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Statistisches Bundesamt : Alleinerziehende sind besonders von Armut bedroht

  • Aktualisiert am

Es braucht eine Kindersicherung, fordert der Verband alleinerziehender Mütter und Väter Bild: dpa

Immer mehr Kinder wachsen bei nur einem Elternteil auf. Allerdings ist es für viele Alleinerziehende schwierig, erwerbstätig zu sein. Dabei würde ein Großteil gerne arbeiten, wie eine neue Statistik zeigt.

          Die Zahl der Alleinerziehenden steigt weiter: In etwa jeder fünften Familie wächst ein Kind mit nur einem Elternteil auf, so meldete es das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Berlin. In absoluten Zahlen waren es im vergangenen Jahr 1,5 Millionen Familien, bei denen sich vorwiegend ein Elternteil um die Kinder kümmert. Vor 20 Jahren waren es 200.000 alleinerziehende Haushalte weniger.

          Der Trend der wachsenden Zahl alleinerziehender Haushalte ist sogar gegenläufig zu der Gesamtzahl der Familien, wie der Präsident des Statistischen Bundesamts, Georg Thiel, ausführte. Denn diese sank in den vergangenen 20 Jahren um 1,2 Millionen auf 8,2 Millionen Familien.

          Längst gilt es bei den meisten Deutschen auch nicht mehr als Makel, wenn Kinder bei nur einem Elternteil aufwachsen. So werden laut einer Umfrage des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung von 80 Prozent der Befragten alle Lebensformen mit Kindern als Familie angesehen. Zumindest zwei Dinge haben sich dabei aber nicht geändert: Nach wie vor sind es vor allem Frauen, die alleinerziehend sind, in neun von zehn Fällen kümmert sich die Mutter alleine umd die Kinder. Und Alleinerziehende sind überproportional stark von Armut bedroht, wenn auch die Quote der armutsgefährdeten Haushalte bei Alleinerziehenden leicht von 37 Prozent im Jahr 2011 auf 33 Prozent im Jahr 2016 gesunken ist.

          Bei Alleinerziehenden ist das Pro-Kopf-Einkommen um ein Fünftel niedriger

          Der Anteil der Alleinerziehenden in Ostdeutschland ist dabei vergleichsweise hoch: So haben Berlin mit 27,6 und Thüringen mit 25,1 Prozent die höchsten Quoten. Das liegt aber auch daran, dass die Zahl der Ehepaare mit Kindern stark gesunken ist. Gleichzeitig steigt aber die Zahl Alleinerziehender in Westdeutschland. Von 950.000 vor 20 Jahren auf knapp 1,2 Millionen im Jahr 2017. In den südlichen Bundesländern Baden-Württemberg mit 15,3 Prozent und Bayern mit 16,2 Prozent ist sie immer noch vergleichsweise niedrig.

          Das macht sich vor allem im Portemonnaie bemerkbar: Laut Bundesamt ist das Pro-Kopf-Einkommen in Haushalten von Alleinerziehenden um knapp ein Fünftel niedriger als in Haushalten von zwei Erwachsenen mit Kindern. Zudem hätten rund zwei Drittel der betreffenden Familien nicht die finanziellen Möglichkeiten, unerwartete Ausgaben von 1.000 Euro zu bestreiten, so das Bundesamt. Diese Quote liege im bundesweiten Mittel bei 30 Prozent.

          Für Alleinerziehende vor allem mit sehr kleinen Kindern ist es trotz Kita-Ausbau immer noch schwierig, erwerbstätig zu sein und zumindest in Teilzeit zu arbeiten. Mehr als ein Viertel der betreffenden Frauen hatte im vergangenen Jahr keine Arbeit. 55 Prozent von ihnen wären allerdings an einem Job interessiert, hieß es. Anders sieht es laut Angaben der Behörde bei nicht erwerbstätigen Müttern aus, die in einer Beziehung leben: Von ihnen wünschen sich nur 29 Prozent eine Arbeitsstelle.

          Viele Alleinerziehende kämpfen mit Überschuldung

          Bei Männern, die alleine Kinder unter drei Jahren betreuten, waren hingegen 69 Prozent erwerbstätig. Dem Bundesamt zufolge könnte das zum einen daran liegen, dass alleinerziehende Väter häufig einen höheren Bildungsstand haben und deshalb bessere Beschäftigungsaussichten. Da sie im Durchschnitt auch mehr verdienen, könnte es ihnen zudem leichter fallen, eine professionelle Betreuung zu organisieren.

          Erst mit steigendem Kinderalter gleicht sich die Erwerbstätigenquote von alleinerziehenden Männer und Frauen an. Allerdings arbeiten nur 42 Prozent der Mütter Vollzeit, bei den Vätern sind es 88 Prozent.

          Überschuldung ist so eines der Probleme, mit denen Alleinerziehende zu kämpfen haben. Mehr als jede sechste Person, die wegen finanzieller Schwierigkeiten zu einer Schuldnerberatung gegangen sei, war alleinerziehend, so das Bundesamt. Arbeitslosigkeit spiele dabei eher eine untergeordnete Rolle. Vielmehr seien Trennung, Scheidung oder Tod des Partners Hauptauslöser dafür, wobei letzterer Grund immer weniger auftauche, meinte Thiel.

          Verband fordert Kindergrundsicherung

          Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) kündigt unterdessen weitere Reformen an: Sie will nun den Kinderzuschlag erhöhen, den Familien mit niedrigem Einkommen erhalten. Zudem reduzieren immer mehr Bundesländer die Kita-Gebühren. Seit Mittwoch geht Berlin hier mit gutem Beispiel voran. Eltern müssen in der Hauptstadt nun keine Gebühren zahlen, wenn ihre Kinder dort betreut werden.

          Der Verband Alleinerziehender Mütter und Väter bekräftigte am Donnerstag im ZDF seine Forderung für eine Kindergrundsicherung. Außerdem sei eine bessere Kinderbetreuung gerade zu Randzeiten notwendig, erklärte eine Sprecherin, sowie mehr steuerliche Entlastungen für Alleinerziehende.

          Stefan Hahndorf, Gründer der Ratgeber-Homepage „vaterfreuden.de“ fordert indes mehr Engagement speziell für alleinerziehende Väter. „Der größte Unterschied zwischen alleinerziehenden Männern und Frauen ist tatsächlich die gesellschaftliche Akzeptanz“, sagte Hahndorf in einem Gespräch mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Freitag). Um dies zu verbessern, sei die Politik gefragt, sagte Hahndorf. „Politiker müssen in erster Linie aufklären und die Rolle von Vätern und ihre Bedeutung aufwerten.“   Auch seitens der Arbeitgeber bekämen Männer „häufig weit weniger Verständnis“ entgegengebracht als Frauen, kritisierte Hahndorf. Außerdem müsse es insbesondere in großen Städten „Männerbeauftragte“ geben, um etwa den Umgang mit Behörden zu erleichtern: „Fakt ist, dass es Männer in Familienfragen häufig schwerer haben, vor Gericht etwa, und meist auch in den Sozialämtern weniger Lobby haben“, sagte er.

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