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Zweierbob : „Gold-Bärchen“ und Stuntman als perfekte Fahrgemeinschaft

Blumen für die Olympiasieger Kuske und Lange - die Medaillen folgen später Bild: AP

Die Olympiasieger im Zweierbob sind keine Kinder des Zufalls. Wer Andre Lange ist, weiß man: Nachfolger des charismatischen Christoph Langen. Aber Kevin Kuske, anderer Part der besten Fahrgemeinschaft der Welt, kennen bislang nur wenige.

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          Alles Gute kommt von oben. In diesem Fall war es der Schnee, der, Ironie des olympischen Wintersports, das Zweier-Bob-Rennen gefährdete. Schon während des dritten Durchgangs hatte das Treiben der Flocken so zugenommen, daß die Piloten kaum noch etwas sehen konnten. Aber im Blindflug ist noch niemand Olympiasieger geworden.

          Anno Hecker
          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Schon gar nicht auf einer so anspruchsvollen, im unteren Bereich sogar gefährlichen Bahn wie in Cesana-Pariol. Bundestrainer Raimund Bethge forderte zum Wohle der Piloten einen Abbruch des Rennens. Aber die Jury blieb trotz des dichten Schneetreibens stur. Weil die Bahnarbeiter wie die Brunnenputzer immer wieder den Schnee aus der Bahn kehrten, konnte die Laune der Natur letztlich kein böses Spiel mit den akribisch vorbereiteten Spitzensportlern treiben.

          Etwas kleiner, etwas breiter

          Die beiden Olympiasieger sind keine Kinder des Zufalls, sondern die zur Zeit beste Fahrgemeinschaft der Welt: Andre Lange mit seinem Anschieber Kevin Kuske von der RSG Rennsteig Oberhof. Sie gewannen mit 0,21 Sekunden Vorsprung vor dem kanadischen Duo Pierre Lueders und Lascelles Brown sowie Martin Annen/Beat Hefti aus der Schweiz. Der Riesaer Matthias Höpfner belegte mit seinem Anschieber Marc Kühne bei seiner Olympiapremiere einen guten fünften Rang.

          Kuske und Lange - zwei starke Typen
          Kuske und Lange - zwei starke Typen : Bild: dpa/dpaweb

          Wer Lange ist, weiß man: schon längst der Nachfolger des charismatischen Christoph Langen, etwas kleiner, etwas breiter, aber auf dem Weg, den Unterhachinger zu überflügeln. Zumindest als Pilot. Dem Olympiasieg im Vierer 2002 ließ er neben drei WM-Titeln hintereinander im großen Schlitten nun den Triumph im Zweier folgen. Er gilt als Meister der Kurvenkunst, macht aber nicht viel Aufhebens um die Erfolge seiner Fähigkeit, sondern sehnt sich statt dessen lieber nach häuslicher Ruhe.

          Rundherum erkennbarer Gemütlichkeit

          „Bärchen“ wird Lange wegen seiner rundherum erkennbaren Gemütlichkeit gerufen. „Gold-Bärchen“ wäre die passende Erweiterung für den passionierten Motorradfahrer. Er bringt die Fuhre schon auf der Ideallinie runter. Am Sonntag faszinierte Lange mit seiner Coolness, ließ den Schlitten in den unteren Passagen aufsteigen in den Steilkurven, als lenkte er gar nicht.

          Was Lange antreibt, so erfolgreich zu sein? Die Antwort saß in diesem Fall ausnahmsweise neben ihm. Kevin Kuske ist sonst der ewige Hintermann, zuständig für die Hauptantriebskraft. Eigentlich sind die Arbeitspferde des Bobsports die anonymen Helden, geduckte Schattenmänner. Diesmal aber ist Kevin Kuske ins Rampenlicht gestolpert. Nach dem ersten Lauf sah alles nach einem leichten Erfolg für Lange aus.

          Dem Mißgeschick folgt ein goldwertes Geschick

          Aber dann, beim zweiten Durchgang, rutschte Kuske nach seinem Anschubpart während des Einsteigens ab und hing am Bob wie eine Fahne im Wind. Nur mit enormer Körperspannung gelang es Kuske, die Füße über dem Eis zu halten und die bremsende Reibung zu verhindern. Dann turnte der 1,94 Meter lange, 100 Kilogramm schwere Hüne in den Schlitten. Dem Mißgeschick folgte also ein goldwertes Geschick. Hätte Kuske den Anschluß verpaßt, dann wäre Lange allein zu Tal gerauscht, ins Tal der Tränen: Einsitzer werden disqualifiziert.

          Und so schmolz zwar der Vorsprung auf einen Wimpernschlag (sieben Hundertstelsekunden). Aber in Lauf drei und vier am Sonntag kam Kuske nicht nur in die Gänge, sondern auch absolut reibungslos in den Schlitten. Irgendwann will der Hintermann dann mal allein auf die Bühne. Zum Film nämlich. Als Stuntman hat er sich bereits empfohlen.

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