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WM 2006 in Deutschland : Fifa vergibt Bestnoten und 172 Millionen Euro

  • -Aktualisiert am

Bild: FEM

Die zwölf Stadien für die WM 2006 sind ausgewählt. Der Weltverband stellt Deutschland bei den Vorbereitungen Bestnoten aus und Zuschuss in Aussicht.

          Die zwölf WM-Stadien sind gefunden. Dafür muss vor allem die öffentliche Hand einiges an Geld bewegen: Die Stadion-Projekte, die für eine weltweit einmalige Fußball-Infrastruktur in Deutschland sorgen, erfordern Investionen von 1,7 Milliarden Euro.

          „Das ist gut angelegtes Geld. Stadien geben Impulse für den Breiten- und Spitzensport“, glaubt Bundesinnenminister Otto Schily. „Eine beeindruckende Stadion-Landschaft entsteht“, freut sich der dafür zuständige Vizepräsident des Organisationskomitees, Horst R. Schmidt.

          Kein Platz für dumpfe Gefühle

          Drei Millionen WM-Gäste sollen allerdings nicht nur elektronisches Ticketsystem, Bierverkauf per Chipkarte und komfortable Arena im Gedächtnis behalten, sondern auch über den Fußball hinaus fortgebildet werden.

          Fedor Radmann, einer der drei OK-Vizepräsidenten, verspricht „Heiterkeit, Freundlichkeit und Gelassenheit.“ Kein Platz sei für zu viel Alkohol, zu viel Nationalismus, für Rassismus und dumpfe Gefühle. Schon im Herbst 2002 wird das OK in Berlin deshalb nicht nur Slogan und Emblem präsentieren sondern auch die persönliche Botschaft der WM. „Es wird die Welt überraschen“, glaubt Radmann.

          Finanzielle Zusage der Fifa

          Der dritte Vizepräsident im OK ist Wolfgang Niersbach. Er ist auch der Mann, der sich die meisten Sorgen macht. Muss er sich doch auch mit dem finanziellen Rahmen der Großveranstaltung befassen. Und der beläuft sich statt der ursprünglich einmal avisierten 250 Millionen Euro mittlerweile auf fast 400 Millionen.

          Bislang konnte das OK nur zwei Posten fest verbuchen: Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf, die den größten Batzen ausmachen. Das OK rechnet mit einem Durchschnittspreis von 75 Euro pro Ticket, würde bei 3,2 Millionen Zuschauern etwa 225 Millionen Euro einbringen. Die zweite Säule sind die nationalen Sponsoren, wobei mit EnBW (Yellow Strom) der erste gefunden ist. Sechs nationale Förderer sollen 75 Millionen Euro einbringen.

          Münzen und Briefmarken

          Was in der Summe vor allem deshalb nicht ausreicht, weil die Einnahmen noch ausstehen, das OK aber schon jetzt Kosten hat. Deshalb buhlten DFB und OK bei der Fifa um eine Finanzspritze, eine Beteiligung an Marketing- und Fernseherlösen wie sie auch Japan und Südkorea zuteil wurde.

          Vor diesem Hintergrund sorgte Blatter bei der Stadion-Entscheidung für Erleichterung. Ähnlich wie für die WM 2002 soll auch für 2006 eine Summe von rund 172 Millionen Euro fließen. „Die Finanzkommission hat zugestimmt“, erklärte Blatter. Schon am 3. Mai soll auf der Fifa-Sitzung in Zürich darüber entschieden werden. Einwände sind nicht zu erwarten. Und damit auch keine allzu großen finanziellen Engpässe. Ferner darf das OK ab 2003 auch aus dem Verkauf von Münzen und Sonderbriefmarken Einnahmen generieren. Mit der Oddset-Wette lässt sich dann ebenfalls Geld verdienen, das dem OK hilft.

          Auslosungen 2003 und 2005

          Wie geht es im Zeitplan weiter? Die Auslosung der WM-Qualifikationsgruppen am 5. Dezember 2003 wurde nach Frankfurt/Main vergeben. Die Ziehung der WM-Gruppen für 2006 wird Ende 2005 in Leipzig stattfinden. „Ich habe hier viel Begeisterung gespürt, ich kann den Ländern und dem Bund nur zur Infrastruktur gratulieren. Ich kann mir vorstellen, dass wir eine ganz große, vielleicht sogar die größte Weltmeisterschaft erleben“, sagte Fifa-Präsident Joseph Blatter 1515 Tage vor dem Eröffnungsspiel.

          Eine Weltmeisterschaft, die mit Akribie vom Organisationskomitee geplant wird. „Über die bisher geleistete Arbeit sind wir sehr erfreut“, sagte Blatter, der dabei vor allem das Tempo der Vorbereitungen lobte. Die Stadienentscheidung hatte die Fifa auf Wunsch des OK vorgezogen. „Ich gehe davon aus, dass alle Projekte rechtzeitig realisiert werden“, sagt Schily.

          Eröffnungsspiel in München

          Selbst die Verliererstädte bauen munter weiter. Die Multifunktionsarena in Düsseldorf, die Tieferlegung des Spielfeldes in Bremen, der Bau des Sportparkes Nord in Mönchengladbach - all das wird auch ohne WM 2006 erfolgen. So stände auch Ersatz parat, sollte einer doch noch in Verzug geraten. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude kündigte schon mal an: „Bei uns bleibt es spannend, ob wir rechtzeitig fertig werden.“

          Wenn die futuristische Allianz-Arena rechzeitig entsteht, ist ihr ein Bonbon gewiss. Eröffnungsspielort wird München, Endspielort aller Voraussicht Berlin sein. Acht Stadien werden fünf WM-Spiele erhalten, in vier Arenen wird sechs Mal gespielt.

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