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WM-Stadien 2006 : Die Favoriten präsentieren sich siegessicher

  • -Aktualisiert am

Ministerin Hohlmeier (l) und OB Ude: Rollt der WM-Ball 2006 auch in München? Bild: dpa

„Die Fußball-WM 2006 ohne München ist für uns nicht vorstellbar", sagt OK-Vizepräsident Wolfgang Niersbach. Für die Münchner auch nicht.

          Das Pflichtprogramm ist erfüllt, alle 16 Pflichtenhefte sind abgegeben. Als letzte waren am Freitag Vertreter der Bewerberstädte Hannover, Nürnberg, Mönchengladbach, Leipzig und München an der Reihe, um beim Organisationskomitee (OK) im Frankfurter Airport Center ihre Stadien für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 anzupreisen.

          Besonders selbstbewusst traten die Delegationen aus den großen Metropolen im Osten und Süden auf. Zu Recht, denn an Leipzig und München dürfte bei der Entscheidung im April 2002 kein Weg vorbei führen.

          „Eigentlich kann uns nichts mehr passieren", sagte Leipzigs Oberbürgermeister Wolfgang Tiefensee im Brustton der Überzeugung. Und was die Olympiastadt von 1972 anging, verriet Wolfgang Niersbach: „Eine Weltmeisterschaft ohne München ist für uns nicht vorstellbar."

          Leipzig - gute Chancen für WM 2006

          WM 2006 - das ist „wie ein Pincode"

          Der OK-Vizepräsident wollte indes keine weitere Rangfolge hinsichtlich der Qualität der Kandidatenpräsentationen geben: „Alle waren total engagiert und mit Herzblut bei der Sache. Uns graut jetzt vor dem Gedanken, vier Bewerbern absagen zu müssen."

          Trostpreise gebe es keine, das weiß auch Niersbach. Er ist aber Medienprofi genug, um vor allem den Enthusiasmus in den Vordergrund zu rücken, mit dem allenthalben auf die WM hingearbeitet und hingefiebert werde: „So eine Begeisterung habe ich noch nie erlebt, es gibt wirklich keine Nörgler."

          WM 2006 - das sei „wie ein Pincode", der in der gesamten Republik die Türen öffne. Denn jeder in Deutschland wolle dieses Großereignis.

          Keine Sorgen in den Freistaaten

          Allen voran 16 Städte, deren Stadien Austragungsstätten werden sollen. Am Abschlusstag in Frankfurt präsentierten sich vermeintliche Wackelkandidaten wie Nürnberg und Mönchengladbach herzlich, originell - und mit der gebotenen Bescheidenheit.

          Ganz anders die Favoriten Leipzig und München. Mit fast kindlicher Freude an der eigenen Bewerbung kamen die Sachsen daher, mit weltmännischer Nonchalance (und das auch ohne Franz Beckenbauer) die Bajuwaren. Was beide Freistaatler eint: Sie haben nichts (mehr) zu befürchten im Stadionpoker.

          Ist wirklich keiner gesetzt?

          Das war im Fall München nicht immer so gewesen. Bis zum Bürgerentscheid am 21. Oktober war gar nicht klar, ob in der Millionenstadt überhaupt ein neues, WM-taugliches Stadion gebaut werden könnte. „Wir haben mit den Münchnern gezittert", sagte Wolfgang Niersbach und gab damit eine Tendenz vor, die auszusprechen sich sein OK-Kollege Horst R. Schmidt weiterhin tunlichst weigert.

          „Keiner ist gesetzt", wiederholte der für die Stadienfrage zuständige Vizepräsident gebetsmühlenartig. „Es sind alles hochkarätige Bewerbungen, die wir jetzt so objektiv wie möglich prüfen werden." Das OK spricht hernach Empfehlungen aus, die endgültige Entscheidungen trifft der Weltverband Fifa.

          Aus dessen Kreisen, berichtete Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, verlautete bereits, dass die bayerische Hauptstadt gute Chancen auf den Sitz des Medienzentrums habe, um dessen Vergabe sich auch Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und Leipzig bemühen. Ude: „Das ist realistisch. München ist eine Fußballhochburg und Medienstadt."

          Zwei Modelle, aber keins für die Präsentation

          Aber noch ohne reines Fußballstadion. Das muss erst noch gebaut werden, soll zur Saison 2005/06 in Betrieb genommen und laut Bayern Münchens Vizepräsident Fritz Scherer komplett aus Eigenmitteln finanziert werden: „Es gibt keine Landeszuschüsse und Bürgschaften."

          Dafür aber gleich zwei Stadienmodelle. Kurios daher, dass die Münchner Delegation - im Gegensatz zu allen anderen Bewerbern - in Frankfurt ohne Modell antrat, sondern nur mit grafischen Darstellungen der beiden konkurrierenden Entwürfe. „Uns wäre es lieber gewesen, wenn es schon jetzt nur noch ein Modell gäbe", sagt Horst R. Schmidt, „aber wir haben Verständnis für die besondere Münchner Situation und üben keinen Zeitdruck aus."

          So bleibt der 8. Februar 2002 als Fixdatum bestehen: An diesem Tag lüften die Bauherren Bayern und TSV 1860 München das Geheimnis, welcher Architektenvorschlag den Zuschlag erhält. Fast viereinhalb Jahre später, am 9. Juni 2006, findet das WM-Eröffnungsspiel statt. Im Münchner Norden, in Fröttmaning, glaubt Ude: „Ich gehe davon aus, dass ich dann auf der Tribüne des neuen Stadions sitzen werde."

          Von rechtlicher Seite drohen Probleme

          Über das Planungsstadium sind sie in Leipzig schon lange hinaus. Spätestens im Sommer 2003 soll das neue, 177 Millionen Mark teure Zentralstadion fertig gestellt sein. Probleme drohen allerdings von rechtlicher Seite.

          Denn das Leipziger Projekt wird mit 123 Millionen Mark aus öffentlichen Mitteln finanziert - genau gegen dieses Prinzip (bezogen auf den Einzelfall Hannover) hat aber nun ein unbekannter Privatmann bei der EU-Wettbewerbskomission in Brüssel Beschwerde eingelegt. Sollte er Recht bekommen, dürften gleich mehrere Stadienumbauten im Hinblick auf die WM 2006 gefährdet sein.

          Ob staatliche Beihilfen unzulässig sind, ist noch nicht abzuschätzen. „Es gibt dafür noch keinen Präzedenzfall", sagte Niedersachsens Innenminister Heiner Bartling. Unabhängig davon, meinte Horst R. Schmidt, müssten die deutschen Stadionprojekte betrieben werden: „Wir gehen davon aus, dass die Finanzierungen nach allen Seiten abgesichert sind." So stand es zumindest im Pflichtenheft geschrieben.

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