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Weltcup-Auftakt in Sölden : Die Gelassenheit der Viktoria Rebensburg

  • -Aktualisiert am

Reibungsverluste minimieren lautet das Ziel von Viktoria Rebensburg für die anstehende Ski-Saison. Bild: dpa

Vor dem Start der alpinen Ski-Saison ist Viktoria Rebensburg mit sich und ihrer Fahrweise im Reinen. Dennoch will die Tüftlerin noch Nuancen verbessern – und hat sich dabei an den schnellen Jungs orientiert.

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          Auch mit „neuer Vorwahl“ hat sich für Viktoria Rebensburg nichts großartig geändert im Leben. Die beste deutsche Skirennläuferin ist jetzt 30 Jahre alt, aber die Zahl bereitet ihr keine größeren Schwierigkeiten. Persönlich neigt sie ohnehin dazu, „die Dinge eher positiv zu sehen“. Und auch sportlich ist sie mit sich und ihren Fahrkünsten als reifere Athletin im Reinen. „Natürlich mache ich keine Mordssprünge mehr in meinem Alter“, sagte die Riesenslalom-Spezialistin vor dem Weltcup-Auftakt der alpinen Skirennläufer am Samstag in Sölden (10 und 13 Uhr in der ARD und bei Eurosport) über ihre Ski-Technik. Zugleich gibt die selbsternannte „Tüftlerin“ zu erkennen, dass es immer wieder „Feinheiten und Nuancen gibt, die es zu verbessern gilt“. Und dieser Aufgabe stellt sie sich mit Akribie und Freude.

          Bild: dpa
          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          Wintersportler werden im Sommer gemacht, heißt es, und Viktoria Rebensburg ist „sehr gut über den Sommer gekommen.“ Eigentlich war ein Trainingslager in Chile geplant, doch sie entschied sich dagegen, „und das war genau die richtige Entscheidung“. Am Tag, an dem sie fliegen sollte, wurde im fernen Südamerika das Skigebiet zugemacht – Schneemangel sorgte für ein verfrühtes Saisonende, der Klimawandel macht auch vor den chilenischen Anden nicht halt.

          Stattdessen trainierte die Kreutherin in Saas Fee, wo sie sich ohnehin wohler fühlt. Insgesamt, so hat Rebensburg nachgerechnet, verbrachte sie 31 Tage beim Gletschertraining in dem Schweizer Skiort unweit der italienischen Grenze, den sie mittlerweile als zweite Heimat betrachtet. Sie hatte dort eine gute Zeit, habe „sehr viel mit den Jungs trainiert“, wie sie erzählt: mit Schweden, Norwegern, Schweizern. „Sie zeigen das Limit auf“, schwärmt sie: „Es ist faszinierend, wie sich die Technik entwickelt.“

          Weniger Reibungsverluste

          Selbst im fortgeschrittenen Rennfahreralter staunt sie noch über die Entwicklungen – und meint damit sowohl das Material, als auch die Fahrweise. Die Olympiasiegerin von 2010, zweimalige WM-Silbermedaillengewinnerin und dreimalige Siegerin des Riesenslalom-Weltcups weiß, „dass mein Konzept funktioniert“. Aber sie ist zugleich bereit, weiterhin zu lernen. Sie habe sich bei den Testfahrten einiges abgucken können, wie sie sagt, ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen. Nur so viel ließ sie durchblicken: „Es geht immer darum, den Weg abzukürzen zwischen den Toren.“ Und zugleich soll am Tor wenig Reibung erzeugt werden, um den Speed nicht wieder herzugeben.

          Diese Reibungsverluste zu minimieren ist das Ziel, und dabei wähnt sich Rebensburg auf einem guten Weg. Zugleich weiß sie auch: „Das Rennen beginnt bei null.“ Und auch der gesamte Winter beginnt bei null. Der Saisonauftakt in Sölden ist traditionell auf den Herbsttermin Ende Oktober terminiert. Danach bleiben vier Wochen, um sich auf die Hauptsaison einzustellen. Rebensburg sieht diese Pause „positiv“. Gelinge der Auftakt, habe man die Gewissheit, „man ist in der Spur“. Gelinge der Auftakt nicht, wisse man, „was man noch üben kann“.

          Das Glas ist also immer halbvoll bei Viktoria Rebensburg, und gemäß dieser Devise hat sie auch die vergangene WM abgehakt. In Are war sie im Super-G Vierte geworden. Danach hatte sie im Riesenslalom nach dem ersten Lauf geführt, und auch bei der Zwischenzeit im zweiten lag sie vorne. Doch im Ziel fehlten 14 Hunderstel auf Petra Vlhova.

          Kein Vorbeikommen an Shiffrin

          „Ich habe Silber gewonnen, nicht Gold verloren“, sagt und lässt sich im Abstand eines halben Jahres schon gar keinen Negativ-Blickwinkel einreden. Wenn sie es genau betrachte, bewerte sie dieses sogar als „schönsten Moment“ ihrer Karriere, die gewiss einige Höhepunkte aufzuweisen hat. Das Einfahren sei an jenem Tag in Schweden eine „Katastrophe“ gewesen, und dennoch sei es ihr gelungen, sich auf den Lauf zu konzentrieren und eine gute Performance abzuliefern. Und das zeige ihr, was sie erreichen könne mit „guter mentaler Verfassung“.

          In der nun anstehenden Weltcup-Saison will sie sich auch nicht verrückt machen lassen und nicht jedes Rennen bestreiten. Es ist ein „Zwischenwinter“ ohne Großereignis wie WM oder Olympia, weshalb der Weltcupkalender noch vollgestopfter ist als ohnehin. Rebensburg will sich auf ihre Kernkompetenzen Riesenslalom und Super-G konzentrieren und die Abfahrten nur temporär angehen.

          Den Gesamt-Weltcup, in dem sie zuletzt Vierte wurde, kann sie so nicht gewinnen. Aber der erscheint ohnehin unerreichbar, solange die amerikanische Alleskönnerin Mikaela Shiffrin mitmischt. Und die ist erst 24. Ganz andere Vorwahl. Doch die entspannt gereifte Skirennläuferin Rebensburg bleibt positiv: „Ich habe den schönsten Beruf, den ich mir wünschen kann.“

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