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X-Games : Der Justin-Bieber-Moment

  • -Aktualisiert am

Es sieht alles so schön aus - doch der Spaß hat auch seine dunklen Seiten Bild: AFP

Ein Nachdenken über Risiken ist bei den X Games nicht vorgesehen - die Sportarten der Extreme erfordern von Talenten ein Erwachsenwerden im Eiltempo.

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          Je mehr das Extreme zum Normalen wird, desto mehr muss man sich als Vorreiter der Bewegung etwas einfallen lassen. Bei den Winter-X-Games war diese Strategie schon immer Programm, nicht erst, seitdem das Internationale Olympische Komitee einen Wettbewerb nach dem anderen adaptiert, um nicht den Kontakt zum jüngeren Publikum zu verlieren. Das zeigte sich wieder am Sonntagabend in Aspen, als die Finalisten für den Motorschlittenwettbewerb ihre Motore anließen. Die Veranstalter hatten ihnen vier unterschiedlich lange Rampen gebaut, von denen sich die sechs waghalsigen Piloten zu Manövern durchs grelle Flutlicht in die Luft katapultierten.

          Zwei Spitzenfahrer fehlten. Einer hatte sich Anfang des Monats beim Training mit den 200 Kilogramm schweren und mit Sponsorenaufklebern übersäten Schneemobilen einen Halswirbelknochen gebrochen, der andere das Schienbein. Trotzdem herrschte Spannung. Denn zwei Teilnehmer hatten angekündigt: Sie wollten auf ihren fliegenden Kisten mal wieder die Grenzen der Schwerkraft ein bisschen weiter hinausschieben.

          Das Vorhaben gelang allerdings nur einem - Heath Frisby aus Idaho -, der zum ersten Mal in der Geschichte der noch ziemlich jungen Flug-Show einen Salto vorwärts zustande brachte und damit den Wettbewerb gewann. Seinem Konkurrenten Justin Hoyer hingegen misslang die geplante Weltpremiere. Sein zweifacher Salto rückwärts wurde zum Sturzflug. Er landete - mit einem gebrochenen Arm und einem gebrochenen Knöchel - im Krankenhaus.

          Heather Frisby ist einer der Helden der X-Games in Aspen

          Frisby hatte seinen Plan übrigens auf die für die Szene der Extremsportler typische Art und Weise vorher durchsickern lassen: mit einem auf Youtube hochgeladenen Video, das ihn beim Training in einer mit Schaumstoffteilen gefüllten Grube zeigt. Unter Wettbewerbsbedingungen hatte er den Vorwärtssalto noch nie probiert. Das sei ihm „zu gefährlich“ sagte er. Er halte es bei so etwas mehr mit dem legendären Stuntman Evel Knivel. „Wenn schon, dann probierst du es in der Liveübertragung des Fernsehens.“

          Keine Zeit für Nachdenken

          Fernsehen - das ist bei den X-Games das Synonym für den Namen des Sportsenders ESPN, der 1995 das Extremsportspektakel zum ersten Mal in Szene gesetzt und 1997 die Winterversion ins Programm genommen hatte. Deren Moderatoren betrachten sich nicht als Journalisten, sondern als Cheerleader mit Mikrofon. Die Veranstaltung in diesem Jahr in Aspen bewies das auf fast schon zynische Art. Ein Nachdenken über die Risiken der Disziplinen, die nach und nach in das Programm der Olympischen Winterspiele hineinrutschen, ist nicht vorgesehen.

          Bezeichnend, wie man einen kurzen Bericht über Zuschauer einleitete, die über den Tod der kanadischen X-Games-Ikone Sarah Burke trauern. Es war so, als würde man kleinen Kindern die Welt erklären. „Ich habe ein komisches Gefühl“, sagte Moderator Sal Masekela. „Sie schaut wahrscheinlich gerade auf uns herunter. Und sie lächelt das Sarah-Burke-Lächeln.“

          Kinder als Zielgruppe

          Kinder gehören tatsächlich zur Zielgruppe. Sie sorgen denn auch bei den Extremsportarten für eine Schwemme an Nachwuchs. „Wir nennen das unseren Justin-Bieber-Augenblick“, sagte die Mutter des Freestylers Torin Yater-Wallace über den Erfolg ihres Zöglings, der vor einem Jahr in der Superpipe Zweiter wurde. Da war er erst 15. In diesem Jahr wurde er Dritter. Der amerikanische Ski- und Snowboard-Verband hat auf die Entwicklung reagiert und eröffnet im Herbst in Park City eine Akademie für Talente. „Wir wollen, dass sie sich rundum gut entwickeln, als Menschen und als Sportler“, sagt Mike Jankowski, Cheftrainer für die Halfpipe- und Slopestyle-Disziplinen.

          Jene Teenager, die als bestens dotierte Werbefiguren gut verdienen, ständig unterwegs sein müssen und selbst im Sommer in Neuseeland trainieren, um in Form zu bleiben, werden im Eiltempo erwachsen. „Wir müssen fast schon wie Geschäftsleute sein“, sagte der 17-jährige Freestyler Nick Goepper, der am Donnerstag Zweiter auf dem Slope-Parcours wurde.

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