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WM 2002 : Ein Jahr danach: Enttäuschung in Südkorea und Japan

  • -Aktualisiert am

Von der Fußball-Euphorie des Sommers 2002 ist wenig geblieben Bild: AP

Die 20 hochmodernen Bauten stehen in beiden Ländern wie Monumente der ersten Titelkämpfe im neuen Jahrhundert da. Meist bleiben sie leer, dafür häufen sich Millionenverluste an.

          2 Min.

          Von Glanz und Gloria ist ein Jahr nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea nicht mehr viel zu spüren. Zwar ist die Erinnerung an das einmonatige Fußball-Fest in beiden Gastgeberländern noch immer lebendig. Auch gewannen beide Nationen angesichts des erfolgreichen Turniers den Respekt der Welt. Doch nach der Aufbruchstimmung ist wieder Ernüchterung eingekehrt.

          Die meisten Stadien fahren Verluste ein, die hoch gesteckten Erwartungen an die Nationalteams sind bislang nicht erfüllt worden und auch hat der Profifußball insgesamt hat nicht im erhofften Maße vom WM-Turnier profitiert. In Südkorea ist die „Begeisterungs-Blase“ für den Fußball in der professionellen K-League, die in der Saison nach den Titelkämpfen entstanden war, geplatzt.

          „Mehr Patriotismus als Liebe zum Fußball“

          Die Zuschauerzahlen belegen dies: Stieg die durchschnittliche Besucherzahl unmittelbar nach der WM auf mehr als 15 000 pro Spiel, so sank sie in diesem Jahr wieder auf 10 700. Angesichts dieses Negativtrends stellte Rogan Taylor, Leiter der Fußball-Industriegruppe an der Universität Liverpool, beim Symposium in Seoul anlässlich des WM-Jubiläums fest: „Das fundamentale Problem ist die große Diskrepanz zwischen dem Enthusiasmus für das Nationalteam, das oft mehr ein Akt des Patriotismus als die Liebe zum Fußball ist, und dem Enthusiasmus für den Clubfußball.“

          Immerhin haben die beiden WM-Veranstalter Überschüsse erzielt. In Südkorea kündigten die Organisatoren an, einen großen Teil des mit knapp 170 Milliarden Won (121 Millionen Euro) bezifferten Gewinns in die Förderung des Jugend- und Frauenfußballs zu stecken. „Die WM hat vielleicht hinsichtlich der Zuschauerzahlen nicht den großen Einfluss auf die K-League gehabt, doch wird sich dies noch in der Zukunft erweisen“, sagt der Generalsekretär des WM-Organisationskomitees, Moon Dong Hoo.

          Ein Tor in fünf Spielen

          Was die Leistungen der Nationalmannschaften betrifft, herrscht in beiden Ländern zur Zeit weniger Grund zum Jubeln. Die Genugtuung darüber, dass Südkorea bei der WM in die Weltelite vorstoßen konnte, hat Dämpfer erlitten. Gegen starke Mannschaften wie Argentinien und Uruguay verlor der WM-Vierte zuletzt auch vor eigenem Publikum. In den letzten fünf Spielen hat die Auswahl unter ihrem neuen Trainer Humberto Coelho nur einmal gewonnen und ein einziges Tor geschossen: Vor zwei Wochen bei einem WM-Jubiläumsspiel gegen Japan.

          Mehr als in Japan flackert in Südkorea aber ab und zu noch die Fußball-Begeisterung des Vorjahres auf. Beim Spiel gegen den Erzrivalen konnten wurden wieder etwa 60 000 Menschen auf die Straßen Seouls gelockt, die die Partie wie bei der WM auf Großleinwänden verfolgten.

          Gesamtverluste der Stadien 18 Millionen Euro

          Auch Japan ist unter dem neuen Trainer Zico bisher nur ein einziger Sieg gelungen. Der „weiße Pele“ sollte die japanischen Kicker, die unter seinem Vorgänger immerhin Asienmeister wurden und bei der WM in der ersten Runde überzeugt hatten, noch näher an die internationale Spitze heranführen. Kritiker, die anmerkten, daß Zico kaum Trainer-Erfahrung habe, gingen in der Euphorie unter.

          Auch die WM-Stadien sind nicht in dem Maße wirtschaftlich, wie es sich die nationalen Fußballverbände und Kommunen erhofft hatten. Die 20 hochmodernen Bauten stehen wie Monumente der ersten Titelkämpfe im neuen Jahrhundert da. Nach Angaben der „Yomiuri Shimbun“, Japans auflagenstärkster Tageszeitung, lagen die Gesamtverluste im vergegangenen Haushaltsjahr bei etwa 2,5 Milliarden Yen (18 Millionen Euro).

          Nur zwei der zehn japanischen WM-Stadien fahren keine Verluste ein: Der Sapporo Dome und das Kobe Wing Stadion. Auch in Südkorea sind die Stadien mit wenigen Ausnahmen in den roten Zahlen. In Seoul stammen die Einnahmen von der Vielzahl an fußballfremden Veranstaltungen. Doch könne über die Rentabilität nicht nur mit Blick auf die anfallenden Kosten geurteilt werden, sagt Moon. „Wir müssen an die vielfältigen Funktionen der Stadien denken.“

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