https://www.faz.net/-gtl-9l76j

Skisprung-Bundestrainer : Schusters Abschied ohne Kugel und Tränen

  • Aktualisiert am

Auf Wiedersehen: Werner Schuster geht als Bundestrainer der Skispringer nach elf Jahren. Bild: dpa

Der letzte Coup bleibt aus, doch das soll die Party nicht trüben: Werner Schuster wird nach elf Jahren als deutscher Skisprung-Coach gebührend verabschiedet. Sein Nachfolger steht in den Startlöchern.

          2 Min.

          Herzlich umarmte Werner Schuster zum Abschluss von elf überwiegend glorreichen Skisprung-Jahren alle Trainerkollegen – darunter auch seinen designierten Nachfolger Stefan Horngacher. „Tadellos, es war so wie immer. Es war toll mit den Kollegen, eine herzliche Verabschiedung“, berichtete der 49 Jahre alte Schuster mit einem Schuss Rührung, nachdem er den dreifachen Weltmeister Markus Eisenbichler im slowenischen Planica ein letztes Mal abgewunken hatte. Den letzten Triumph, die kleine Kristallkugel für „Eisei“, gab es zwar nicht mehr, doch das sollte die große Abschiedsparty für den Österreicher nicht mehr trüben.

          Seinen Wunsch, bis zum letzten Sprung konzentriert zu arbeiten und erst danach die große Sause beginnen zu lassen, erfüllten Schusters Schützlinge. Der Bayer Eisenbichler (227 und 235 Meter) krönte eine starke Saison mit Rang drei im letzten Fliegen und dem zweiten Platz im Skiflug-Gesamtweltcup. „Einfach ein geiles Wochenende. Ich bin überglücklich, dass ich jetzt mal Zeit für meine Familie und meine Freunde habe“, sagte der erleichterte Top-Adler der ARD. Dauersieger Ryoyu Kobayashi, der mit 252 Metern im ersten Durchgang auch noch einen Schanzenrekord aufstellte, musste er sich einmal mehr geschlagen geben. Der Japaner sicherte sich damit nach Tournee-Sieg, Raw-Air-Titel, Gesamtweltcup-Triumph auch noch den Skiflug-Weltcup sowie den Sieg in der Wertung „Planica Seven“.

          Und kaum hatte Schuster – ohne eine Träne – letztmals die deutsche Fahne in den Wind gehoben, brachte sich sein wahrscheinlicher Nachfolger nochmals vehement in Stellung. Der frühere Assistent Horngacher erklärte vor laufender Kamera sein Ende als polnischer Nationaltrainer. „Ich habe mich entschieden, meinen Vertrag nicht zu verlängern. Es gibt Gespräche mit dem DSV, die dauern an. Die Chancen stehen sehr hoch“, sagte der Tiroler. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Horngacher sein dann bis 2022 gültiges Arbeitspapier beim Deutschen Skiverband (DSV) unterschreibt.

          Was der bisherige Amtsinhaber in Zukunft macht, blieb auch in Planica offen. Ein Cheftrainer-Posten ist quasi ausgeschlossen, stattdessen könnte der Skisprung-Visionär sein Knowhow beim DSV in einer Akademie einbringen oder erneut Inhalte am österreichischen „Schigymnasium“ in Stams vermitteln. „Es kann sein, dass es wieder Richtung Nachwuchstrainer geht. Das war immer sehr erfüllend“, hatte Schuster in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur betont. Eins steht für ihn fest: Nach einer mehr oder weniger kurzen Auszeit will er sich auf jeden Fall wieder mit Skispringen befassen. „Weil das mein Leben ist und ich das am Besten kann“, sagte er.

          Im März 2008 hatte Schuster die deutschen Skispringer auf dem Tiefpunkt übernommen. Es folgten zwei Olympiasiege (2014 mit dem Team, 2018 Andreas Wellinger) sowie Einzel-WM-Titel für Severin Freund und Markus Eisenbichler. „Das Team-Gold in Sotschi 2014 war ein Knotenlöser, wo dann auch klar war: Das System greift, und es bleibt etwas übrig aus meiner Ära. Danach waren die Abläufe gut eingespielt, sodass die folgenden Jahre sehr erfolgreich waren“, bilanzierte Schuster.

          Im slowenischen Tal der Schanzen gibt es nun den großen Abschied einer Ära. „Es ist ein besonderer Tag – und es wird ein gemütlicher Abend“, sagte Karl Geiger, der seine starke Saison mit zwei Siegen diesmal auf Platz sieben beendete. Der Sportliche Leiter Horst Hüttel, der Schuster zum DSV holte, sagte: „Vielen Dank für die tollen elf Jahre. Ich hoffe, man sieht sich wieder.“

          Skispringerin Seyfarth gewinnt Blue-Bird-Tour

          Die deutsche Skispringerin Juliane Seyfarth hat die erste Blue-Bird-Tour im russischen Tschaikowski gewonnen und damit eine starke Saison erfolgreich beendet. Für den Gesamtsieg auf der Tour mit insgesamt vier Wettbewerben reichte der 29-Jährigen am Sonntag ein zweiter Platz hinter der Norwegerin Maren Lundby. Weitenmäßig war Seyfarth (128 und 141 Meter) auch beim Saisonfinale die stärkste, doch ihre Rivalin hatte mit schwierigen Windbedingungen zu kämpfen. Katharina Althaus als Fünfte und Carina Vogt auf Rang zwölf komplettierten ein gutes Teamergebnis. Rang drei ging an die Slowenin Nika Kriznar. Im Gesamtweltcup verteidigte Althaus dank ihres großen Vorsprung den zweiten Platz hinter Lundby. Seyfarth, die drei der vier vergangenen Springen für sich entschied, wurde Gesamtdritte. (dpa)

          Weitere Themen

          HSV verteidigt Tabellenführung

          1:1 in Bielefeld : HSV verteidigt Tabellenführung

          Kein Sieger im Spitzenspiel: Arminias Klos trifft nur einmal und Bielefeld verpasst die Überraschung. Der HSV hingegen bleibt weiter an der Tabellenspitze – und hat das nächste Top-Duell bereits vor der Brust.

          Nowitzki und die große Zukunftsfrage

          Basketballstar in Rente : Nowitzki und die große Zukunftsfrage

          Das Ziel für die anstehende Saison der besten Basketball-Liga der Welt lautet für Dirk Nowitzki: Abstand gewinnen. Für den ehemaligen NBA-Star gibt es jetzt sogar Eis zum Frühstück. Doch was macht er dann?

          Topmeldungen

          Der russische Präsident Wladimir Putin und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan treffen sich in Sotschi.

          Syrien-Konflikt : Putin und Erdogan beraten über nächste Schritte

          Knapp zwei Wochen nach dem Einmarsch türkischer Truppen im Norden Syriens trifft der russische Präsident Putin seinen türkischen Amtskollegen Erdogan zu Krisengesprächen. Reagieren die beiden auch auf einen Vorschlag aus Deutschland für eine international kontrollierte Sicherheitszone?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.