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Stadtkonzern Darmstadt : Eine Privatisierung ist kein Thema mehr

Daseinsfürsorge: Das kommunale Darmstädter Klinikum bekommt einen neuen Zentralbau mit Hubschrauberlandeplatz. Bild: Michael Kretzer

Auf die Heag AG als Darmstadts Stadtkonzern ist nicht nur der Oberbürgermeister stolz. Doch warum funktioniert das „Beteiligungsmanagement für die Daseinsvorsorge“ so gut?

          Vor gut zehn Jahren hat die Politik die Heag Holding AG als einen Stadtkonzern konstruiert, dessen Kernaufgabe als „Beteiligungsmanagement“ definiert wurde. Ganz präzise lässt sich die Geburtsstunde der Holding zwar nicht benennen, weil der Prozess sich längere Zeit hinzog, so dass daran drei Oberbürgermeister mitwirkten. Aber als strategische Steuerungseinheit für die vielen städtischen Beteiligungen arbeitet die Heag AG unter den beiden Vorständen Klaus-Michael Ahrend und Markus Hoschek seit einem Jahrzehnt effektiv und vergleichsweise geräuschlos. Zum kleinen Jubiläum hat der Oberbürgermeister eine Bilanz gezogen – mit vielen Superlativen.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

          Dank des Darmstädter Stadtkonzerns gebe es eine „Transparenz wie in keiner anderen Stadt“. Er kenne auch keine andere Kommune in Deutschland mit so großer Wertschöpfung und Leistungsfähigkeit in Relation zur Bevölkerung, sagte Jochen Partsch (Die Grünen). Er hob außerdem hervor, dass Darmstadt die erste hessische Großstadt gewesen sei, die 2009 eine „Stadtwirtschaftsstrategie“ vorgelegt und einen Beteiligungskodex eingeführt habe.

          Unter dem Heag-Dach befinden sich mit der städtischen Wohnungsgesellschaft Bauverein, dem Energieversorger Entega und dem Verkehrsunternehmen Heag mobilo drei große Spartengesellschaften, die jeweils eigene Töchter haben – allein die Entega hat mehr als 50 von der Abwasserreinigungs-GmbH über Solarparks bis hin zu einer Wohnpark-Gesellschaft für Senioren. Selbst auf Menschen, die sich kommunalpolitisch interessieren, wirkt dieses verzweigte Portfolio zuweilen wie ein Buch mit sieben Siegeln, zumal es außer den Spartengesellschaften mit ihren vielen Beteiligungen noch eine Reihe städtischer Eigenbetriebe und Gesellschaften gibt, etwa den für die Müllabfuhr und den Zoo zuständigen EAD und das städtische Klinikum.

          Alles aus städtischer Hand?

          Die Stadtwirtschaft, hob Partsch hervor, betrifft somit nahezu alle Lebensbereiche – von Energie und Wasser über Immobilien, Mobilität, Kultur und Freizeit, IT- und Telekommunikation bis zu Abwasser und Entsorgung. Und alle diese Gesellschaften zur Daseinsvorsorge sollen dank des „ganzheitlich orientierten Managements der Heag AG wie Gewerke ineinandergreifen“.

          Dass es sich dabei nicht um Wortzauber handelt, lässt sich nach Ansicht des Oberbürgermeisters anschaulich an der Lincoln-Siedlung zeigen. Die große Konversionsfläche wird seit einigen Jahren in einer Gemeinschaftsaktion von Bauverein, Entega, Heag mobilo und Stadt zu einem neuen Viertel entwickelt, das alles, was es braucht, aus städtischer Hand bekommt: Wohnungen, Kindergärten, Wasser, Strom, Haltestellen und Car-Sharing. Weil es auf Lincoln so gut funktioniert, sollen als Nächstes die Cambrai-Fritsch-Kaserne und die Jefferson-Siedlung dem gleichen Kooperationsmodell folgen, damit die Stadt schnell auf den beiden Arealen neue Wohngebiete erschließen kann.

          Partner des RMV: Tram der zum Stadtkonzern gehörenden Heag mobilo

          In den vergangenen zehn Jahren hat der Bauverein 1000 Wohneinheiten geschaffen und zahlreiche seiner Liegenschaften saniert. Bei der Entega wies Partsch darauf hin, dass der Konzern nach einigen schweren Jahren sich mittlerweile zum führenden Stromanbieter Deutschlands für Gewerbekunden und zum zweitgrößten Anbieter für Privatkunden entwickelt habe. Insgesamt investierten die Unternehmen der Stadtwirtschaft nach der Zehn-Jahres-Bilanz des Heag-Vorstandes 2,6 Milliarden Euro, ihre Wertschöpfung in der Region für diesen Zeitraum beziffern die Vorstände mit 5,46 Milliarden Euro. Gemessen am Umsatz, habe die regionale Wertschöpfung damit innerhalb eines Jahrzehnts von 18 auf 38 Prozent gesteigert werden können.

          Keine Privatisierungsdiskussionen in Darmstadt

          Für Ahrend und Hoschek ebenfalls erfreulich: Die 2009 erstellte Stadtwirtschaftsstrategie, die Ziele für alle Beteiligungen formuliert, funktioniert. Von 256 Vorhaben wurden 77 Prozent abgeschlossen, 14 Prozent werden gerade verwirklicht, der Rest ist in Planung. Wie bestellt, hat zum Jubiläumsjahr auch das Wissenschafts- und Kongresszentrum „steigende Umsätze bei sinkenden Verbräuchen“ vermeldet. Eröffnet worden war das Darmstadtium vor zehn Jahren mit hohem operativen Verlust, nunmehr ist die Bilanz ausgeglichen. Das sind Nachrichten, die nicht nur der Rathauschef, sondern auch der Kämmerer nur zu gerne hört.

          Vom Himmel gefallen sind die Erfolge nicht. Bauverein und Entega AG haben unter dem Dach der Holding strategisch weitreichende Korrekturen im Sinne einer Regionalisierung vorgenommen. So verkaufte das Wohnungsunternehmen seine Beteiligungen in Mittelhessen und Ostdeutschland, um sich stärker auf Südhessen zu konzentrieren. Auch der Rückkauf des Eon-Aktienanteils von 40 Prozent an der Entega (damals HSE) hat dem Energieversorger mehr Handlungsspielräume als regionalem Unternehmen eröffnet.

          Zu diesen harten unternehmerischen Entscheidungen gesellte sich die Feuerwehr-Funktion der Vorstände, die schnell einmal einsprangen, wenn es wie beim Klinikum personelle Engpässe gab, und eine Charmeoffensive der Heag-Spitze, die unter Transparenz auch Verständlichkeit versteht. Deshalb präsentiert sich Darmstadts Stadtkonzern der Öffentlichkeit zum Beispiel auf dem Stadtportal www.darmstadtimherzen.de, bei einem „Tag der Stadtwirtschaft“ und in Form einer Broschüre, die die besten Produkte „Made in Darmstadt“ vorstellt. Ein für das politische Klima wichtiges Plus gibt es Partsch zufolge ebenfalls zu verzeichnen: „Es gibt heute keine Privatisierungsdiskussionen mehr. Allen Fraktionen in der Stadtverordnetenversammlung ist klar, dass unsere Stadtwirtschaftskultur eine große Stärke Darmstadts ist.“

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