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Deutsche Skispringer : Aus dem Tal der Schanzen

Erfolgreicher Trainer der DSV-Adler: Werner Schuster Bild: dpa

Akribische Arbeiter: Wie der scheidende Bundestrainer Werner Schuster und sein Kollege Andreas Bauer die Sparte Skisprung in Deutschland zu einem Erfolgsmodell machten.

          Der Abschied naht. Werner Schuster verlässt nicht nur die WM-Bühne Seefeld. Auch bei ähnlich gelagerten Großereignissen wird man den Baumeister der deutschen Skispringer in seiner Funktion als Bundestrainer nicht mehr zu sehen bekommen. Der 49 Jahre alte Coach aus dem Kleinwalsertal nimmt es sportlich. Er hat es ja so gewollt – und die Tage von Seefeld haben es ihm auch leichtgemacht. Schließlich ist nicht nur für ihn, sondern auch für seine auf den Punkt genau perfekt funktionierende Mannschaft „ein Märchen wahr geworden“, wie Schuster sagte. Weltmeistertitel im Einzel durch Markus Eisenbichler, Weltmeistertitel auch mit der Mannschaft, die sich bei der Entscheidung auf der Innsbrucker Großschanze am Bergisel in einer formidablen Verfassung präsentierte. Zudem noch der zweite Platz durch Karl Geiger.

          Dass sich Schuster privilegiert fühlen darf, wie er sagt, „weil ich elf Jahre lang im Schnee gewesen bin und coole deutsche Springer abwinken durfte“, hat man ihm stets angesehen. Die Truppe um Eisenbichler, Geiger, Stephan Leyhe, Richard Freitag und Andreas Wellinger ist Schusters Werk. Mit viel Fingerspitzengefühl ist es Schuster gelungen, die Balance zu halten und ein Mannschaftsgefühl zu schaffen, das nicht aufgesetzt wirkt. Teamwork durch Teamgeist – mit dieser Formel haben es Schusters Springer zu etlichen Titeln bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften sowie im Weltcup gebracht.

          Dass Schuster die letzten öffentlichkeitswirksamen Meter auf der Zielgeraden seiner elfjährigen Amtszeit gemeinsam mit Andreas Bauer bestreitet, passt ins Bild der Erfolgsabteilung Skisprung im Deutschen Skiverband (DSV). Der sechs Jahre ältere Bauer kommt aus Oberstdorf und ist ebenso wie Schuster im Tal der Schanzen aufgewachsen. Und auch für Bauer gilt, was Schuster für sich reklamiert: Seine Erfolge sind durch geduldige, harte, konsequente Arbeit möglich geworden. Beide, Schuster wie Bauer, sind akribische Arbeiter. Schuster ist es dabei in besonderem Maße gelungen, „eine klare Linie reinzubringen“. Stringenz von unten bis oben, Vereinheitlichung der Strukturen. Der Lohn: Severin Freund, Wellinger und Eisenbichler haben große Titel geholt.

          Auch Bauer ist ein Titelsammler. Auch Bauer hat eine starke Gemeinschaft geformt. Am Dienstag unter Flutlicht haben seine „Mädels“, wie er Katharina Althaus, Carina Vogt, Juliane Seyfarth und Ramona Straub bezeichnet, den allseits erwarteten Weltmeistertitel im erstmals ausgetragenen Mannschaftsspringen geholt. Es war das fünfte Seefelder WM-Gold für die Crew des DSV. Seit 2011 haben Bauers Skisprungfrauen damit bei jedem Großereignis Medaillen gewonnen. „Wir wollen innovativ und selbstkritisch bleiben“, sagt Bauer. „Wir wollen bestimmte Werte leben.“ Dass selbstverständlich auch Frauen von der Schanze springen können, findet Weltmeister Eisenbichler cool. „Ich kenne Carina schon ziemlich lange. Sie ist gemeinsam mit mir bei der Bundespolizei“, sagt der Ur-Bayer aus Siegsdorf.

          Trägt maßgeblich zum Erfolg der deutschen Skispringerinnen bei: Damen-Bundestrainer Andreas Bauer.

          Das deutsche Mixed-Team wird an diesem Samstag (16.00 Uhr im ZDF und bei Eurosport) mit großen Ambitionen in die Anlaufspur der Toni-Seelos-Schanze gehen und darauf achten, was die nicht minder starken Österreicher und Norweger machen. Eine Nation freilich wird keine Rolle spielen: Polen. Dies verwundert, denn in dem Land, in dem Skispringen in der öffentlichen Wahrnehmung die unumstrittene Spitzenposition innehat und aktive wie ehemalige Springer wie Kamil Stoch und Adam Malysz durch ihren Sport zu Volkshelden geworden sind, gibt es anders als in Deutschland keine Frauen, die über den Bakken gehen. Der einstige Vierschanzentourneesieger Malysz gibt zu, die Entwicklung völlig verschlafen zu haben. Der viermalige Weltmeister und dreimalige Olympiazweite, der jetzt als Sportdirektor des Verbandes wirkt, hat dieser Tage in Seefeld gesagt, „dass ich vor zwanzig Jahren Damenskispringen auch noch nicht gut gefunden habe“. Eine Fehleinschätzung, die er korrigieren will. Man wolle mehr investieren und vielleicht einen ausländischen Trainer engagieren.

          Mit Experten jenseits der eigenen Landesgrenzen haben die Polen schließlich beste Erfahrungen gemacht. Der Österreicher Stefan Horngacher hat Stoch zum Grand-Slam-Sieger bei der Vierschanzentournee geformt und weitere Athleten in die Weltspitze geführt. Verständlich, dass auch immer wieder der Name des in Titisee-Neustadt lebenden Horngacher fällt, wenn nach einem geeigneten Nachfolger für Schuster gesucht wird. Beide haben schon mehrere Jahre lang gemeinsam als Chef und Assistent für den DSV gearbeitet. Sie kennen und schätzen sich. So wie auch Schuster und Bauer, die zwei Goldschmiede aus dem Tal der Schanzen.

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