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Wein : Wohin führt der Weg des italienischen Weißweins?

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Weißweingebiet: Soave Bild: Vinum

Von großen italienischen Weißweinen wie Soave, Orvieto oder Frascati sind oft nur die klingenden Namen geblieben. Nur vereinzelt werden traditionelle Reben wie die Ribolla gialla wieder entdeckt.

          2 Min.

          Die italienischen Rotweine sind Weltspitze. Die Weißen aber stecken in der Krise. Einer Krise der Identität in erster Linie: Italien ist den Moden gefolgt und hat dabei die alten Sorten und Weintypen vergessen.

          Auf 800.000 Hektar Reben erzeugt Italien jährlich rund 60 Millionen Liter Wein. Ähnlich viel wie Frankreich oder (seit jüngstem wieder) Spanien. Mehr als die Hälfte ist von roter Farbe. Weil die Rotweinproduktion lohnender ist? Mag sein. Bei Kurantgewächsen ist der Preisunterschied zwischen rot und weiß kaum relevant. Im Holz ausgebaute Rote erzeugen aber immerhin weit stolzere Preise als entsprechend gemachte weiße Gewächse.

          Nun ergab der Weißweinanbau lange ohnehin nur im Norden Italiens gute Resultate. Dort gerät er frisch und fruchtig, manchmal sogar säurebetont und mineralisch. Aber erstaunlicherweise sind gerade die bekömmlichen Weißen des Nordens zur Mangelware geworden. Der Betrachter kann sich des Eindrucks nicht erwehren, die großen Regionen des italienischen Weißweines produzierten entweder Massenware oder versuchten, mangelnde Größe durch exzessiven Holzeinsatz zu kaschieren.

          Mädchen vom Land mit dicker Schminke

          Von bekannten Weißen wie Soave, Orvieto oder Frascati ist einzig der klingende Name übrig geblieben. Sie werden im Supermarkt für ein paar tausend Lire als beliebige Touristenweine verkauft. Einheimische Sorten wie Garganega oder Trebbiano werden mit Chardonnay und Sauvignon in kleinem Holz auf Internationalität getrimmt. Diese steht ihnen etwa so gut wie dem einfachen Mädchen vom Land die ungeschickt und zu dick aufgetragene Schminke.

          Gerade beim Weißwein ist die Barrique, das kleine Eichenfass, in dem man den Wein ausbaut, nur in den seltensten Fällen ein Qualitätsfaktor. Meist nivelliert sie einfach den Geschmack. Wahrgenommen wird das Holz und dessen Aromen von Vanille und Kaffee, nicht aber Traube und Anbaugebiet. Weil nur Monster mit der Eiche fertig werden, trimmt man auf Schwerenöter, was eigentlich zum Federgewicht bestimmt gewesen wäre. Die Weine haben wenig Säure, viel fast unverdaulichen Extrakt. Sie besitzen Feuer und Fülle, geraten nicht selten gar ölig und fett und sind im schlechtesten Fall hoffnungslos überladen.

          Unschuld wieder gewinnen

          Immerhin: Das Problem scheint erkannt. Die ersten Experimente mit Chardonnay im Holzfass liegen zehn, fünfzehn Jahre zurück, die Mode hat den Zenit überschritten. Auch mit einheimischen Sorten wurde genügend herum probiert. Daher wissen heute nicht mehr nur Insider, welche der einheimischen Sorten das Holz überhaupt ertragen. Etwa der Vermentino in Ligurien und Sardinien oder - speziell im Friaul und in Südtirol - die schon lange akklimatisierten Pinot Grigio und Pinot Bianco, also Grau- und Weißburgunder.

          Mehr und mehr interessieren sich die Winzer dafür, wie sie die verlorene Unschuld wiedererlangen können und wenden sich - nicht ohne schlechtes Gewissen - wieder vermehrt den süffigen Weißen aus einheimischen Rebsorten zu.

          Wein in Amphoren

          Nicht jeder wird dabei so schnell und so konsequent vom Saulus zum Paulus wie Francesco „Josko“ Gravner. Der spleenige Ausnahmewinzer - einer der ersten, der das Friaul bekannt machte - hat aus seinem Weingut in den Hügeln über Gorizia alle Barriques verbannt und setzt nun wieder auf großes Holz - und auf Ton: Wie die alten Römer lässt er seine Weine in Amphoren vergären. „Sie werden besser oder zumindest ebenso gut wie in Stahl,“ erklärt er. Gravner ist zum eigentlichen Puristen des italienischen Weißen geworden: Seine Reben werden nicht gespritzt, der junge Wein nicht gefiltert oder gekühlt, das einzige, mit dem der Rebensaft in Berührung kommt, ist das Holz von großen Fässern. „Ob ein Wein gut wird, kommt nur auf die Traube und den Boden an“, sagt er heute.

          Damit nicht genug: Auch vom einst so bewunderten und umschwärmten Chardonnay oder Sauvignon hat er sich losgesagt. Er setzt nun ganz auf die autochthone (= im Anbaugebiet traditionell heimische Rebe) Sorte Ribolla gialla. „Diese Rebe ist hier zu Hause. 20 Jahre lang musste ich lernen, wie man mit ihr umgeht. Sie ist eigenwillig, schwierig, dauernd muss sie gebändigt werden“, hält er fest. Auf den Hügeln des Collio, an der Grenze zu Slowenien, bringt sie ihre besten Ergebnisse: Würzig-süße, extraktreiche und kräftige Weißweine.

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