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Vierschanzentournee : Thomas Morgenstern als das Maß der Dinge

  • -Aktualisiert am

Der Favorit setzt sich durch: Thomas Morgenstern gewann das Auftaktspringen Bild: dapd

Mit dem Sieg beim Auftaktspringen der Vierschanzentournee wird Morgenstern endgültig zum großen Gesamtfavoriten. Hinter dem Österreicher landen Hautamäki und Fettner. Auch die Deutschen erfüllen ihre Vorgaben bestens.

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          „Ich habe viel gelernt aus den letzten Jahren, und ich weiß, dass es nicht immer nur um Ergebnisse geht.“ Was so abgeklärt klingt, kann einer ganz locker sagen, der am Mittwochabend in Oberstdorf zum fünften Mal in dieser Saison auf der obersten Stufe eines Siegerpodestes stand - und der sich damit endgültig zum haushohen Favoriten für den Gesamtsieg in der Vierschanzentournee der Skispringer gemacht hat: Thomas Morgenstern muss sich um die Ergebnisse gar nicht mehr kümmern.

          Mit Sätzen auf 131,5 und 138 Meter gewann er den Wettbewerb auf der Schattenbergschanze - und mehr denn je stellt sich die Frage, wer diesen Morgenstern denn im Moment stoppen könnte. Matti Hautamäki, der Finne, kam ihm am Mittwoch als Zweiter am nächsten (125 und 137,5 Meter), und Morgensterns Landsmann Manuel Fettner hielt als Dritter (130 und 131,5) sogar noch den Schweizer Doppel-Olympiasieger Simon Ammann (Vierter mit 123 und 134,5 Metern) auf Abstand.

          Mit zwei Springern unter den besten Zehn - Severin Freund als Sechster und Michael Neumayer auf Rang acht -, mit weiteren drei - Richard Freitag als 13., Martin Schmitt auf Platz 18 und Michael Uhrmann auf Rang 19 - unter den besten Zwanzig und mit insgesamt acht Athleten im Finale der besten 30 hat auch die Mannschaft des Deutschen Skiverbandes die Vorgaben bestens erfüllt.

          Leuchtendes Beispiel: Morgenstern sprang 131,5 und 138 Meter

          „Von einem Top-Ten-Rang kann man nur ein bisschen träumen“

          Tristesse war den Deutschen nach den Leistungen in den ersten Wochen des neuen Winters auch für die Tournee vorhergesagt worden, doch die vor Freude immer wieder geballte Faust von Bundestrainer Werner Schuster lehrte zum Auftakt der Tournee alle Kritiker eines Besseren. „Von einem Top-Ten-Rang gleich in Oberstdorf kann man nur ein bisschen träumen“, sagte der 22 Jahre alte Freund. Der Ruck, auf den die Skisprung-Fans so lange warten mussten, scheint während der Weihnachtstage tatsächlich durch die Mannschaft gegangen zu sein. Der Beginn jedenfalls lässt auf einen Deutschen auf einem Siegerpodest hoffen, vielleicht noch in dieser Saison.

          Die 20.000 Fans, die nach Oberstdorf gekommen waren, hatten sich ohnehin schon fast wieder ganz auf Lila eingestellt. Lila, das Signal für Martin Schmitt, den sie so gerne wieder da sehen würden, wo er einst war. Die Vorzeichen aus der Qualifikation am Dienstag und dem Probesprung - dem viertbesten des gesamten Feldes - vor dem Wettkampf am Mittwoch waren fast zu schön, um wahr zu sein. Als es dann ernst wurde, schlich sich zwar im Absprung wieder der Fehler ein, der dem Schwarzwälder so manchen weiten Flug verdirbt.

          „Martin ist nicht so weit, dass er ganz vorn mitspringen kann“

          Schmitt erreichte im ersten Durchgang nur 111,5 Meter, war 29. Mit dem zweiten, schon eher gelungenen Sprung auf 127,5 Meter aber rettete er sich auf Rang 18 und erreichte damit seine beste Plazierung in dieser Saison. Schuster hatte ohnehin vorher gewarnt: „Martin ist noch nicht so weit, dass er hier ganz vorn mitspringen kann.“ Beide, der Trainer und sein immer noch publikumswirksamster Athlet, sehen sich auf dem richtigen Weg. Die Begeisterung der Fans in Oberstdorf kann als zusätzlicher Mutmacher genommen werden.

          Einen Morgenstern kann sich Schmitt derzeit ohnehin nicht zum Maßstab nehmen. Der 24 Jahre alte Kärntner ruht in sich und scheint, unbeeindruckt vom Rest der Konkurrenz, die Skisprungwelt für sich definiert zu haben. Die Wandlung vom „Morgi“ zum Thomas - so will er nun genannt werden - ist eines der äußeren Zeichen für den Reifeprozess, den er durchgemacht hat.

          „Es sind vier Weltcup-Springen, das ist die Herausforderung“

          Schon einmal war er das Maß der Dinge im Skispringen, bis neue Namen im österreichischen Team auftauchten, ihm Erfolge und Aufmerksamkeit nahmen - und er damit fertig werden musste, nicht mehr der blonde Liebling einer ganzen Nation zu sein. Er habe sich entwickelt, sagt er selbst, habe an sich gearbeitet, um „meine Qualitäten zu verbessern, auf der Schanze und natürlich auch abseits. Ich habe mir Luft verschafft.“ Morgenstern ist der Spaß anzusehen, mit dem er in jeden Wettkampf geht, in jeden Sprung.

          Und wie ist das mit den Ergebnissen, die man nicht sehen, an denen man sich nicht orientieren will? Morgenstern sagt: „Es sind vier Weltcup-Springen, das ist die Herausforderung.“ Jedes für sich zu sehen, so Cheftrainer Alexander Pointner, sei das Rezept, „da muss man nicht im Kopf größere ergebnisorientierte Ziele haben wie die Tournee“. Spätestens nach diesem Mittwoch in Oberstdorf dürfte das leichter gesagt sein als getan.

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