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Weltcup-Finale in Bormio : Giftige Sonne des Südens

Strahlkraft: Abfahrts-Weltcupsiegerin Lindsey Vonn mit Kristallkugel Bild:

Es wird Frühling in Bormio: Beim Weltcup-Finale taut den Skiläufern der Schnee unter den Brettern weg. „Unten bricht man regelrecht ein“, sagt Maria Riesch über die weiche Piste, auf der alle Rennen stattfinden sollen. Zwei fielen schon aus.

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          Wer schon einmal im Frühling in den Ski-Urlaub gefahren ist, kennt dieses Problem nur zu gut. Ganz oben am Berg sind die Verhältnisse manchmal noch ideal, meistens zumindest passabel. Je weiter man aber mehr oder weniger gekonnt nach unten wedelt, desto weicher wird der Schnee. Dort noch einigermaßen schwungvoll zu Werke zu gehen verbietet der Gedanke an die Gesundheit. Das eint den Hobbyfahrer und den Profiathleten, obwohl sich die Art ihrer Fortbewegung auf Ski ansonsten doch einigermaßen krass unterscheidet.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          So sind zu weiche Pisten schon ein Greuel für den Touristen, aber Gift für den Skirennfahrer. Beim alpinen Weltcupfinale in Bormio ließ am Mittwoch schon am frühen Morgen der Blick auf das Thermometer erahnen, dass es nichts werden würde mit der Abfahrt der Damen. Die Vorahnung täuschte nicht, und auch diese nächste Prognose erscheint angesichts des einkehrenden Frühlings in der Lombardei nicht allzu gewagt: Die Austragung der beiden Superriesenslalom-Rennen der Männer (9.30 Uhr) und der Frauen (12.30 Uhr) an diesem Donnerstag ist eher unwahrscheinlich.

          Nicht mal ein Training wurde ausgetragen

          Wer jetzt vorne liegt in den verschiedenen Weltcup-Disziplinen, den werden diese Absagen nicht weiter stören. Nachgeholt werden die Rennen schließlich nicht mehr, und so bekamen am Mittwoch die besten Abfahrer der Saison ihre kleine Kristallkugel überreicht, ohne dass sie noch einmal eine Kostprobe ihres Könnens hatten zeigen müssen. Im Fall von Didier Cuche hatte dies schon am Dienstag festgestanden, denn die Männer hatten schon gar nicht erst trainieren können, was aber aus Sicherheitsgründen zwingend vorgeschrieben ist.

          Kampflos gewonnen: Abfahrts-Gesamtsieger Lindsey Vonn und Didier Cuche

          Es blieb also bei den fünf Punkten Vorsprung des Schweizers vor Bode Miller, was dem Amerikaner mal wieder die willkommene Gelegenheit gab, den Internationalen Ski-Verband zu kritisieren. Wenn man gewollt hätte, wäre ein Training möglich gewesen, fand Querkopf Miller. Geändert hätte es indes nichts – am Mittwoch wäre das Rennen ohnehin ausgefallen. Für Miller bedeutete das aber nicht nur, dass er den Rückstand in der Abfahrtswertung nicht mehr aufholen konnte: Es blieb vor den letzten drei Rennen auch bei seinen 169 Punkten Vorsprung im Gesamt-Weltcup, der wichtigsten Trophäe der Skifahrer.

          „Unten bricht man regelrecht ein“

          Bei den Frauen gab es nicht nur deshalb keine Aufregung, weil die Disziplinen-Siegerin Lindsey Vonn schon vorher festgestanden hatte. Denn dass Spitzensportler keine Freundschaften mit direkten Konkurrenten pflegen können, wird zwar gerne und nicht nur im Skisport immer wieder behauptet, aber anscheinend geht es doch. Die beste Freundin der Amerikanerin, die auch im Gesamt-Weltcup führt, ist schließlich die Deutsche Maria Riesch, die ihr in der Addierung aller fünf Wertungen mit 157 Zählern direkt folgt.

          Während Lindsey Vonn sich am Mittwoch den feststehenden Lohn einer überragenden Abfahrtssaison abholte, könnte an diesem Donnerstag so wieder Maria Riesch an der Reihe sein. Die Partenkirchenerin, die am vergangenen Wochenende schon für den Gesamterfolg in der Kombination ausgezeichnet wurde, geht auch als beste Superriesenslalomfahrerin der Saison an den Start des letzten Rennens – sollte es denn tatsächlich stattfinden.

          Zwei Kugeln für Lindsey, zwei Kugel für Maria

          „Unten bricht man regelrecht ein“, sagt Maria Riesch über die weiche Piste, auf der alle Rennen in Bormio stattfinden sollen. Angesichts des späten Starttermins und der sonnigen Wetterprognose gehört viel Fantasie dazu, sich eine Verbesserung der Streckenverhältnisse über Nacht auch nur vorstellen zu können.

          Zwei kleine Kugeln für Maria Riesch, eine große und eine kleine für Lindsey Vonn – so könnte es ausgehen in Bormio für diese ungewöhnliche Freundschaft. Sogar Weihnachten hat die frisch verheiratete und unter ihrem Mädchennamen Kildow immer noch bekanntere Amerikanerin mit der Familie Riesch gefeiert. „Maria ist diejenige, die es in den nächsten Jahren zu schlagen gilt“, sagt die beste Skifahrerin der Saison über ihre größte Konkurrentin. Maria Riesch behauptet natürlich dasselbe über ihre Freundin. Das aber wird erst die Zukunft zeigen – fürs Erste wären sie in der Gegenwart in Bormio froh, wenn überhaupt noch ein Rennen stattfinden würde.

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