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WM 2006 : „Sind in ganz Deutschland nicht zu schlagen“

  • -Aktualisiert am

Die Planungen zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland konkretisieren sich. In Düsseldorf gründeten sechs Bewerberstädte aus Nordrhein-Westfalen unter der Regie der Landesregierung eine Arbeitsgruppe.

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          Nordrhein-Westfalen will bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 im Mittelpunkt stehen. Am Mittwoch gründeten unter der Federführung von NRW-Ministerpräsident Wolfgang Clement und Sportminister Michael Vesper die sechs Bewerberstädte aus dem bevölkerungsreichsten Bundesland eine Arbeitsgruppe, in der zukünftig gemeinsame Aufgaben koordiniert werden sollen.

          In der Staatskanzlei des 18-Millionen-Einwohner-Landes kündigte Clement (SPD) zudem an, dass die Fußball-Zentren an Rhein und Ruhr umfassende Hilfen in der Infrastruktur erhalten werden. Neben Landeshilfen bei den noch zu leistenden Stadienneu- oder -umbauten würden für das gemeinsam mit Olympischen Spielen größte Sportereignis der Welt alle wichtigen Autobahnen sechsspurig ausgebaut, Eisenbahnverbindungen verbessert und bei einer positiven Entscheidung für den Metrorapid dieser rechtzeitig zum WM-Anstoß im Juni 2006 fertig gestellt. Außerdem versprach Clement, dass die Hotelkapazitäten im Westen - speziell in der Ruhrregion - verbessert werden und während der WM ein großes Kulturfestival organisiert würde.

          „Bei den Stadien sind wir derzeit in ganz Deutschland nicht zu schlagen“, sagte Clement nach dem Treffen, bei dem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) durch die Vizepräsidenten des Organisationskomitees, Horst R. Schmidt und Wolfgang Niersbach, vertreten war. Sportminister Vesper hatte aus den sechs Bewerberstädten namhafte Vereinsvertreter geladen. Dies waren Rudi Assauer (Schalke), Michael Meier (Dortmund), Reiner Calmund (Leverkusen), Wolfgang Overath (Köln) und Christian Hochstätter (Mönchengladbach). Düsseldorf wurde durch Horst Klosterkemper, dem Messechef und Organisator der jährlich im Rochusclub durchgeführten Tennis-Team-WM, vertreten. Während bei einer möglichen Bewerbung für die Olympischen Sommerspiele 2012 zwischen den NRW-Regionen Ruhrgebiet und Rheinland ein Konflikt entstanden ist, präsentierten sich die sechs Fußball-Städte als geschlossenes Team.

          Allerdings sind die Chancen, vom Internationalen Fußball-Verband (Fifa) als WM-Orte auserwählt zu werden, differenziert einzustufen. Die Entscheidung soll eigentlich erst im Jahr 2003 fallen. Der DFB hat die Fifa jedoch bereits gebeten, die Auswahl der zehn bis zwölf Städte auf 2002 vorzuziehen.

          Dortmund und Schalke sicher - Düsseldorf als Problemfall

          Die beiden Ruhrgebietsstädte Dortmund und Gelsenkirchen haben mit dem Westfalenstadion und der Schalke-Arena, die als erstes überdachtes Stadion in Deutschland im nächsten Sommer fertig gestellt wird, für die zweite Austragung einer WM in Deutschland nach 1974 bereits eine sichere Perspektive, mehrere der insgesamt 64 WM-Spiele auszurichten.

          Gut im WM-Rennen liegt auch Köln, das 1974 nicht dabei war, aber im Dezember 2001 definitiv mit dem Umbau des Müngersdorfer Stadions beginnen wird. Lediglich Außenseiterchancen besitzt Mönchengladbach. Dort wurde nach sechsjährigem Tauziehen am Mittwoch entschieden, eine neue 40.000 Zuschauer fassende und rund 150 Millionen Mark teure Arena anstelle des baufälligen Bökelbergstadions zu bauen.

          Neuseeland gegen Zaire in Leverkusen

          Ein Problemfall stellt ausgerechnet die NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf dar. Der Stadtrat von Düsseldorf hat noch immer keine Entscheidung getroffen, ob im Rheinstadion die notwendigen Sanierungen vollzogen werden oder ob ein Neubau erstellt wird. Zudem droht dem ortsansässigen Ex-Bundesligisten Fortuna der Abstieg in die vierte Liga. Wäre Düsseldorf nicht mit einem Stadion bei der WM in fünfeinhalb Jahren vertreten, kann die Stadt ihre Bewerbung für das internationale Fernsehzentrum in der Messe Düsseldorf, wo während der WM-Zeit 15 000 bis 20 000 Medienvertreter arbeiten sollen, als hoffnungslos betrachten.

          Leverkusen, das ebenfalls zu den insgesamt 16 deutschen Bewerberorten gehört, erfüllt eigentlich nicht die Anforderungen der Fifa, die in den Stadien mindestens 40.000 Sitzplätze fordert. Für Eröffnungsspiel, die Halbfinals und das Endspiel müssen die Arenen sogar 60.000 Plätze aufweisen. Die BayArena weist aber derzeit nur 22.500 Ränge auf. Für Leverkusen spricht allerdings, dass sich die Bayer-Vertreter bei der erfolgreichen DFB-Bewerbung um die WM-Endrunde 2006 besonders verdient gemacht. Zudem zeigte sich auch die Fifa-Inspektionsgruppe, die im Herbst 1999 die deutschen Stadien unter die Lupe nahm, von dem modernen Stadion begeistert. „Wir wären zufrieden, wenn wir ein Spiel wie Neuseeland gegen Zaire bekommen“, unterstrich Bayer-Manager Calmund die bescheidenen Ansprüche der Kölner Nachbarstadt.

          Die Region ist bestens gerüstet - WM der kurzen Wege

          Der Manager des deutschen Vizemeisters, macht sich für die gesamte Region stark: „NRW ist bestens gerüstet, das ist ein ideales Umfeld für eine WM der kurzen Wege. Hier gibt es genügend Hotels und Autobahnen, zwei große Flughäfen in Köln und Düsseldorf und Klassestadien. Die Fifa wäre gut beraten, hier einen Schwerpunkt der WM anzusiedeln. Warum sollen nicht fünf oder sogar sechs Städte aus NRW dabei sein“, sagte Calmund. Der Geschäftsführer der Bayer 04 Fußball GmbH meinte, Dortmund und Gelsenkirchen wären als Spielorte schon „gesetzt“, dritte feste Größe müsse Köln sein, „denn dort hat der Stadtrat schon Nägel mit Köpfen gemacht“.

          Bei Gladbach müsse man abwarten, wie die konkreten Planungen nun vorangetrieben würden. „In Düsseldorf müssen endlich verbindliche Aussagen kommen, sonst ist die Landeshauptstadt aus dem Rennen“, sagte Calmund. „Wir hatten schon Angst, NRW wolle die ganze WM austragen“, meinte Niersbach. Schmidt sagte, bei der Vergabe der WM-Spiele würde beachtet, dass alle Regionen Deutschlands vertreten seien. Bisher sei nur geplant, dass Berlin und Leipzig als Spielorte festgelegt würden.

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