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Skisprung-Trainer Schuster : „Wir sind wieder salonfähig“

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Ja. Er hat schon so viel eingesackt in seiner Karriere. Kürzlich haben wir in Russland auf seinen zwanzigsten Weltcup-Sieg angestoßen. Dabei ist uns aufgefallen, dass wir erst ein Jahr zuvor an gleicher Stelle uns über seinen zehnten Erfolg gefreut hatten. Er eilt wirklich von einem Triumph zum nächsten. Er ist in der ewigen Bestenliste nicht mehr weit von Simon Ammann oder Thomas Morgenstern entfernt, das sind schon wirklich erlesene Springer.

Was für ein Typ ist Freund?

Er ist ein kluger Sportler, eher bodenständig. Er hat ein gutes Gespür, wann er wie auftreten muss, wann er seine Ansprüche formulieren sollte und wann er sich zurücknehmen und führen lassen muss. Er braucht den Trainer eigentlich mehr als Dienstleister und ist selbst der Motor. Mit ihm kann man immer in ruhiger Atmosphäre sachlich die Themen diskutieren. Es ist faszinierend, mit welcher Klarheit und Zielstrebigkeit Severin als Mensch seinen Weg geht. Er ist noch lange nicht am Ende seiner Karriere, und ich bin frohen Mutes, ihn dabei begleiten zu dürfen.

Ist es schwer, einen Athleten, der schon so viel erreicht hat, während der Sommervorbereitung zu motivieren?

Nein, genau das muss ich bei ihm eben nicht machen. Viele arbeiten auf ein bestimmtes Ziel hin, und wenn sie es erreicht haben, dann stellen sie die Arbeit ein. Bei Severin Freund ist es andersherum. Er hat eine andere Geschichte und war nie überragend im Jugendbereich. Er weiß nach seinen Bandscheibenproblemen, wie es sich anfühlt, seinen geliebten Sport nicht machen zu dürfen. Deswegen genießt er jede Minute. Die Arbeit an seinem Körper und der Leistungsfähigkeit ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. Er gibt immer hundert Prozent. Und ein Erfolg nimmt ihm nicht die Motivation, sondern gibt ihm mentale Stärke, den nächsten Schritt noch gelassener und selbstsicherer angehen zu können. Ich denke, er wird kein Noriaki Kasai werden, der mit vierzig noch springt. Severin weiß mit sich etwas anzufangen. Er studiert und wird auch den Absprung ins Leben nach dem Spitzensport bestens meistern, da bin ich mir sicher.

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Skispringen ist eine klassische Individualsportart. Wie halten Sie den Teamgedanken aufrecht?

Auch weil Severin nicht als Diva auftritt, funktioniert es reibungslos. Er ist mannschaftsdienlich, sehr gut erzogen und bringt den Kollegen Wertschätzung entgegen. Unsere Gruppe harmoniert auf den langen Reisen ohne Probleme, die Jungs sind auch vom Alter her nicht weit auseinander und ergänzen sich charakterlich. Es ist kein Quertreiber dabei. Außerdem haben wir schon große Erfolge mit der Mannschaft gefeiert, das hat die Truppe zusammengeschweißt.

Neben Erfolgen gab es unter Ihrer Regie auch Rückschläge. In Frage gestellt wurden Sie aber nie. Woher rührt das Vertrauen?

Rückschläge ja, die gab es. Aber es waren keine Rückschritte dabei, seit ich 2008 angefangen habe. Wir haben Statistiken über die Anzahl der Podest- und Top-Ten-Plazierungen - sie steigen seit sieben Jahren. Das ist beispiellos. Man sieht, es wird nachhaltig gearbeitet, und wir probieren es nicht mit dem Hurraprinzip. Unsere Konzeptentwicklung ist tragfähig, die Schritte sind manchmal klein, aber immer stetig.

Bei der Tournee hat es in den vergangenen Jahren trotz bester Vorleistungen nicht zum Sieg eines Deutschen gereicht. Das wurde damit begründet, dass die DSV-Athleten mit der gesteigerten Erwartungshaltung nicht zurechtgekommen seien. Wie gehen Sie es diesmal an?

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