https://www.faz.net/-gtl-rqns

Weltcup in Vernon : Deutsche Skilangläufer sorgen für norwegische Verhältnisse

  • Aktualisiert am

Ein deutsches Quintett fuhr im kanadischen Schnee vorneweg Bild: AP

Bei der Siegerehrung in der kanadischen Provinz British Columbia herrschten norwegische Verhältnisse. Und doch wurde ausschließlich deutsch gesprochen. Dabei war es ein Weltcup, und ein verrückter dazu.

          2 Min.

          Bei der Siegerehrung in der kanadischen Provinz British Columbia herrschten norwegische Verhältnisse. Und doch wurde ausschließlich deutsch gesprochen. Dabei war es ein Weltcup, und ein verrückter dazu.

          Tobias Angerer, Axel Teichmann, Andreas Schlütter, Jens Filbrich und Rene Sommerfeldt fanden das zwar auch, aber das deutsche Langlauf-Quintett hatte nun einmal kurz zuvor in dieser Reihenfolge die Doppelverfolgung über 30 Kilometer in Vernon ganz unter sich ausgemacht. Fünf Deutsche vor dem Rest der Langlauf-Welt, das hat es bislang noch nicht gegeben. "Das war Teamwork in Perfektion, und ich bin stolz, ein Teil dieser einmaligen Mannschaft zu sein", sagte Angerer und genoß es dennoch, sich - zumindest optisch - etwas von den Kollegen abzusetzen. Mit dem Gelben Trikot des Gesamtweltcup-Besten, das er erstmals überstreifen durfte.

          Doppelten Grund zur Freude

          Auch Jens Filbrich hatte doppelten Grund zur Freude, weil er nach einem negativen Test vom Dopingverdacht befreit wurde und auf Rang vier lief. Angerer feierte in Vernon seinen zweiten Weltcup-Einzelsieg der Saison mit 1,3 Sekunden Vorsprung vor Teichmann. "Ein verrückter Tag. Daß ich bei meinem Comeback nach der Grippe schon wieder so stark bin, hätte ich nicht gedacht", sagte der Lobensteiner. Der Oberhofer Schlütter (2,2 Sekunden zurück) schaffte als Dritter im zarten Alter von 33 Jahren den ersten Podiumsplatz seiner Karriere in einem Distanzrennen vor Filbrich (Frankenhain/3,5) und Sommerfeldt (Oberwiesenthal/4,9).

          "Bei uns paßt einfach alles im Team - sportlich, skitechnisch, taktisch und menschlich. Die Jungs sind ein Wahnsinn und haben deutsche Skilanglauf-Geschichte geschrieben", sagte Bundestrainer Jochen Behle. Das in 1600 Metern Höhe siegreiche Quintett ist laut Bundestrainer Jochen Behle "für Olympia gesetzt" - und findet sich bei den in gut zwei Monaten beginnenden Winterspielen nun in der Favoritenrolle wieder.

          Die fünf deutschen Herren setzten sich am letzten Anstieg des Rennens über jeweils 15 Kilometer in der klassischen und freien Technik an die Spitze der gut 20köpfigen Spitzengruppe und ließ dem Rest der Welt keine Chance. Schon vor der Ziellinie riß Angerer die Arme in die Höhe, dann küßte er seine Ski und umarmte die Teamkollegen. Im Gesamtweltcup übernahm er mit 296 Punkten die Spitze vom pausierenden Norweger Tor Arne Hetland (235): "Von diesem Trikot habe ich mein Leben lang geträumt."

          Siegprämie für den Hausbau

          Mit den 25.000 Euro Siegprämie summieren sich seine Saisoneinnahmen schon auf fast 60.000 Euro, die er "für den Hausbau verwenden will". Zunächst aber lud er seine Teamkollegen am Abend zu Steak und einem kühlen Bier ein. Das bis dahin beste deutsche Resultat der Weltcup-Historie hatte es am 30. November 2003 in Kuusamo/Finnland gegeben, als beim Sieg von Teichmann fünf Deutsche unter den besten sieben landeten. In der ewigen Weltcup-Rangliste der Mehrfachsiege liegt das deutsche Quintett allerdings nur auf Platz drei - die Langlaufmacht Norwegen war schon je einmal mit acht (24. November 2001 in Kuopio/Finnland) und sieben Läufern (25. November 2000 in Beitostölen/Norwegen) vorn.

          Unmittelbar vor dem Rennen hatte Jens Filbrich erfahren, daß seine vor zwei Wochen in Kuusamo entnommene Dopingprobe trotz eines überhöhten Hämoglobinwertes negativ war. Das hatte ihm eine fünftägige Schutzsperre eingetragen. "Wir wußten, daß Jens wie alle unsere Sportler sauber ist, aber jetzt sind auch in der Öffentlichkeit alle Zweifel in puncto Doping ausgeräumt", erklärte Behle.

          Weitere Themen

          Das Drama um Christian Eriksen Video-Seite öffnen

          Herzdruckmassage auf dem Platz : Das Drama um Christian Eriksen

          Bei der Begegnung zwischen Dänemark und Finnland war der 29-jährige Christian Eriksen kurz vor Ende der ersten Halbzeit kollabiert. Fans und Spieler zeigten sich fassungslos. Die gute Nachricht: Der Zustand des dänischen Nationalspielers hat sich stabilisiert.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.