https://www.faz.net/-gtl-u6mp

Vogl und Neureuther imponieren : Der Torlauf öffnet ihnen alle Türen

  • -Aktualisiert am

Auch ohne Abfahrt ein Ereignis: Ski-Weltcup in Kitzbühel Bild: AFP

Ein dritter Platz von Alois Vogl beim prestigeträchtigen Slalom in Kitzbühel und zwei Top-Sechs-Platzierungen von Felix Neureuther nähren die Hoffnungen auf deutsche Medaillen bei den alpinen Ski-Weltmeisterschaften.

          3 Min.

          Wie ist ein Kitzbühel-Wochenende ohne das berühmte Abfahrtsrennen auf der Streif? Für die Deutschen, die gewöhnlich auf der spektakulärsten Schussfahrt des Weltcups keine bemerkenswerte Rolle spielen, war das diesmal keine Frage: Gar nicht so schlimm, fand Werner Margreiter, der österreichische Cheftrainer der deutschen Skimänner schon vorher. „Denn wir werden die Mannschaft sein, die von der Änderung des Programms am meisten profitiert.“

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Wie wahr. Statt Abfahrt und Kombinationsslalom zwei Slalomrennen - da mag eingefleischten Kitzbühel-Fans, so mancher Berühmtheit und vielen weniger bekannten Prominenten das Herz geblutet haben, weil doch einiges von der gewohnten und künstlich hergestellten Aufmerksamkeit verloren ging.

          Auch der Slalom lockte 40.000 Zuschauer

          Dafür gab es für das deutsche Publikum zwei Hingucker: Alois Vogl und Felix Neureuther. Der eine meldete sich im ersten Rennen mit Platz drei in der Weltspitze zurück, der andere rundete den Samstag mit einem sechsten Rang zum besten deutschen Slalomergebnis seit 13 Jahren ab. Tags darauf schied Vogl im zweiten Durchgang zwar aus, dafür legte Neureuther mit einem fünften Platz noch einmal nach und nähert sich langsam der ersten Startgruppe der besten sieben Slalomfahrer.

          Felix Neureuther: Schnell war er schon immer
          Felix Neureuther: Schnell war er schon immer : Bild: AFP

          Der Torlauf, sonst ein Appendix der Abfahrt, lockte immerhin noch rund 40.000 Skifans in Tirols bekanntesten Skiort. Natürlich konnte der Torlauf nicht im mindesten mit der Abfahrt und 100.000 Zuschauern konkurrieren. Aber immerhin trug er dazu bei, den finanziellen Verlust in Grenzen. zu halten. Ein komplettes Hahnenkamm-Wochenende soll allerdings rund 30 Millionen Euro Umsatz in die Region bringen, was manchen - vergeblichen - Aufwand erklärte, die Abfahrt zu retten.

          Rennabsage ein Glücksfall

          Die Rennabsage des eigentlichen Hauptereignisses erwies sich aber im nachhinein zumindest sportlich als Glücksfall; denn die Schussfahrt, die in der vergangenen Woche wegen Schneemangels und Regens vom Programm gestrichen werden musste, hätte es am Samstag ohnehin nicht gegeben. Frau Holle hatte sich zu spät, dafür um so emsiger an die Arbeit gemacht.

          Margreiter behielt mit seiner Vorschau also recht. Denn so viele gute Nachrichten aus Kitzbühel gab es für deutsche Fahrer schon lange nicht mehr. Und trotzdem war da einer, der noch viel mehr vom geänderten Rennprogramm profitierte. Dass der Schwede Jens Byggmark ein exzellenter Slalomfahrer ist, hatte er schon in der vergangenen Saison bewiesen, als er die Europokal-Wertung gewann. Auch im Weltcup dieser Saison hatte er in allen vier Rennen gepunktet - und war trotzdem für viele noch ein unbeschriebenes Blatt.

