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Vierschanzentournee : Eisenbichlers mitreißende Flugshow

  • -Aktualisiert am

In bestechender Verfassung: Skispringer Markus Eisenbichler scheinen Flügel zu wachsen. Bild: Imago

Auch beim Neujahrsspringen wird der Deutsche Zweiter hinter Ryoyu Kobayashi. Vor allem im ersten Durchgang beeindruckt Markus Eisenbichler. Für einen einstigen Vorzeigespringer ist die Vierschanzentournee indes vorbei.

          Diesmal war es umgerechnet ein knapper Meter, der die beiden besten Springer dieser Vierschanzentournee voneinander trennte. Die beiden Erstplazierten von Garmisch-Partenkirchen waren dieselben wie von Oberstdorf: Ryoyu Kobayashi und Markus Eisenbichler. Wieder Zweiter, wieder eine mitreißende Flugshow des 27 Jahre alten Siegsdorfers Eisenbichler, des besten Fliegers im Team von Bundestrainer Werner Schuster, über den sein Coach nach dem zweiten Sprung aufs Podest am Neujahrstag sagte: „Der erste Sprung war erste Sahne, der zweite war nicht so ganz so gut. Der Japaner hat verdient gewonnen.“ Mit kürzeren Weiten, aber mit besseren Noten, weil Kobayashi mit Rückenwind zu kämpfen hatte, während Eisenbichler bei seinen Sprüngen auf 138 und 135 Meter vom Aufwind profitierte. Am Ende lagen zwischen dem Deutschen, der auf 264,7 Punkte kam, und dem wenig mitteilsamen Japaner, der auf Fragen stets äußerst kurze Antworten gibt, 1,9 Punkte Differenz.

          „Mein erster Sprung war echt geil“, sagte Eisenbichler nach seinem zweiten Coup im Überschwang der Gefühle. „Ich fühle mich saugut und bin einfach nur megahappy.“ Der weitsichtige Bundestrainer hatte Eisenbichlers Höhenflug schon in Oberstdorf prognostiziert. „Jetzt kommen Schanzen, die ihm liegen. Die fliegt er wie im Schlaf“, sagte Schuster. Nun ja: Im Schlaf ist Eisenbichler die Große Olympiaschanze am Gudiberg nicht runter geflogen. Der 27 Jahre alte Siegsdorfer war im Gegenteil hellwach.

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          Schon am Schattenberg, als er zum Auftakt der Vierschanzentournee hinter dem großen Favoriten und souveränen Weltcup-Führenden Kobayashi Platz zwei belegte, präsentierte sich der aktuell beste deutsche Skispringer in bestechender Verfassung. Und auch nach dem geographischen Wechsel aus dem Allgäu ins Werdenfelser Land nach Garmisch-Partenkirchen hatte Eisenbichler nichts von seiner Form und Leichtigkeit verloren. Schon im ersten Durchgang des traditionellen Neujahrsspringens verdeutlichte Flieger Eisenbichler, dass ihn seine Ski auch am ersten Tag des neuen Jahres weit tragen würden. Mit 138 Metern schaffte der Deutsche sogar die Bestweite und lag eineinhalb Meter vor dem kleinen großen Japaner. Punktemäßig trennten den Oberbayern zu diesem Zeitpunkt winzige 0,2 Zähler von dem Dominator dieser Skisprung-Winters.

          Wieder Zweiter, wieder aussichtsreich im Kampf um den Tagessieg liegend: Dass Eisenbichler die 21.000 Zuschauer an der ausverkauften Schanze in Verzückung brachte, war schnell zu erkennen. Unmittelbar nach dem Absprung nahm Eisenbichler eine mehr oder weniger perfekte Flughaltung ein. Er segelte scheinbar stoisch durch die Luft. Kein Wackler, kein Ausreißer, keine Korrektur. Es war ein Sprung wie gemalt, was auch Eisenbichler sofort erkannte, denn im Auslauf riss er die Arme zum Zeichen eines tollen Sprungs in die Höhe.

