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Zu Besuch bei Nowitzki : Döööööörk!

Im fünften Heimspiel ungeschlagen

Ganz unten, im Bauch der Arena, stehen die Cheerleader der Mavericks Dancers hinter den Stahltribünen. Blonde, brünette und rothaarige Frauen in kurzen Tops und engen Höschen. „Ihr müsst euch konzentrieren“, sagt ihre Trainerin. Auszeit von Carlisle, jetzt ist es ihr Auftritt. Aus den Lautsprechern wummern die Bässe, jede ihrer Bewegungen ist einstudiert, und es ist vorgegeben, dass sie ihre langen Haare offen tragen, weil das besser aussieht auf den Bildern. Und selbst ihre Dekolletés sind geschminkt. Sie tanzen, werfen den Kopf in den Nacken, und sie tragen dieses Dauerlächeln im Gesicht.

Nowitzki steht mit dem Rücken zum Feld, er hat keinen Blick für das, was passiert. Selbst die Zuschauer nehme er kaum war, hat er einmal gesagt. Dreizehn Punkte hat er in der ersten Halbzeit gemacht, nun findet er kaum noch ins Spiel. Philadelphia deckt ihn oft mit zwei Spielern. Der Deutsche nimmt sich zurück, stattdessen wird Spielmacher Monta Ellis immer stärker, er reißt die Begegnung an sich. Er hat großen Anteil daran, dass die Mavericks am Ende 97:94 gewinnen und damit auch im fünften Heimspiel ungeschlagen bleiben.

Interviews ohne Unterhose

Die Riesen schlurfen vom Feld, auf dem Weg in die Umkleidekabine stehen die Fans. Ein kleiner Junge ruft: „Dörk, darf ich deine Schuhe haben?“ Aber Nowitzki hört ihn nicht, er hat den Kopf nach vorne gebeugt, er geht voran - und all seine Mitspieler folgen ihm. 32 Spielminuten, 20 Punkte, 10 Rebounds, 3 Assists und ein Steal - das ist seine Bilanz an diesem Abend. Eine gute Leistung, aber keine herausragende. Zehn Minuten später kommt Carlisle wieder in den Interview-Raum, dieses Mal steht er hinter einem Pult, sein Auftritt hat somit beinahe etwas Präsidiales.

Auch in der Abwehr steht er seinen Mann: Dirk Nowitzki

„Wir haben das getan, was wir mussten, um dieses Spiel zu gewinnen“, sagt der Vierundfünfzigjährige. „Jedes der kommenden Spiele wird so sein wie heute. Für uns gibt es keine einfachen Partien.“ 2011 wurden die Mavericks Meister, danach ist das Team auseinandergebrochen, es folgte der Neuaufbau. Nun sollen zumindest die Play-offs erreicht werden.

Es ist 22.15 Uhr, zwei Dutzend Journalisten und Kameraleute stehen in der Umkleidekabine der Mavericks. An einer Wand hängt ein Schild: „Die Mavericks-Tradition“ steht darauf und dann: „Glaube. Hingabe. Unbequem. Uneigennützig.“ Vince Carter und Shawn Marion kommen aus der Dusche, sie haben gerade einmal die Boxershorts angezogen, als die ersten Fragen gestellt werden. Kurze, knappe Sätze. Marion legt die goldene Uhr um sein Handgelenk, zieht die Gürtelschnalle fest, schmeißt das Handtuch in den Dreckwäschecontainer, dann verabschiedet er sich.

Nowitzki steht noch immer unter der Dusche, der Kapitän ist stets der Letzte, der sich der Presse stellt. Erst um kurz vor 23 Uhr kommt er um die Ecke, er trägt ein Handtuch mit Gummizug um die Hüften, ein anderes hat er über seine Schultern gelegt. Seine Haare sind nass und wild, er trägt Badelatschen und zieht seine Unterhose erst nach dem Gespräch an.

Alleskönner: Dirk Nowitzki ist kein typischer Center

Warum sie so spät ins Spiel gefunden haben? „Wir waren ein wenig schlampig. Und Philadelphia hat zuletzt mit mehr als dreißig Punkten verloren, das wollten sie nicht noch einmal erleben. Sie kamen aus der Kabine und haben uns attackiert - und wir waren nicht sofort bereit. Aber dann haben wir zurückgeschlagen.“

Vier Paar Turnschuhe liegen hinter ihm auf dem Boden, daneben stehen seine Leder-slipper. Es ist 23.30 Uhr, Nowitzki hat sich inzwischen angezogen, er spricht noch immer, die Teamkollegen sind längst auf dem Heimweg. „Dörk, draußen wartet noch eine alte Dame auf dich, sie ist achtzig“, sagt die Pressedame der Mavericks. Nowitzki lächelt. Er weiß, dass das hier noch nicht vorbei ist. Am Ende der Saison endet sein Vertrag. Aber er will noch bleiben, ein paar Jahre dranhängen.

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