschen begegnet.

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          Annie Leibovitz ist da. Im Kunstverein Familie Montez im Frankfurter Ostend zeigt sie Frauenporträts, die sie auch schon in Mailand, Hongkong und Mexiko ausgestellt hat. Auf Frankfurt folgen noch New York und Zürich. Der Kunstverein ist leergeräumt, der Eingang verwandelt in eine VIP-Lounge. Wohnzimmeratmosphäre als Kontrast zur Sichtbetonhalle im Brückenbogen der Honsellbrücke. Die Göttin der Fotografie eröffnet die Show selbst im scheinbar unscheinbaren Outfit mit schwarzer Schlabberhose und dunkler Flanellbluse, das weißblonde Haar offen und leicht zerzaust über die Schultern fallend, sehr amerikanisch, sehr professionell, sehr freundlich.

          Begrüßung durch das einladende Bankhaus, den „Auftraggeber“ der Bilder - neues Understatement in der Sprache der Sponsoren? Annie Leibovitz ist perfektionsversessen, das heißt: Die Produktionen sind teuer. Sie tritt ans Pult und proklamiert Allgemeinplätze. Ihre Professionalität ist eine gläserne Wand. Sie lädt ein, die Ausstellung gemeinsam zu begehen und über die Sujets zu sprechen.

          Auch die Queen hat sie getroffen

          An einer langen Pinnwand: Fotoabzüge, Testprints, Drucke, wie ein Querschnitt durch das Werk. Auch hier trennt ein dünnes Plexiglas den Besucher vom Original. Riesige Bildschirme zeigen die Frauenporträts im Wechsel. Man erkennt die Qualität des Werks und die Vielseitigkeit der Bildsprache. Im Halbdunkel erklärt sie die Idee ihrer Serie, erzählt von Begegnungen mit Yoko Ono und John Lennon, den Williams-Schwestern, der Queen.

          Wenn sie von Susan Sontag redet, ihrer verstorbenen Lebensgefährtin, immer noch Epizentrum ihres Lebens, wird sie persönlich, und der Raum könnte jetzt eine off-location in Downtown Manhattan sein. Dann erzählt sie von Ferien mit ihren Töchtern, die sich beschweren, dass sie sie dauernd, auch im Urlaub, fotografiert. Inzwischen muss sie einen Termin mit ihnen verabreden, um ein Foto machen zu dürfen.

          Beauty or truth? Vielleicht sucht sie nicht die Schönheit oder die Wahrheit, sondern eine Schönheit. Nicht sie führe Regie in ihren Bildern, sagte sie, sondern die porträtierten Frauen selbst. Im Akt des Fotografierens inszenieren sich die Protagonisten selbst. „Ich will, dass sie gut aussehen, die Frauen in meinen Bildern.“

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