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Viktoria Rebensburg : Die neue Frontfrau

Mit gebremstem Schwung in die neue Saison: Viktoria Rebensburg fährt in Sölden auf Platz sechs Bild: dpa

Nach dem Abschied von Skistar Maria Höfl-Riesch muss Viktoria Rebensburg noch in die Führungsrolle hineinwachsen. Eine Allrounderin wie die dreimalige Olympiasiegerin ist sie aber nicht.

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          Viktoria Rebensburg weiß: Das ist jetzt erst der Anfang. Das wird jetzt eine Weile so weitergehen. Jetzt, da die erfolgreichste deutsche Skirennfahrerin nicht mehr dabei ist, da die dreimalige Olympiasiegerin Maria Höfl-Riesch ihre Karriere beendet hat - und die Hoffnungen der Deutschen bei den alpinen Skirennläuferinnen ganz auf Viktoria Rebensburg ruhen. „Klar, dass jetzt diese Fragen kommen“, sagt sie. Fragen wie: Wie ist das, wenn plötzlich die ganze Last der Erwartungen auf den eigenen Schultern liegt? Wie wird man damit fertig? Und was verändert das für einen? Zwei Tage vor dem ersten Rennen der Weltcup-Saison 2014/2015 sitzt Viktoria Rebensburg in der Giggi-Tenne in Sölden, an einem wuchtigen, Après-Ski-sicheren Holztisch und macht nicht den Eindruck, als sei nun, da die Anführerin Maria Höfl-Riesch fehlt, auf einmal alles anders für sie.

          Bernd Steinle
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          „Die Maria“, sagt sie, „war eine Ausnahmeathletin.“ Eine, die in allen Disziplinen stark war, eine der wenigen Allroundkünstlerinnen im Weltcup, eine, die auch im Gesamtweltcup immer vorne mitmischte. Anders als Viktoria Rebensburg. „Ich komme aus dem Riesenslalom“, sagt sie. „Das ist meine Basis.“ 2010 wurde sie da Olympiasiegerin, vier Jahre später Olympia-Dritte, zweimal war sie beste Riesenslalomfahrerin der Saison. Die Gesamtwertung? Ist auch ein Ziel, klar. Aber eines, das im Moment noch fern ist. Den Slalom etwa hat sie gar nicht auf der Rechnung. „Jeder hat seine Stärken und Schwächen“, sagt Viktoria Rebensburg.

          Sie hat sich für diese Saison erst einmal vorgenommen, im Kerngeschäft zu alter Stärke zu finden. „Die Konstanz im Riesenslalom war in den letzten Jahren nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe“, sagt die 25 Jahre alte Olympiasiegerin. Deshalb hat sie, trotz aller Versuche, auch in Super-G und Abfahrt weiter voranzukommen, „den einen oder anderen Tag mehr in den Riesenslalom investiert“. Zurück zur Basis. Zumal sie vor diesem Winter den Skiausrüster gewechselt hat, mit neuem Material unterwegs ist, die perfekte Abstimmung noch austüfteln muss. „Wichtig ist, dass ich im Riesenslalom Selbstvertrauen und Sicherheit habe“, sagt Viktoria Rebensburg. „Dann bin ich überzeugt, dass ich auch in den Speed-Disziplinen den nächsten Schritt machen kann.“ Sie geht ihren eigenen Weg, auch jetzt, als neuer Mittelpunkt des Teams. „Früher war Maria der Anhaltspunkt im Training, sie hat den anderen Sicherheit gegeben“, sagt sie.

          „Zu passiv, zu brav, zu vorsichtig“

          „Jetzt übernehme ich diese Rolle für die jungen Athletinnen.“ Ein Problem hat sie nicht damit, im Gegenteil. Sie geht in ihre achte Weltcup-Saison, „ich habe schon viel Erfahrung gesammelt“. Und Frontfigur hin oder her: Für sie selbst, in der Vorbereitung auf den ersten Winter in neuer Führungsrolle, hat sich wenig verändert. „Ich spüre jetzt nicht mehr oder weniger Druck“, sagt sie. „Ich konzentriere mich auf meine Ziele.“ Und die sind die gleichen wie in der Ära Höfl-Riesch: „Ich versuche, schnell Ski zu fahren.“ Was sich verändert hat, ist ihr Umfeld - angefangen beim neuen Cheftrainer Markus Anwander, der den Posten von Tom Stauffer übernahm. Dazu kommt der neue Techniktrainer Herbert Renoth, ein Mann, mit dem Viktoria Rebensburg schon lange eng zusammenarbeitet. „Es passt alles gut zusammen“, sagt sie. Für Anwander ist wichtig, dass „wir eine Einheit sind, wir haben wieder ein sehr harmonisches Team“. Das war zuletzt nicht immer so. Viktoria Rebensburg schätzt es besonders, dass der neue Cheftrainer „ein kommunikativerer Typ ist“ als sein Vorgänger. Das deutsche Frauenteam war vor einigen Jahren schon mal dichter dran an der Weltspitze als im Moment, vor allem im Slalom. Der Rückschritt hatte viele Gründe, oft waren sie sehr individuell, einer aber sei auch gewesen, „dass der Fokus vielleicht ein bisschen zu sehr auf der Maria lag“, sagt Anwander. So kann aus dem Verlust der Leitfigur vielleicht auch eine Chance erwachsen. „Wir haben viele junge Athletinnen, die richtig Gas geben“, sagt Viktoria Rebensburg.

          Es war einmal: Eine Alleskönnerin wie Maria Höfl-Riesch ist beim DSV nicht in Sicht
          Es war einmal: Eine Alleskönnerin wie Maria Höfl-Riesch ist beim DSV nicht in Sicht : Bild: dpa

          Das heißt nicht, dass sie jetzt gleich reihenweise in die Top Ten rasen werden. Die Erwartungen seitens des Verbands sind gebremst. Für viele Fahrerinnen geht es darum, nach einem Karriereknick wie bei Lena Dürr oder einer Verletzungspause wie bei Veronique Hronek in den Startlisten wieder nach vorne zu kommen. Alpindirektor Wolfgang Maier will der Mannschaft diese und nächste Saison Zeit geben, um den Weg zurück in die Weltspitze zu finden: „Ich gehe aber davon aus, dass wir spätestens in der WM-Saison 2016/17 auch bei den Frauen wieder mit einem schlagkräftigen Team präsent sind und in diesem Team dann mehr als eine Läuferin um die Medaillen mitfahren kann.“ Der Auftakt in Sölden am Samstag zeigte, dass der Weg noch weit ist. Viktoria Rebensburg verlor im ersten Durchgang des Riesenslaloms gut zwei Sekunden auf die Amerikanerin Mikaela Shiffrin. „Zu passiv, zu brav, zu vorsichtig“ sei sie unterwegs gewesen, kritisierte Anwander. Simona Hösl und Lena Dürr schieden aus. Im zweiten Lauf fuhr Rebensburg mit drittbester Laufzeit von Rang zwölf auf Platz sechs. „Das war das Niveau, das man von ihr erwarten kann“, sagte Maier. Veronique Hronek landete beim ersten Riesenslalom-Sieg von Mikaela Shiffrin, die zeitgleich mit der Österreicherin Anna Fenninger gewann, auf Rang 25. Am Ende fand Cheftrainer Anwander: „Es wäre hier deutlich mehr drin gewesen.“ Das Gute daran ist: Die Saison hat gerade erst begonnen.

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