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Wintersport-Kommentar : Schnellschüsse und Fehleinschätzungen

  • -Aktualisiert am

Leidtragender der Verbandsprobleme: Sprungtrainer Peter Rohwein Bild: ddp

Wieder hat der Deutsche Skiverband kein gutes Bild abgegeben in der Krise. Erst wird viel, aber nie viel Vernünftiges geredet. Und wenn schließlich eine Entscheidung fällt, ist massiver Flurschaden entstanden. Es wird Zeit für ein Umdenken.

          Nach dem Sport die Politik: In dieser Woche will der Deutsche Skiverband (DSV) die vor und während der Vierschanzentournee aus dem Ruder gelaufene Trainerdiskussion im Skispringen in vernünftige Bahnen lenken. Zeit wird's. Ob das Problem allerdings jetzt oder überhaupt mit Anstand gelöst werden kann, darf bezweifelt werden. Wieder einmal hat der Verband kein gutes Bild abgegeben in einer schwierigen Lage.

          Schaut man zurück auf die jüngsten Vorfälle, die Blutwerte-Affäre von Evi Sachenbacher bei den Olympischen Spielen 2006, die Debatte über Langlauf-Bundestrainer Jochen Behle und dessen Trainingsauffassungen im Winter darauf oder den Streit um die Fernsehrechte vor wenigen Wochen, dann wird ein verhängnisvolles Grundmuster deutlich: Der DSV hat kein funktionierendes Krisenmanagement. Erst wird viel, aber nie viel Vernünftiges geredet. Und wenn schließlich eine Entscheidung fällt, ist massiver Flurschaden entstanden, auf der inhaltlichen wie auf der persönlichen Ebene. Diesmal ist Peter Rohwein der Leidtragende.

          Oft blieben die entscheidenden klärenden Worte aus

          Das ist kein neues Phänomen, sondern kennzeichnete beispielsweise schon die Krisenzeiten der Nordischen Kombination und des Skilanglaufs in den neunziger Jahren. Sowohl der einst starke Mann Helmut Weinbuch als auch sein Nachfolger Thomas Pfüller, Generalsekretär und Sportdirektor in Personalunion, haben sich verbale Schnellschüsse und veritable Fehleinschätzungen zuhauf geleistet. Am gravierendsten trat ihre mangelnde Fähigkeit zur Moderation in Angelegenheiten zutage, die das schwere DDR-Erbe betrafen, also mit Doping oder Stasi oder beidem zu tun hatten.

          Aber auch als der inzwischen verstorbene Skisprung-Bundestrainer Reinhard Heß 2003 demontiert wurde oder als sein Kurzzeitnachfolger Wolfgang Steiert in Bedrängnis geriet, blieben die entscheidenden klärenden Worte aus. Nicht anders war es lange Zeit in der Affäre um Langläufer Johann Mühlegg, der den damaligen Langlauf-Bundestrainer Georg Zipfel mit seinen irren Spiritismus-Vorwürfen in eine schwere Lebenskrise trieb. Wo blieb da die Fürsorge des Verbandes?

          Fehlt es Prüller an Entscheidungsfreude?

          Der DSV muss es sich wegen der Politik des Abwartens oder Aussitzens gefallen lassen, dass er zuzeiten erinnert wird an seine Versäumnisse. Dazu gehört auf jeden Fall auch, dass Rudi Tusch, bis 1993 Skisprung-Bundestrainer und damals nach einem Machtkampf mit Vorzeigespringer Dieter Thoma abgelöst, seit eineinhalb Jahrzehnten mal diesen, mal jenen Job im DSV zu versehen hat - und irgendwie doch immer im Skisprung (aktuell als Sportlicher Leiter) mitmischt. Tusch ist ein freundlicher, angenehmer Mann; das Skispringen hat er leider nicht mehr weitergebracht. Was soll also die Kontinuität?

          Fehlt es Pfüller an Einfühlungsvermögen und an Entscheidungsfreude? Scheut er sich, seine Macht als höchster hauptamtlicher Mann im DSV wahrzunehmen, oder beschneidet der ehrenamtliche Vorstand von Präsident Alfons Hörmann seine Möglichkeiten? Beides wäre schlecht.

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