          Doppelsieg von Byggmark vor Matt

          Das änderte sich in Kitzbühel so grundlegend, wie es sich der 21 Jahre alte Schwede ganz sicher nicht hätte vorstellen können. Nach einer mitreißenden Vorstellung gewann er am Samstag vor dem Österreicher Mario Matt (0,87 Sekunden zurück) und Alois Vogl (1,48 Sekunden zurück), bekam das Trikot des Führenden in der Slalom-Wertung angezogen und war danach fast sprachlos: „Das ist zu viel für mich.“

          Stimmte wohl nicht ganz, wie sich am Sonntag herausstellte. Viel knapper als am Vortag (0,98 Sekunden bedeuteten den Unterschied zwischen Platz eins und Rang 13) war es zugegangen, doch auf dem Podium änderte sich nicht viel. Abermals siegte Byggmark vor Matt, doch die beiden trennten nur noch drei Hundertstelsekunden, und auch der Rückstand des Südtirolers Manfred Moelgg hielt sich mit fünf Hundertstelsekunden in kaum wahrnehmbaren Grenzen.

          Tarnaby, der Nabel der Ski-Welt

          Ausgerechnet nun wartet die Heim-WM in Are, und Byggmark, der wie die schwedischen Asse von einst und jetzt, Ingemar Stenmark und Anja Pärson, aus Tarnaby stammt, befiel schon am Samstag eine Vorahnung: „Die Erwartungen waren vorher schon hoch, und sie werden jetzt sicher nicht geringer.“

          Nicht nur Byggmark fand dieses ungewöhnliche Hahnenkamm-Wochenende ganz prima. Alois Vogl hatte schon angekündigt, nach ein paar Fräsarbeiten an seinem Skischuh nun endlich wieder jene Sicherheit gefunden zu haben, die er vorher vermisst habe. Dreimal nacheinander war er zuletzt in Lake Louise, Alta Badia und Adelboden wegen eines Torfehlers disqualifiziert worden.

          Vogl auf Vorschuss nominiert

          Trotzdem hatte ihn der Deutsche Ski-Verband in der vergangenen Woche für die WM nominiert, und er bekam diesen Vertrauensvorschuss schnell zurückgezahlt. Von Platz 16 aus fuhr Vogl am Samstag auf den dritten Rang vor und freute sich, dass die Verhältnisse endlich seinem Fahrstil entgegenkamen. Der 34 Jahre alte Lohberger liebt es nämlich vor allem eisig - und von Eis konnte in diesem Winter zumindest in Europa nicht die Rede sein.

          „Unser Konzept hat sich bestätigt“, sagte derweil Alpin-Direktor Wolfgang Maier. Denn während Vogl mit dem ehemaligen Techniktrainer Sepp Hanser arbeitet, wird Felix Neureuther von Hansers Nachfolger Wolfgang Erharter betreut. Für beide zahlt es sich offenbar aus, wobei vor allem der 22 Jahre alte Neureuther seiner Karriere in diesem Winter eine überraschende Wende gegeben hat. Schnell war er schon immer, dummerweise aber nur selten im Ziel.

          Neues Fahrgefühl bei Neureuther

          Das hat sich grundlegend geändert, denn der Sohn berühmter Eltern fand bisher in diesem Winter in jedem Slalom den Weg in die vorderen Punkteränge. Seit Hans-Peter Habersatter, der ehemalige Servicemann des Slalomspezialisten Kalle Palander, seine Ski präpariert, hat Neureuther ein völlig neues Fahrgefühl kennen gelernt.

          „Ich weiß gar nicht, was ich tun sollte, um auszuscheiden“, sagt der Garmischer, der nun zu denen gehört, die man bei der Weltmeisterschaft beachten sollte. Gemach, gemach, findet Neureuther, „ich kann ja nicht dahin fahren und sagen, ich will Gold holen.“ Manchmal ist es ohnehin besser, man behält ein paar Geheimnisse für sich.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Eine Maskenpflicht für Schülerinnen und Schüler ist umstritten.

          Schutz der Schulen : Die Kultusminister bleiben untätig

          Die Kultusminister benutzen das Recht auf Bildung, um ihre Untätigkeit beim Schutz der Schulen zu verdecken. Empfehlungen werden ignoriert, und Investitionen fallen im Vergleich zu anderen Ländern gering aus.
          Indische Bauern demonstrieren an diesem Wochenende gegen ein neues Gesetz.

          Angst vor Armut : Aufstand der indischen Bauern

          Die Wirtschaft schrumpft, die Landbevölkerung begehrt auf: Indiens Ministerpräsident Modi überfordert die Armen mit seiner Coronapolitik - und mit der Reform des Agrarsektors.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.