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Lauberhorn-Abfahrt in Wengen : Zwist zum Jubiläum

  • -Aktualisiert am

Skirennen vor einzigartiger Bergwelt: Lauberhorn-Abfahrt in Wengen. Bild: Reuters

Vor der Jubiläums-Ausgabe der legendären Lauberhorn-Abfahrt überschattet Ärger ums Geld die Vorfreude: Die Ausrichter fordern von Swiss Ski eine höhere Beteiligung an den Einnahmen.

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          Eigentlich sollten es fröhliche Weltcup-Tage werden in Wengen. Die Schweizer Skirennläufer gehören sowohl in Abfahrt und Slalom zu den Favoriten, nur in der an diesem Freitag stattfindenden Kombination sind die Aussichten auf einen Platz auf dem Siegerpodest nicht ganz so gut. Da sind Aleksander Aamodt Kilde aus Norwegen und der Franzose Alexis Pinturault am höchsten einzuschätzen.

          Auf dem großen Platz mitten im Ort ist alles bereitet für die Party, die bereits am Freitagabend beginnt. Insgesamt, so die Ankündigung des Veranstalters, werden sich an den drei Renntagen mehr als 50.000 Zuschauer unten in Lauterbrunnen in den Zug setzen, um in das mittlerweile nicht mehr ganz autofreie Wengen zu kommen.

          Das Lauberhorn feiert Jubiläum, oder besser die Rennen im Berner Oberland; zum 90. Mal finden sie in diesem Jahr statt, aber die Stimmung bei den Verantwortlichen ist leicht getrübt. Denn die Zukunft des Weltcups in Wengen ist ungewiss – sagen zumindest ein paar Skeptiker. Beim Zwist zwischen dem Veranstalter und dem Schweizer Verband geht es ums liebe Geld. Die Wengener fordern von Swiss Ski eine höhere Beteiligung an den Einnahmen aus der Zentralvermarktung.

          Es wurde via Schweizer Medien von beiden Seiten ein bisschen gedroht, und mit Zermatt hat sich bereits eine Alternative für die Austragung einer Männer-Abfahrt in der Schweiz ins Spiel gebracht. Aber vermutlich werden sich die Wogen wieder glätten, zumal der Ski-Weltverband Fis alles daransetzen wird, die Traditions-Rennen am Lauberhorn zu erhalten.

          Die Abfahrt ist einzigartig, nicht nur wegen der beeindruckenden Kulisse vor Eiger, Mönch und Jungfrau, den drei Berg-Riesen im Berner Oberland. Sie ist ein bisschen aus der Zeit gefallen. Wo sonst rasen die Abfahrer unter einer Bahnüberführung durch, die nur neun Meter breit ist? Und so niedrig, „dass sich keiner traut, aufrecht in das dunkle Loch zu fahren“, hatte der Olympiasieger von 1972, Bernhard Russi, einmal für ein Lauberhorn-Buch geschrieben. Zuvor ging es mit mehr als 100 Kilometern pro Stunde auf einem nur drei Meter breiten Waldweg in eine Rechts-links-Schikane. Da müsse man „einfach abwägen zwischen Risiko und doch ein bisschen Vernunft“, sagte der Österreicher Matthias Mayer, Schnellster im Abschlusstraining.

          „Ein unglaubliches Naturspektakel“

          Der frühere Weltklasse-Abfahrer Luc Alphand bezeichnete die Schussfahrt runter vom Lauberhorn einmal als „Jurassic Park“, ein Dino im Weltcup, der den aktuellen Bedürfnissen der aufgrund der Materialveränderungen immer schneller werdenden Athleten zwar angepasst wurde, aber seine Charakteristik nicht veränderte. Es sei „ein unglaubliches Naturspektakel“, sagt der deutsche Cheftrainer Christian Schwaiger. Es gibt Abfahrten, auf denen die Athleten besonders mutig (Kitzbühel), gute Gleiter (Lake Louise) oder hervorragende Kurvenfahrer (Beaver Creek) sein müssen, aber keine, die alle Eigenschaften so vereint wie die in Wengen. Hier wird alles gefordert: Gleiten, carven, springen, die Fähigkeit, mit den langen Ski sehr enge Kurven zu fahren. Und müssen die Athleten nach gut zwei Minuten Fahrzeit noch genügend Kraft haben für das anspruchsvolle Ziel-S. „Hier gewinnt nur ein kompletter Abfahrer“, sagt Tom Stauffer, der Schweizer Cheftrainer.

          Zufallssieger gibt es in Wengen selten, aber so manch ein Athlet, der in Wengen seinen ersten Sieg in der schnellsten Disziplin errang, triumphierte oft später noch bei Großereignissen. Der Amerikaner Bill Johnson gewann ein paar Wochen nach seinem Premieren-Erfolg am Lauberhorn 1984 Gold bei Olympia in Sarajewo, Markus Wasmeier siegte 1992 und wurde zwei Jahre später Doppel-Olympiasieger, allerdings im Super-G und Riesenslalom, nicht in der Abfahrt. Didier Defago aus der Schweiz stand in seiner Karriere nur viermal in der Abfahrt ganz oben. In Wengen und Kitzbühel 2009 sowie bei den Winterspielen in Vancouver 2010, also bei drei der wichtigsten Rennen. Ähnlich war es bei dessen Mannschaftskollegen Patrick Küng. Der Glarner triumphierte im Weltcup nur einmal, in Wenigen 2014. Ein Jahr später wurde er in Beaver Creek Weltmeister. Seriensieger wie Alphand, Pirmin Zurbriggen oder Russi gewannen dagegen nie in Wengen. Das Lauberhorn ist außergewöhnlich – in vielerlei Hinsicht.

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