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Vierschanzentournee : Schuster beklagt „Materialkrieg“

Geht beim Skispringen alles mit rechten Dingen zu? Bild: dpa

Skier, Schuhe und Anzüge: Für den Trainer der deutschen Skispringer ist das Regelwerk nicht mehr kontrollierbar. Zustimmung erhält er vom größten Rivalen. Der Internationale Skiverband aber weist die Vorwürfe zurück.

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          Bundestrainer Werner Schuster hat vor dem Finale der Vierschanzentournee Kritik an der zunehmenden Techniktüftelei im Skispringen geäußert. „Es ist ein Materialkrieg im Gange, speziell bei den besten Nationen. Es geht um Geld und Prestige, da wird enorm viel investiert. Das Skispringen war ein halbes Jahr fair, das war im Sommer. Im Winter können es sich nur die großen Nationen leisten mitzurüsten“, sagte er vor dem abschließenden Wettkampf an diesem Sonntag (16.30 Uhr) in Bischofshofen.

          Nach seiner Ansicht müsse der Internationale Skiverband (Fis) deutlich mehr Personal für die Überwachung der Ausrüstung einsetzen. Derzeit wird diese Aufgabe einzig vom Österreicher Sepp Gratzer ausgeübt. „Es ist unmöglich für einen Mann, der das gut macht, die Vielzahl an Vorschriften zu überprüfen. Das ist wie bei einem Lehrer, der eine Klasse mit 70 Schülern hat, und keiner soll schummeln. Wenn das da einer geschickt macht, kann er auch mal schwindeln“, sagte Schuster.

          Walter Hofer, Renndirektor der Fis, wies die Vorwürfe zurück. Es gebe ausreichende Bestimmungen, die „nachvollziehbar und kontrollierbar“ seien, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Es stehe aber jedem Beteiligten frei, bei der Fis zu beantragen, mehr Aufpasser einzusetzen. „Der Vorschlag muss nur konkretisiert werden“, betonte Hofer und fügte an, „dass wir mehr Kontrollsysteme haben, als den Trainern augenscheinlich zugänglich ist“.

          Bei der Tournee wurde in den vergangenen Tagen heftig über zahlreiche Modifikationen verschiedener Verbände bei Skiern, Schuhen und Anzügen diskutiert. „Es ist ein Wettrüsten. In allen Bereichen gibt es Möglichkeiten, für sich einen Vorteil herauszuholen“, behauptete Schuster. Er deutete Unregelmäßigkeiten an, ohne jedoch konkrete Schuldzuweisungen zu machen: „Vielleicht wird gar nicht gemogelt, aber es wird alles maximal ausgereizt. Manchmal wird die Grenze überschritten, und die Fis erkennt das, manchmal wird es nicht entdeckt. Es ist auf jeden Fall ein Bewegen am Limit.“

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          Zustimmung für seine Beanstandung erhielt er aus den Reihen des größten Rivalen. Alexander Pointner, sein österreichisches Pendant, sagte, er finde es gut, „dass der Werner so deutlich Stellung bezogen hat. So, wie es ist, kann es nicht weitergehen.“ Seine Mannschaft hatte nach dem ersten Springen mit Andreas Kofler einen Sieganwärter verloren; sein Outfit erwies sich bei einer Zufallsinspektion als deutlich zu groß - was ihm verbotenen Auftrieb bescherte. Statt der von sechs auf zwei Zentimeter reduzierten Toleranz zwischen Haut und Kleidung wurde bei Kofler am Bauch eine Differenz von fast fünf Zentimetern entdeckt.

          Sportlich äußerte sich Schuster versöhnlich. Mit dem Abschneiden der Auswahl des Deutschen Ski-Verbandes sei er „sehr zufrieden“. Severin Freund besitzt im Finale noch die Möglichkeit, aufs Podium zu springen. „Das wäre ein schöner Prestige-Erfolg.“ Der Münchner geht als Viertplazierter der Gesamtwertung mit einem Rückstand von 1,2 Punkten auf den Norweger Tom Hilde an den Start. In der Qualifikation wurde Freund am Samstag jedoch nur 25.

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