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Katarina Witt wird 50 : Immer lächeln

In und auf ihrem Element: Katarina Witt im Rampenlicht auf Eis Bild: dpa

Der einzige echte deutsch-deutsche Sportstar feiert einen runden Geburtstag: Mit Kampfgeist, gespielter oder echter Sorglosigkeit und einer guten Portion Opportunismus hat Katarina Witt halbwegs schadlos die ersten 50 Jahre ihres Lebens hinter sich gebracht.

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          Sie steht im roten Kostüm auf dem Eis, die Augen dunkel geschminkt. Die Musik setzt ein, sie beugt ihren Oberkörper nach hinten, der erste Dreifach-Toeloop, gefolgt vom Zweifach-Toeloop. Sie gleitet lächelnd an der Jury vorbei, Dreifach-Salchow, Doppelaxel, wieder ein Dreifach-Toeloop, fehlerfrei. Der Schlusspunkt, als sterbende Carmen legt sie sich aufs Eis, frenetischer Applaus, 5,9, 5,8, 5,9, 5,8, 5,9, 5,9, 5,9, 5,9, 5,9. Gold!

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Auftritt bei den Olympischen Spielen in Calgary 1988 war der letzte Wettkampf von Katarina Witt für die DDR - und ein Wendepunkt in ihrem Leben. Danach startete sie ihre Profikarriere, die Mauer fiel, und ihre Wandlung von der Hochleistungssportlerin zum Superstar setzte ein.

          27 Jahre später sitzt Katarina Witt in ihrem Berliner Büro und lächelt, wenn sie über Calgary spricht. Sie trägt eine weiße Bluse zur dunklen Strickjacke und hat die Haare locker zurückgebunden. Sie hat eine unkomplizierte Art, sie lacht viel, sagt oft „ooch“ und „nee“, und wenn sie über ihr Leben spricht, merkt man, dass auch sie selbst noch ein bisschen davon verzaubert ist.

          Katarina Witt gehört mit ihren zwei olympischen Goldmedaillen und vier Weltmeistertiteln zu Deutschlands Sportstars wie Boris Becker, Michael Schumacher und Steffi Graf. Mit einem einzigen Unterschied: Sie gewann ihre Wettkämpfe nicht für die Bundesrepublik oder das wiedervereinigte Deutschland, sondern für die DDR, ein totalitäres Regime, in dem der Sport Mittel zum Zweck war.

          Olympische Spiele in Calgary 1988: Hoch gepokert, alles gewonnen

          Sie redet nicht gerne über die Vergangenheit. Regelmäßig lehnte sie in den vergangenen Jahren Interviews ab, wenn wieder ein Jubiläum zum Mauerfall oder zum Tag der Deutschen Einheit anstand. Jetzt ist es anders. Jetzt geht es um ihr eigenes Jubiläum: An diesem Donnerstag wird Katarina Witt 50 Jahre alt. Ein Alter, das man ihr nicht ansieht, denn ihr mädchenhaft-frisches Auftreten, mit dem sie schon als DDR-Sportlerin die ganze Welt begeisterte und mit dem sie bis heute in Talkshows, Quizsendungen und Tanzshows glänzt, hat sie sich bewahrt.

          Anlässlich ihres Geburtstages brachte sie den gerade erschienenen Bildband „So viel Leben“ (Verlag Edel) heraus. Hunderte von Fotos, Briefen, Zeitungsausschnitten hat sie im vergangenen Jahr gesichtet. Und obwohl sie selbst sagt, dass sie jemand sei, der immer nur nach vorne schaue, der immer an den nächsten Wettkampf und nie an den davor gedacht habe, spricht sie eben doch über das, was war.

          Angefangen hat es so wie bei vielen großen Karrieren: aus einem Zufall heraus. Auf den Fotos ihres Bildbandes sieht man ein niedliches kleines Mädchen im weißen Pullover und mit Kurzhaarfrisur. Die Familie lebte in Chemnitz, damals noch Karl-Marx-Stadt. Katarina ging in eine Krippe, und mit ihrer Gruppe besuchte sie regelmäßig das Eisstadion. Sie war fasziniert von den Mädchen, die auf dem Eis ihre Pirouetten drehten. Katarina zeigte schon damals Beharrlichkeit.

          Katarina Witt - So viel Leben: Die junge Kati fand ihren Platz in der Eishalle und im System DDR-Sport

          „Ich will eislaufen“, sagte sie ihrer Mutter immer wieder. Die offizielle Anmeldung hatten sie verpasst, also waren es gut hundert Kinder ihres Alters, die schon seit mehr als einem halben Jahr ihre Schwünge auf dem Eis zogen, als Katarina beim Training auftauchte. Der Trainer drückte ein Auge zu und sagte: „Probieren wir es mal.“ Ein halbes Jahr später, als das Trainingsjahr vorbei war und nur die weitermachen durften, die tatsächlich Talent hatten, blieb nur ein Mädchen übrig: Katarina Witt.

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