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Zum Tod von Bruno Moravetz : Mehr als drei Worte und ein Fragezeichen

  • -Aktualisiert am

Bruno Moravetz (1921 - 2013) Bild: picture-alliance / dpa

Mit der Frage „Wo ist Behle?“ wurde Bruno Moravetz 1980 zu einer Figur der Zeitgeschichte. Doch der Journalist und ZDF-Mann war mehr als seine berühmte Frage. Am Silvestertag starb Moravetz im Alter von 92 Jahren.

          Bruno Moravetz war weit mehr als drei Worte und ein Fragezeichen. Das „Wo ist Behle?“, das der Reporter 1980 bei den Winterspielen von Lake Placid hervorstieß, hat sein Leben verändert. Der bekannte Journalist und ZDF-Mann stieg zu einer Figur der Zeitgeschichte auf.

          Und auch der neunzehnjährige Willinger Skilangläufer, den die Bildregie als Führenden im 15-Kilometer-Rennen nicht gezeigt hatte, wurde schlagartig populär. „Mora“, wie ihn seine Freunde und Weggefährten nannten, reagierte damals Kopf schüttelnd auf das für ihn unverständliche Echo der Fernsehzuschauer daheim.

          Mit Leib und Seele bei seinem Sport

          Bis zum Schluss seines erfüllten Lebens, das am Silvestertag mit 92 Jahren in Kempten im Allgäu zu Ende ging, wie seine Tochter Christiane mitteilte, hat ihn dieser Ausspruch verfolgt. Mal waren ihm die Reaktionen lästig, mal haben sie ihn gefreut.

          In seiner verzweifelt klingenden Frage lag die Leidenschaft eines Reporters, der stets mit Leib und Seele bei seinem Sport war. Das haben die zwölf Millionen Zuschauer an den Bildschirmen in diesem Moment gespürt.

          Ungewöhnlicher Fleiß in der Vorbereitung

          Besonders die Skisprung-Übertragungen des Siebenbürgers mit der rauen Stimme sind Älteren unvergessen. Selbst bei längeren Wetter bedingten Wettkampfunterbrechungen gelang es ihm, die Zuschauer mit seinen interessanten Erzählungen zu faszinieren.

          Der gebürtige Kronstadter, der von Oslo 1952 bis Albertville 1992 sämtliche Winterspiele und dazu die Sommerspiele zwischen Rom 1960 und Los Angeles 1984 am Ort erlebte, verband seine Begeisterung für den Sport mit ungewöhnlichem Fleiß in der Vorbereitung. Frühmorgens war er einer der ersten an der Loipe, um bei den Wachsexperten die letzten Informationen einzuholen. Und nachts war er mit der letzte, der die gemütliche nordische Runde verließ.

          „Wo ist Behle?“ Bruno Moravetz (rechts) und Jochen Behle 1996

          „Mora“ war von Hause aus Zeitungsjournalist und schrieb an die vierzig Jahre lang auch für die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Nach dem Krieg musste sich der Vater dreier Töchter, darunter die langjährige F.A.Z.-Sportredakteurin Christiane Moravetz, als Enzianstecher, Tellerwäscher und Molkewursthersteller durchschlagen.

          Dann begann er als Mitarbeiter des Kemptener „Allgäuer“ für einen Pfennig Honorar die Zeile. Bei der „Heidenheimer Zeitung“ zeichnete Moravetz nicht nur für den Sport-, sondern auch für den Kulturteil verantwortlich. Mit seinem breiten Bildungshintergrund meisterte der Goethe-Kenner diese Aufgabe.

          Moravetz produzierte auch sehenswerte Filme

          Seine Vielseitigkeit war ungewöhnlich: Er fungierte als Pressechef bei Kreidler, war bei den Sommerspielen 1960 in Rom Redakteur der „Deutschen Olympiazeitung“. Er berichtete von der Leichtathletik, vom Motorsport, vom Fechten und vor allem vom nordischen Skisport, dem er gemeinsam mit Werner Kirchhofer und Gerd Mehl zu seiner inzwischen selbstverständlichen Geltung verhalf.

          Nebenbei schrieb er mehrere Bücher. In seiner Zeit beim ZDF zwischen 1963 und 1986 war er bei der Übertragung von zahllosen bedeutenden Wettkämpfen Kommentator. Darüber hinaus produzierte er sehenswerte Filme für den „Sport-Spiegel“ und die „Sport-Reportage“.

          92. Geburtstag nach der Wahl von Thomas Bach

          Eine Zeitlang moderierte Moravetz auch das ZDF-Sportstudio. Doch in dieser Rolle fühlte sich der dem Sach-Journalismus zugetane Mann, der von sich sagte: „Ich bin kein Showtyp“, nicht besonders wohl.

          Seine Begeisterung für den Sport und die Liebe zu den Bergen, die ihre Wurzeln in den Kindertagen beim Skilaufen und Wandern in den Karpaten hatte, gab ihm Schaffenskraft und im Alter Lebensmut. Sein Wunsch zu erleben, dass Thomas Bach IOC-Präsident wurde, erfüllte sich. Einen Tag nach der Wahl beging Bruno Moravetz seinen 92. Geburtstag, dessen Höhepunkt für ihn der Anruf von Bach aus Buenos Aires war.

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