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Weltcup-Start in Sölden : Der deutsche Kampf um die Tageskarte

  • -Aktualisiert am

Sölden und der Gletscher: Auf dieser Strecke müssen sich die Skirennläuferinnen beweisen. Bild: dpa

Der Ski-Weltcup startet traditionell in Sölden – ehe es vier Wochen bis zum nächsten Rennen dauert. Zum Auftakt steht der Riesenslalom der Frauen an. Dort wird das Dilemma des deutschen Teams deutlich.

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          „Einmal links, einmal rechts“ zählt Marlene Schmotz routiniert auf, und damit ist keineswegs die Einfachheit gelungener Schwünge beim Riesenslalom im Ski-Weltcup gemeint. Die Rede war von Kreuzbandrissen, und dieses Kapitel ihrer Krankenakte ist bei der Skifahrerin vom SC Leitzachtal neben einem Sprunggelenkbruch besonders unschön ausgeprägt: „Zwoamol reicht – das brauch ich nimmermehr“, sagt sie nun vor dem Weltcup-Auftakt an diesem Samstag (10.00 Uhr in der ARD und bei Eurosport) in Sölden.

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          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Der am rechten Knie ereilte sie mitsamt eines Innenbandschadens im Januar 2020, kurz nachdem sie erstmals unter die Top Ten des Weltcups gefahren war. Nun kämpft die 27-Jährige abermals um Anschluss an die Ski-Spitze. „Ich bin voller Vorfreude“, sagt Marlene Schmotz vor ihrem Comeback-Versuch. Dass ihr Neustart beim Saisonbeginn der alpinen Skiläufer wieder einmal im Herbst auf dem abschmelzenden Gletscher in Sölden stattfindet, damit will sich die Bundespolizistin allerdings nicht weiter beschäftigen.

          Der Termin war vom ehemaligen deutschen Vorfahrer Felix Neureuther zuletzt als „aus der Zeit gefallen“ kritisiert worden, da die Rennläufer zwangsläufig schon im Sommer darauf hintrainieren müssen. Ebenfalls auf Gletschern. Die Deutschen waren heuer in Zermatt und Sas Fee, im Pitztal und Sölden.

          „Man muss den Kampf annehmen“

          Nur die früher üblichen Südamerika-Reisen wurden ausgelassen, aus Corona-Pandemie-Gründen. „Sölden kommt immer sehr früh“, meint Marlene Schmotz, zumal anschließend wieder vier Wochen Rennpause herrschen. Doch sie sieht sich als falsche Ansprechpartnerin, wenn es darum geht, den Rennkalender grundsätzlich umzugestalten oder das Gletscher-Rennen aus Umweltschutzgründen in Frage zu stellen: „Da werden wir Athleten nicht so viel mitbestimmen können.“

          Ihre Angriffslust fokussiert sie auf das Körperlich-Sportliche. „Man verlernt das Skifahren nicht. Sobald ich operiert bin, ist alles vergessen“, behauptet sie und erklärt ihr Comeback-Mantra: „Man muss den Kampf annehmen.“ Dementsprechend kündigt die 1,63 Meter große Athletin für Samstag „vollen Angriff“ und „volle Attacke“ an. Dabei geht es freilich zunächst nur um das Erreichen eines Minimalziels: den zweiten Durchgang der besten 30.

          „In die 30 fahren“ sei ihr Ziel, sagt Andrea Filser.
          „In die 30 fahren“ sei ihr Ziel, sagt Andrea Filser. : Bild: Witters

          „Wir wollen aus der Halbtageskarte eine Tageskarte machen“, fasst Jürgen Graller das Vorhaben griffig zusammen. Und damit bringt der Bundestrainer das deutsche Damen-Dilemma auf den Punkt. Denn auch die andere Hälfte des Zwei-Frauen-Teams, das der Deutsche Skiverband (DSV) für den ersten Lauf auf dem Rettenbachferner nominiert hat, muss hart um den Einzug in den zweiten Durchgang kämpfen.

          „In die 30 fahren“ sei ihr Ziel, sagt Andrea Filser, die in der vergangenen Saison Rang 42 in der Riesenslalom-Wertung belegte – und damit nicht nur Beste ihres Teams war, sondern die Einzige, die überhaupt Punkte sammelte. Auch sie versucht sich mit ihren 28 Jahren schon eine Weile im Weltcup, aber auch sie musste schon zwei komplette Winter wegen komplizierter Verletzungen pausieren: ein Kreuzbandriss, ein Unterschenkelbruch – so die negativen Höhepunkte ihres persönlichen Bulletins.

          Immerhin kann Andrea Filser mit dem noch frischen Gewinn einer WM-Medaille in die neue Saison starten, denn sie war im vergangenen Februar maßgeblich daran beteiligt, dass die deutschen Skiläufer in Cortina Bronze als Team gewannen. Der Wettbewerb wurde zwar „nur“ in Parallelrennen ausgetragen, die in der Alpin-Szene noch immer umstritten sind, aber immerhin ergab sich ein nachhaltiges Erfolgserlebnis: „Es kommt mehr Dynamik rein, wenn alle sehen, was möglich ist“, sagt Andrea Filser über die Wirkungen des Cortina-Coups auf das gesamte Team.

          Womöglich trägt der Schub gar über den Winter hinaus bis zu dem alles überragenden Großereignis der Saison: den Olympischen Spielen. Dass diese Spiele in Peking stattfinden und auch politisch umstritten sind, klammert Andrea Filser mit sportlichem Tunnelblick aus: „Mein persönliches Ziel ist, dass ich zu Olympia darf“, sagt die Sportsoldatin zu ihrem Saisonplan. „Dafür muss ich mich erst mal qualifizieren. Dann kann ich mich zu den Debatten äußern.“

          Auch Marlene Schmotz muss um Anschluss kämpfen.
          Auch Marlene Schmotz muss um Anschluss kämpfen. : Bild: dpa

          Graller lebt einen ähnlich pragmatischen Umgang mit den schwierigen Bedingungen seiner Zunft vor. „Wir wollen einfach unseren Sport machen. Es gibt einen Kalender des Skiverbandes, dem müssen wir uns beugen.“ Dass er Olympische Spiele lieber in Åre oder Cortina austragen würde, daraus macht er zwar keinen Hehl.

          Seine vornehmliche Aufgabe sieht er aber darin, dass sich überhaupt eine deutsche Skiläuferin für Olympia empfehlen kann. Denn auch Graller kommt nicht drum herum festzuhalten, dass die Basisdisziplin des alpinen Skisports im zweiten Jahr nach dem Rücktritt von Olympiasiegerin Viktoria Rebensburg weiterhin „die Achillesferse“ des deutschen Teams sei, wie er es ausdrückt.

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