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Skispringen : Warum Freund die Tournee gewinnen kann

  • -Aktualisiert am

Landet Severin Freund am Ende der Vierschanzentournee ganz oben? Bild: dpa

Während er in der Luft Standards setzt, gewinnt er am Boden Profil. Severin Freund kann in diesem Jahr die Vierschanzentournee gewinnen. Der Aufwind des besten deutschen Skispringers hat Gründe.

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          Immer dieser Realismus. Ständig bemüht sich Severin Freund, alles vollkommen objektiv zu sehen. Ganz nüchtern blickt er auf sich, seine Aufgaben und seine Ziele. Das gibt ihm Sicherheit, natürlich. Schließlich verleitet das Rationale ihn nicht zu falschen Träumen oder Luftschlössern.

          Doch nach außen wirkt diese Herangehensweise oft etwas gehemmt. Selbst wenn er lacht, kneift er bisweilen beide Augen zusammen. Auch nach Erfolgen, und davon gab es zuletzt einige, wirkt er meist sogar verlegen, übermannt von all den Emotionen und der plötzlichen tausendfachen Zuneigung der Zuschauer.

          Severin Freund weiß das. Er ist Realist. „Auch wenn es manchmal bei mir nicht so aussieht, die Tournee macht mir jedes Jahr richtig viel Spaß“, sagt er. Selbstverständlich weiß Freund, dass er öfter mehr aus sich herausgehen könnte. Besonders bei dieser Vierschanzentournee, bei der er nun so stark in den Fokus gerückt ist.

          Denn Freund könnte 14 Jahre nach dem Erfolg von Sven Hannawald als erster deutscher Springer wieder die Vierschanzentournee gewinnen. Derzeit ist er in der Gesamtwertung Zweiter, nicht einmal zehn Punkte trennen ihn vom Slowenen Peter Prevc. Freund befindet sich in einer grandiosen Form. Er gewann den Auftakt in Oberstdorf, er wurde Dritter in Garmisch-Partenkirchen. Und an diesem Sonntag, wenn der dritte Wettkampf in Innsbruck ansteht (14.00 Uhr / Live im ZDF, bei Eurosport 1 und im Vierschanzentournee-Ticker bei FAZ.NET), hat er wieder gute Aussichten auf eine vordere Plazierung. Bei der Qualifikation am Samstag wurde Freund Sechster, Prevc setzte aus.

          Wird es am Sonntag besser? Ein sechster Platz im Wettbewerb wäre ein Rückschlag für Severin Freund. Bilderstrecke

          Der Deutsche könnte also weiter groß auftrumpfen, doch immer wieder überrumpelt ihn dabei dieser Realismus. So sagt Freund zur Innsbrucker Bergisel-Schanze: „Der große Wurf ist mir dort bisher noch nicht gelungen.“ Und das klingt zunächst wieder nach rundum nüchterner Betrachtungsweise.

          Andererseits sagt er mittlerweile auch immer mehr Sätze, die verdeutlichen: Er verbindet das Realistische nun mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein. „Meine Leistungen sind sehr bestätigend für mich, weil es auf Schanzen gut geklappt hat, auf denen ich sonst nicht so zurechtgekommen bin“, sagte er nach dem Neujahrsspringen. Und: „Ich fühle mich sehr sicher. Ich weiß, dann kommt bald der Sprung, bei dem ich noch eine Stufe höher bin.“

          „Er ist ein sehr geordneter Mensch“

          Freund arbeitet immer an sich – nun auch an seinen Gefühlsregungen. Rund um diese Tournee gibt es mehr und mehr kleine Szenen, die dies zeigen. Etwa in Garmisch-Partenkirchen: Als die Pressekonferenz nach dem Wettkampf beendet ist, trommelt er kurz mit den Fingern auf den Tisch und klatscht beide Hände über seinem Kopf zusammen. Der 27-Jährige versucht also weiter, seine Emotionen nach außen zu tragen.

          Freund ist keiner, der die Herzen der Fans im Sturm erobert wie einst Hannawald oder Martin Schmitt. Er ist keiner, der Teenager ins Kreischen versetzt. Er ist ruhig, abwägend, und er macht nicht viel Aufheben von sich. Das liegt wohl auch ein bisschen an seinem niederbayerischen Naturell. Freund wohnt zwar schon seit fast acht Jahren in München, doch er stammt aus dem Bayerischen Wald. „Er ist sehr strukturiert und professionell“, sagt Bundestrainer Werner Schuster über ihn. „Er ist ein sehr geordneter Mensch“, sagt der ehemalige Skisprung-Olympiasieger und jetzige TV-Experte Dieter Thoma.

          Und nun jubeln ihm alle deutschen Fans zu. Der besonnene Severin Freund hat sich zu Deutschlands Überflieger entwickelt. Ohne einen Überraschungscoup, sondern mit vielen kleinen Schritten. Er war kein Toptalent. Mit 22 Jahren gewann er 2011 sein erstes Weltcup-Springen, dann etablierte er sich in der Weltspitze, 2014 wurde er Team-Olympiasieger und Skiflug-Weltmeister. Und im vergangenen Jahr wurde er Doppel-Weltmeister und triumphierte im Gesamtweltcup. Aber ein weiterer Erfolg ist, wie er seine Rückschläge weggesteckt hat.

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