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WM-Analyse des deutschen Spiels : Immerhin auf dem Papier überlegen

Der Aktionsradius von Manuel Neuer Bild: FAZ.NET/Opta

Das DFB-Team weist in fast allen Statistiken bessere Werte als Algerien auf, macht sich das Leben aber selbst schwer. Torwart Manuel Neuer ist 59 Mal am Ball, wie die FAZ.NET-Analyse zeigt.

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          Ein mühevolles 2:1 nach Verlängerung gegen Algerien – die deutsche Fußball-Nationalelf zitterte sich in Porto Alegre ins WM-Viertelfinale. Wie im abschließenden Gruppenspiel gegen Klinsmanns Amerikaner wies das DFB-Team in fast allen Statistiken bessere Werte auf: 28:10 Torschüsse, 55,6 Prozent gewonnene Zweikämpfe, gar 71,4 Prozent für sich entschiedene Kopfballduelle. Die Elf von Joachim Löw machte sich das Leben aber selbst schwer: Algerien fing 22 Bälle ab, die jeweils Ausgangspunkt für die teils sehr gefährlichen Konter waren. (Wählen Sie die verschiedenen Bereiche der Teamstatistiken.)

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Interessant ist die Übersicht über die deutschen Angriffsseiten. Gegen „Team USA“ kam Deutschland in der ersten Hälfte stark über rechts, nach Lukas Podolskis Auswechslung über links. Gegen Algerien initiierte das DFB-Team seine Angriffe im ersten Durchgang überproportional über links, um dann in der zweiten Halbzeit die rechte Seite stark zu bevorzugen. Das gleiche Spiel wiederholte sich erstaunlicherweise mit noch deutlicheren Werten in den Halbzeiten der Verlängerung. (Wählen Sie über die Button unter dem Spielfeld die Zeiträume.)

          Die Aktionszonen verdeutlichen die deutsche Überlegenheit über die gesamte Spieldauer. Sie zeigen aber auch, wie schwer Deutschland in den ersten 15 Minuten jeder Halbzeit ins Spiel kam. Je länger die Partie dauerte, so deutlicher verschob sich das Spiel in die algerische Hälfte – vor allem in der Verlängerung. Konditionell war das Löw-Team dem Gegner also überlegen.

          Die Algerier hatten es nicht auf Ballbesitz angelegt, sondern wollten immer wieder mit schnellen, geradlinigen Kontern zum Erfolg kommen. Die Entstehung der gefährlichen Situationen vor beiden Toren zeigt, dass die Nordafrikaner den direkten Weg suchten. Das Gegenteil war oft bei deutschen Chancen zu erkennen. Exemplarisch dafür ist das 2:0 durch Mesut Özil in der Verlängerung, als der Ball noch im Strafraum mehrfach gepasst wurde, ehe er ins Tor flog. (Wählen Sie die einzelnen Szenen über das Menü bei beiden Teams aus.)

          Apropos Pässe: 793 davon spielte Deutschland, nur 380 die Algerier. Die DFB-Spieler schlugen diese nur in 6,6 Prozent der Fälle lang – so wie der Bundestrainer es fordert. Besonders häufig spielten sich Innenverteidiger Per Mertesacker und Philipp Lahm, der zunächst vor der Abwehr und später als rechter Verteidiger spielte, zu. (Wählen Sie die einzelnen Passkombinationen über das Menü aus.)

          Besonders war gegen Algerien die Rolle von Manuel Neuer. 59 Ballkontakte hatte der Torwart, der wie ein Libero agierte und immer wieder die algerischen Pässe außerhalb des Strafraums klärte. In der „Heatmap“ wird sein großes Wirkungsfeld deutlich. Das gilt auch für Thomas Müller in der gegnerischen Hälfte. Hier wird besonders deutlich: Der bisher beste deutsche Torschütze treibt sich überall herum und ist daher für den Gegner kaum greifbar, auch wenn er gegen Algerien nicht traf.

          Wie viele Pässe Neuer schlug – und wie viele ankamen –, ist auch in der Taktiktafel zu erkennen. (Wählen Sie den jeweiligen Spieler und die Aktion aus im Menü).

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