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Vierschanzentournee : Ritter Morgenstern

  • -Aktualisiert am

Der Mann der Vierschanzentournee: Thomas Morgenstern freut sich über den zweiten Sieg Bild: REUTERS

Der Hexenkessel kocht: Thomas Morgenstern ist eine Klasse für sich und gewinnt das dritte Springen der Vierschanzentournee. Der Sieg auf der Schanze am Bergisel ist ein Ritterschlag. Auch zwei Deutsche dürfen sich freuen.

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          Die Zuschauer standen schon gut eine Stunde im Schatten, bei empfindlicher Kälte. Doch als Thomas Morgenstern, wie von einer Schnur gezogen, genau in die Mitte des Auslaufs gesprungen und bei 126,5 Metern gelandet war, kochte der Hexenkessel. Eine Klasse für sich war er wieder einmal, der 24 Jahre alte Kärntner, wie schon fünfmal zuvor in dieser Saison des Skisprung-Weltcups. Auf der dritten Station der Vierschanzentournee gewann er am Montag in Innsbruck mit neun Punkten Vorsprung vor dem Polen Adam Malysz. Dahinter lagen Tom Hilde aus Norwegen und der Schweizer Doppel-Olympiasieger Simon Ammann.

          Als bester Deutscher wurde Michael Uhrmann Achter, Pascal Bodmer erreichte Rang zehn. „Jetzt weiß ich, wie sich Wolfi (Loitzl) und Gregor (Schlierenzauer) gefühlt haben“, sagte Morgenstern. Seine Mannschaftskollegen hatten ihm den Sieg am Bergisel in den vergangenen Jahren vorgemacht. Auf dieser futuristisch wirkenden Schanze am Bergisel zu gewinnen, ist für jeden Österreicher so etwas wie der Ritterschlag - und Morgenstern ist hier der dritte österreichische Sieger in Serie.

          „Ich bin emotional sehr geladen“, sagte er. Als Führender des ersten Durchgangs hatte er bis zum Schluss auf dem Turm gestanden, als letzter Starter saß er oben auf dem Balken. „Ich habe es genossen“, sagte er, „ich habe runtergeschaut und die Stimmung eingesogen.“ In der Luft, nach über hundert Metern, habe er die Menge bewusst wahrgenommen, ihre begeisterten Schreie gehört und sich tragen lassen.

          Auf dem Flug zum Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee: Thomas Morgenstern

          22.000 Zuschauer bildeten die gebührende Kulisse für einen, den sie am liebsten an diesem Tag schon zum Gesamtsieger ausgerufen hätten. Einen Vorsprung von 27,3 Punkten, die 15 Metern entsprechen, hat Morgenstern vor dem abschließenden Springen in Bischofshofen am Donnerstag vor Simon Ammann.

          „Ein klein bisschen Hoffnung habe ich noch“

          „Das lässt mich ein bisschen besser schlafen“, sagte Alexander Pointner, der Cheftrainer der österreichischen Skispringer. Die obligatorischen Einschränkungen, es könne ja immer noch etwas passieren, wollte der deutsche Bundestrainer erst gar nicht gelten lassen. Für Werner Schuster steht fest: „Ammann hat keine Chance mehr.“ Der Schweizer, Sieger des umstrittenen Springens von Garmisch-Partenkirchen, gibt sich verbal nicht geschlagen: „Ein klein bisschen Hoffnung habe ich noch.“ Aber er sagt es mit einem Augenzwinkern.

          Schritt für Schritt verschaffen sich auch die deutschen Skispringer den Respekt der Konkurrenz. Wie schon in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen war in Innsbruck mindestens einer aus dem Team von Bundestrainer Werner Schuster unter den besten zehn zu finden. Endlich wurde Michael Uhrmann für sein Durchhaltevermögen, für seine intensive Arbeit belohnt. „Für mich scheint die Sonne, wenn ich gut springe“, hatte er schon nach einem gelungenen Sprung in der Qualifikation am Sonntag gesagt.

          „Zwei Herzen schlagen heute in meiner Brust“

          Im Wettkampf fühlte er sich bestätigt. „Ich muss einfach auf meinem Weg weitermachen“, sagte er. Der Bundestrainer freute sich und sage doch: „Zwei Herzen schlagen heute in meiner Brust“. Uhrmann und Bodmer lobte er, „die anderen haben doch einiges liegen gelassen“ - sprich: waren zu kurz gesprungen.

          Fünf von sieben in Innsbruck angetretenen Springern des Deutschen Skiverbandes hatten sich für den Finaldurchgang qualifiziert; Richard Freitag wurde 19., Stephan Hocke kam auf Rang 23 vor Severin Freund. Michael Neumayer musste seine Hoffnung auf eine Plazierung im Gesamtklassement der Tournee unter den besten zehn mit einem völlig missglückten ersten Hüpfer nach einem gravierenden Fehler am Absprung begraben - er wurde 47. Martin Schmitt war schon am Sonntag in der Qualifikation hängen geblieben.

          „Ich schätze seine Leistung ganz hoch ein“

          Im Schatten des Siegers stand am Montag einer, der selbst schon diesen Platz an der Sonne innehatte. Auch, und in erster Linie seinetwegen waren Stunden vor dem Springen Massen den langen Weg hinauf an die Schanze gepilgert. Denn das Springen am Bergisel ist das Heimspiel des Gregor Schlierenzauer. In Innsbruck kehrte er zurück in den Weltcup. Am 13. Dezember hatte er sich im Training einen Einriss des Innenbandes im rechten Knie zugezogen - und vorbei war sein Traum vom ersten Gesamtsieg der Vierschanzentournee.

          Er hatte ohnehin in diesem Winter zu kämpfen nach für ihn enttäuschenden Leistungen zu Beginn - vor der Verletzung war Platz 14 in Kuusamo sein bestes Ergebnis. Morgenstern, den er einst verdrängt hatte, nahm seinen Platz als Star im Austria-Team ein. In Innsbruck wurde Schlierenzauer 18. Ernst Vettori, der neue nordische Direktor des Österreichischen Skiverbandes, war voll des Lobes für den Tiroler. „Ich schätze seine Leistung ganz hoch ein“, sagte er, „technisch ist er wieder der Alte“. Für einen Gregor Schlierenzauer ist das allerdings noch nicht genug.

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