          Dass der Oberbayer bei diesem deutsch-österreichischen Grenzvergnügen so gut wie nie zuvor in seiner Karriere springt, hat sich für seinen Trainer schon in der Schweiz angedeutet. „Der Wettkampf in Engelberg war ein bisschen ein Türöffner, ein Knotenlöser“, sagte Schuster, um seinem bestem Athleten Mut zuzusprechen. „Die Schanze in Garmisch ist eine Fliegerschanze. Man muss sehr viel Geschwindigkeit über den Vorbau mitnehmen. Markus ist unser bester Flieger. Er hat ein gutes System gefunden und die Voraussetzungen geschaffen, um in einen Flow reinzukommen.“ In einen Zustand, der einem Skispringer scheinbar Flügel verleiht.

          Flügel – die hat Severin Freund nicht bekommen. Für den einstigen Vorzeigespringer des Deutschen Skiverbandes (DSV) ist nach dem Neujahrsspringen Schluss mit der Tournee. Schuster darf nur noch die besten Sieben mit in die zweite Wochenhälfte nach Innsbruck und Bischofshofen nehmen. Für Freund rückt aus der nationalen Springergruppe Constantin Schmid in die deutsche Reisegesellschaft auf. „Es war klar, dass Träume zerplatzen werden – auch von Andi Wellinger“, sagte Schuster. Der Olympiasieger, beim Neujahrsspringen beim zweiten Durchgang der besten Dreißig schon gar nicht mehr dabei, wolle mit Gewalt den nächsten Schritt machen. „Das geht im Skispringen aber nicht. Wir werden es gemeinsam durchstehen. Er wird wiederkommen.“

          Über Freund fand Schuster schon vor dem ersten Wertungssprung von Garmisch-Partenkirchen deutliche Worte. „Den Leuten, die auf die Auferstehung von Severin warten, habe ich eh schon den Zahn gezogen. Wenn er ordentlich landet, macht er den 25. Platz. Aber er hat nicht mehr drauf.“ Mehr drauf, das hatte Stephan Leyhe, der am Neujahrstag als Siebter der zweitbeste DSV-Springer war. „Top 15 ist gut für mich, aber man will mehr.“ Vor allem einer will mehr: Eisenbichler. Er will dem scheinbar übermächtigen Kobayashi so lange wie möglich auf den Fersen bleiben und den Traum am Leben erhalten, dass der Tourneesieger endlich mal wieder aus Deutschland kommt.

          Wellinger bleibt im DSV-Team dabei – Schuster zur Halbzeit zufrieden

          Olympiasieger Andreas Wellinger wird trotz zweier Nullnummern zum Start in die Vierschanzentournee im deutschen Team bleiben. Dies erklärte Bundestrainer Werner Schuster am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Garmisch-Partenkirchen. Neben Wellinger, der sowohl in Oberstdorf als auch in Garmisch den zweiten Durchgang verpasste, werden auch der Tournee-Zweite Markus  Eisenbichler, Karl Geiger, Stephan Leyhe, Richard Freitag, David  Siegel und Constantin Schmid mit nach Österreich fahren. „Severin Freund wird ausgetauscht, er konnte keine Leistungssteigerung erzielen. Er ist passabel eingestiegen, seitdem ist es oft holpriger geworden“, sagte Schuster über den Athleten, der jahrelang der beste in seinem Team war.

          Mit den ersten beiden Springen auf heimischem Boden ist der 49-Jährige zufrieden. „Wir haben so viel Substanz im Team, dass Markus das zeigen kann, was er uns seit Monaten im Training zeigt. Er gibt die Pace vor. Er wird mit jedem Sprung selbstsicherer“, lobte Schuster den 27 Jahre alten Siegsdorfer. Auch Leyhe, Schmid und Siegel boten bisher anständige Leistungen. Der in Innsbruck oft starke Wellinger soll am Bergisel am Donnerstag (14.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Vierschanzentournee, in der ARD und bei Eurosport) zu seiner Form zurückfinden. (dpa)

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