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Biathlon-WM : Für Kati Wilhelm schließt sich der Kreis

Bei ihrer letzten WM noch mal Sprint-Gold Bild:

Kati Wilhelm hat bei der Biathlon-WM in Pyeongchang vor ihrer Teamkollegin Simone Hauswald Gold im Sprint über 7,5 Kilometer gewonnen. Jetzt träumt sie noch von Olympia und spricht von Abschied.

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          Fast hätte Kati Wilhelm das kostbare Stück oben auf dem Podium liegengelassen. Der Pressesprecher drängelte schon, weil die Doping-Kontrolleure nicht gern warten, aber beim Blick zurück erhaschte die Thüringerin doch noch etwas Glänzendes auf dem Stuhl, wo sie zuvor gesessen hatte: „Mensch, da gewinne ich nach so langer Zeit mal wieder eine WM-Medaille, und dann vergesse ich die fast.“ Dass sie aus Gold ist, hat für die 32 Jahre alte Thüringerin schon eine besondere Bedeutung. Sie hat zwar drei olympische Goldmedaillen daheim im Schrank liegen, aber auf den zweiten WM-Titel hat sie acht Jahre warten müssen.

          Damals, 2001 bei ihrem WM-Debüt im slowenischen Örtchen Pokljuka, mischte sie als unbekümmerte Langlauf-Umsteigerin die Biathlonbranche kräftig auf. Und jetzt hat sie sich im Spätherbst ihrer Karriere massiv in Erinnerung gebracht - wieder im Sprint: Null Schießfehler und die beste Laufleistung - mit Ausnahme von Lena Neuner, die freilich drei Strafrunden abbüßen musst - 9,9 Sekunden vor ihrer Teamkollegin Simone Hauswald, 27,1 Sekunden vor der Russin Olga Saizewa, beide ebenfalls mit hundert Prozent Trefferquote.

          „Eine weitere WM ist derzeit nicht geplant“

          Es könnte sogar sein, dass sich für Kati Wilhelm in Asien ein Kreis geschlossen hat. „So habe ich mir das vorgestellt, dass ich bei einer WM noch mal ganz oben stehe. Bei der ersten und der letzten.“ Da glaubte man sich noch verhört zu haben, aber die weitere Nachfrage ergab eine Bestätigung - inklusive kleinem Hintertürchen: „Nein, eine weitere WM ist derzeit nicht geplant.“

          Übermannt von ihren Gefühlen: Weinende Kati Wilhelm
          Übermannt von ihren Gefühlen: Weinende Kati Wilhelm : Bild: REUTERS

          Das klingt nach Abschied, danach, nach den Olympischen Spielen 2010 Kleinkalibergewehr und Ski endgültig in die Ecke zu stellen. Vielleicht auch deshalb kullerten bei der Siegerehrung ein paar Tränchen die Wangen hinab. Es war aber ein Gefühl der Erleichterung, es sich selbst und den Zweiflern bewiesen zu haben. „Manche haben mich ja vielleicht schon abgeschrieben.“

          Simone Hauswald ist in Korea ein kleiner Star

          Das könnte auch Simone Hauswald viel eher von sich behaupten. Die hat es auch viele Jahre vergeblich unter ihrem Mädchennamen Denkinger hartnäckig versucht - und ist meist mit Niederlagen im Gepäck zurückgekehrt. Und jetzt nimmt sie in Pyeongchang strahlend ihre erste WM-Einzelmedaille in Empfang: die aus Silber. Und die 29 Jahre alte Biathletin vom SC Schönwald glaubt, dass „mich gerade die Erfahrungen, auch die Niederlagen, stark gemacht haben. Für mich war das heute ein perfektes Rennen.“

          Sie hätte sich auch ärgern können, denn in gewisser Weise hat ihr die Teamkollegin Wilhelm das halbe Heimspiel verdorben. Simone Hauswald hat eine koreanische Mutter, und ist in Korea so etwas wie ein kleiner Star, mit eigenem Fan-Klub, auch wenn sie die Sprache nicht kann. Sogar das Fernsehen hat sie interviewt, allerdings in Englisch. „Es ist schon irrwitzig. Da kehre ich unter neuem Namen in die Heimat meiner Mutter zurück, um meine erste Einzelmedaille zu gewinnen“, sagte sie: „Ich widme einen Teil der Medaille meiner Mama.“

          Trotz Gold sagt Wilhelm: „Bedingungen einer WM nicht würdig“

          Kati Wilhelm hätte zwei Viertel vom Gold an ihre beiden Trainer abgeben können: Odd Lirhus und Andreas Stitzl. Das Entwicklungs-Projekt Olympia 2010 läuft erst seit dieser Saison - und trägt schon Früchte. Sie kommt ja nicht von ungefähr im Gelben Trikot daher, auch wenn es bis Freitag noch der Doping-Sünderin Ekaterina Jurjewa gehört hat. „Die beiden arbeiten wunderbar zusammen, ohne dass sich der eine beim anderen einmischt. Das macht es mir leicht.“ Sie hat Lirhus vor dem Rennen eigens angerufen, um zu erfahren „wie man bei diesem weichen Schnee laufen muss. Er hat gesagt: Lauf schmal. Setz die Ski nicht so weit nach außen.“ Ein Erfolgsrezept.

          Trotzdem blieb sich Kati Wilhelm selbst im Moment des Triumphes treu. Am Morgen, gab sie zu, habe sie nur einen Gedanken gehabt: Verschiebt bloß dieses Rennen. Zwar waren die Temperaturen auf vier Grad gesunken, und die Strecken-Crew hatte die ganze Nacht Schnee auf die von Regen und Föhn durchweichte Strecke aufgebracht; aber der Untergrund blieb eine schwammige Masse. „Ich könnte jetzt mit Gold in der Tasche sagen, es war alles okay, aber man muss das kritisch sehen: Die Bedingungen waren einer WM nicht würdig.“

          Michael Greis sprach als Enttäuschter

          Etwas freundlicher kommentierte zwei Stunden später Ole Einar Björndalen seinen elften WM-Erfolg - vor den norwegischen Landsleuten Lars Berger, Halvard Hanevold und Alexander Os. „Der Kurs war weich, aber viel besser als gestern. Es ist eben nicht so leicht, gute Bedingungen zu schaffen, wenn das Wetter gegen dich ist“ (siehe: Biathlon-WM: Das Lächeln der Elche).

          Michael Greis, auf Platz sieben bester Deutscher im Sprint, sah das freilich wieder ganz anders. „Es darf bei einer WM nicht sein, dass es mit den Schneeverhältnissen solche Probleme gibt.“ Da sprach freilich ein Enttäuschter.

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