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Kommentar zum Skispringen : Die deutschen Chancen einer Zäsur

  • -Aktualisiert am

Bleibt er oder geht er? Skisprung-Bundestrainer Werner Schuster. Bild: AFP

Werner Schuster hat viele erfolgreiche Momente mit seinen Springern erlebt. Damit könnte es bald vorbei sein. Seine mögliche Rückkehr nach Österreich muss für das Lager der Deutschen aber nicht zum Problem werden.

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          Der derzeit begehrteste Skisprung-Trainer der Welt? Ist ein Österreicher – und arbeitet in Deutschland. Werner Schuster ist in aller Munde. Der Mann aus dem Kleinwalsertal, der in Tirol unweit des Skigymnasiums Stams lebt, wirkt schon im elften Jahr für den Deutschen Skiverband (DSV). Die seitdem vielen erreichten Titel, Triumphe und Trophäen sind zu einem Großteil Schusters Verdienst. Der mittlerweile 49 Jahre alte Sportfachmann hat alte Strukturen verändert, neue Wege beschritten, den Verband von unten nach oben ausgerichtet – und damit durchweg Erfolg. Olympiasieger, Weltmeister, Gesamt-Weltcupsieger: Schuster hat mit großem Teamwork alles, fast alles erreicht. Das Einzige, das ihm verwehrt blieb, ist der Sieg eines deutschen Skispringers bei der Vierschanzentournee.

          Bis zur Halbzeit dieses grenzüberschreitenden Sprungvergnügens hatte der in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen mit jeweils zweiten Plätzen auftrumpfende Markus Eisenbichler alle Möglichkeiten, gegen den großen Dominator dieses Winters beim Wechsel auf die österreichischen Skisprungschanzen noch zu gewinnen. Doch seit dem Absturz am Innsbrucker Bergisel, wo der Japaner Ryoyu Kobayashi nicht nur den deutschen Verfolger, sondern auch die anderen europäischen Schanzenverfolger souverän hinter sich ließ, ist die Tournee zu einer Soloveranstaltung geworden. Man mag das bedauern. Nicht so der von seinem Heimatland heftig umworbene Werner Schuster – und das ist auch richtig so. Er zollt einem faszinierenden Skispringer, der mehr oder weniger perfekte Sprünge zeigt, Respekt und zeigt seine Bewunderung.

          Genau das ist es: das Streben nach Vollendung. Schuster hat viele dieser Momente mit seinen deutschen Springern erlebt. Doch nun, am Ende dieses Winters, könnte es damit vorbei sein. Seine mögliche Rückkehr nach Österreich wäre eine gravierende Zäsur für das Lager der deutschen Skispringer – und zugleich die Chance, seine höchst solide Arbeit fortzusetzen. Fix ist freilich noch nichts. Schuster wird auch in den kommenden Wochen bis zur Weltmeisterschaft in Seefeld kaum seine Zurückhaltung aufgeben und verraten, wie es nun wirklich nach Ablauf seines Vertrages mit ihm weitergeht. Der Verband aber muss für den Fall der Fälle nach anderen Trainern suchen.

          Einer wie Stefan Horngacher, über den während der Tournee immer wieder gesprochen wurde, könnte der passende Nachfolger für den Erfolgstrainer Schuster sein. Der ebenfalls 49 Jahre alte Horngacher ist seit 2016 mit großem Erfolg Chefcoach der starken Polen um Grand-Slam-Sieger Kamil Stoch – und er wüsste genau, was zu tun wäre. Kaum jemand außerhalb des Deutschen Skiverbandes weiß besser als der Tiroler, wie Schuster denkt und wie Schuster von unten nach oben erfolgreich aufbaut.

          Vor seinem Wechsel ins skisprungverrückte Polen war Horngacher fünf Jahre lang Schusters Assistent in Deutschland. Horngacher für Schuster – das würde passen. So wie es auch mit Schuster und den Österreichern passen würde. Spannende Zeiten in diesem weltmeisterlichen Entscheidungswinter. Nicht nur in der Schanzenspur, in der die Deutschen und die Österreicher den Rückstand auf Kobayashi verkürzen wollen. Sondern auch jenseits des Schanzentischs.

          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

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