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Skisprung-Trainer Schuster : „Wir sind wieder salonfähig“

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Sie sind nicht der einzige Österreicher in einer Spitzenposition beim DSV. Stefan Horngacher unterstützt Sie als Assistent. Das Team Austria galt lange als das Maß aller Dinge im Skispringen. Welche der Ideen, die Seriensieger hervorbrachten, fließen in Ihre Arbeit ein?

In Österreich ist Skispringen anders in der Kultur verankert. Man kommt dort mehr aus dem alpinen Bereich, Kinder wachsen auf Ski auf. Es gibt deswegen einen guten koordinativen Grundstock, wenn die Burschen anfangen, über Schanzen zu springen, wissen sie, wie man mit der Geschwindigkeit umgehen und sich in der Luft verhalten muss. Die Basisausbildung ist breiter. Das kann man nicht überall in Deutschland nachmachen, vielleicht geht es in Bayern, wo es eine ähnliche Historie gibt. In Deutschland müssen neben den Vereinen die Schulen noch mehr eingebunden werden. Nur zu früh darf man die Spezialisierung nicht vorantreiben. Damit züchtet man vor allem sportliche Eintagesfliegen. Ein langfristiges Konzept muss auf einem breiten Fundament stehen. Mit der wachsenden Anzahl der Kinder steigt die Wahrscheinlichkeit, dass welche dabei sind, die später so viele Siege erringen wie Severin Freund.

Das Regelwerk wurde modifiziert. Können Sie die Sportfans verstehen, die behaupten, Skispringen mit seiner Luken-Schieberei sowie den Wind- und den Wertungspunkten sei mittlerweile zu kompliziert geworden?

Das würde ich so nicht sagen. Ich kann jedoch nachvollziehen, dass man sich mehr Einfachheit wünscht. Aufgrund der Veränderung der Umweltbedingungen, Stichwort Klimawandel, bekommen wir es aber ja alle mit, dass sich das Wetter gewandelt hat. Die Winter sind nicht mehr ruhig und kalt. Skispringen ist eine Freiluftsportart, und es gibt gewisse Zwänge, unsere Wettbewerbe telegen aufzubereiten. Dafür muss man Möglichkeiten finden, dass wir auch bei schwierigen Verhältnissen die Durchgänge fair über die Bühne kriegen. Wo der Internationale Skiverband (Fis) ansetzen sollte, wäre die Vereinheitlichung der Wettkampfführung. Da gibt es in jedem Land andere Vorstellungen. Das Verändern des Anfahrtswegs auf den Schanzen durch einen Wechsel der Luken sollte nur als Notfallsystem eingesetzt werden. Mancher technische Delegierte glaubt, jeder Springer muss bei der Hillsize landen - und so beginnt das Verschieben und damit das Hinzurechnen oder Abziehen von Punkten. Dann kann es sein, dass einer von weiter oben 130 Meter springt, aber nicht so gut abschneidet wie sein Konkurrent, der nur auf 120 Meter kommt. Das verwirrt, das ist unstrittig. Die Fis muss es aushalten können, dass manche Athleten nur auf den Vorbau springen. Beim Skifahren hat der Dreißigste ja auch ein paar Sekunden Rückstand auf den Sieger.

Martin Schmitt hat 2014 seine Karriere beendet und will Trainer werden. Ab wann unterstützt er Sie?

Ich würde ihn sofort nehmen. Er hat einen tollen Weg gemacht als Mensch und sich privat verändert. Bei der Diplom-Trainerausbildung in Köln war er Klassenbester, und jetzt absolviert er auch noch eine Art Managementstudium. Er genießt den Abstand zum Spitzensport und sortiert sich neu. Als Trainer hätte er auf jeden Fall alle Anlagen. Es wäre eine Riesengeschichte, wenn der DSV ihn einbinden würde. Er würde uns bereichern. Nur ist zu befürchten, dass ein Mann mit so vielen Anlagen andere Angebote aus dem Berufsleben vorzieht.

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