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Vierschanzentournee : „Er ist halt einfach ein gnadenloser Killer“

  • -Aktualisiert am

Einer wird wohl gewinnen: Richard Freitag und Kamil Stoch (rechts) Bild: dpa

Die Tournee wird zum Zweikampf auf vier Schanzen: Kamil Stoch und Richard Freitag kämpfen um den Sieg. Dabei hat der Pole gegenüber dem Deutschen einen kleinen Vorteil.

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          Wie in Oberstdorf, so in Garmisch-Partenkirchen. Da standen sie wieder zusammen auf dem Podium. Kamil Stoch, der Sieger. Rechts davon Richard Freitag als Zweiter. Die zwei Springer liefern sich ein packendes Duell um den Gesamtsieg in der Vierschanzentournee. Alle weiteren Konkurrenten haben sie schon ordentlich abgehängt. Entsprechend fällt die Einschätzung der beiden überragenden Protagonisten aus. „Klar bin ich glücklich“, sagte Stoch nach dem Neujahrsspringen, „es war ein schöner Wettkampf auf sehr hohem Niveau.“ Und Freitags Halbzeitbilanz lautet: „Ich bin zufrieden.“ Seine Chancen auf den ersten Erfolg eines Deutschen bei dieser prestigeträchtigen Traditionsveranstaltung nach 16 Jahren sind noch intakt. Damals triumphierte Sven Hannawald mit der historischen Leistung, dass er als erster Springer alle vier Springen für sich entscheiden konnte.

          Dafür fehlen Stoch noch zwei Erfolge. Und das will Freitag verhindern, nicht nur, damit Hannawald, der wie er aus Erlabrunn im Erzgebirge stammt, weiterhin der einzige Grand-Slam-Sieger im Skispringen bleibt. Nur wenn die Siegesserie des polnischen Konkurrenten unterbricht, wahrt er auch seine eigenen Chancen. Und dass ihm dies gelingen kann, davon ist sein Trainer Werner Schuster absolut überzeugt: „Kamil springt schon sehr gut, aber ich finde nicht, dass er besser springt als Richard.“

          In diesem Jahr spielen die äußeren Einflüsse eine nicht unwesentliche Rolle. Sowohl in Oberstdorf als auch in Garmisch-Partenkirchen blies der Wind in unterschiedlicher Stärke und aus unterschiedlichen Richtungen. Zwar kann Rennleiter-Assistent Borek Sedlak als Mann an der Ampel den Wettkampf so steuern, dass dieser unter einigermaßen gleichen, fairen Bedingungen abläuft. Trotzdem kommt es zu kleinen Unterschieden. Schließlich wird unter freiem Himmel und nicht in einer Halle Ski gesprungen. „Kamil hatte zweimal ein bisschen die besseren Verhältnisse“, urteilte Schuster, um dann hinzuzufügen: „Und dann ist er halt einfach ein gnadenloser Killer.“

          Bester Deutscher: Richard Freitag beim Neujahrsskispringen in Garmisch-Partenkirchen

          Diesen Killerinstinkt ließ Freitag vermissen. Bei beiden Springen ist ihm jeweils ein Versuch nicht wie gewünscht geglückt. Dies konnte er mit nur einem tadellosen Sprung nicht mehr ausgleichen. „Kamil ist sehr, sehr stark, da ist nicht viel Luft für kleine Fehler“, gibt er zu. Natürlich freut sich Werner Schuster, dass einer seiner Springer das spannende Duell an der Spitze mitgestalten kann. „Für Richard ist das ein toller Erfolg. Vor ihm liegt ein Springer, der mit allen Wassern gewaschen ist und schon alle Titel gewonnen hat.“

          Tatsächlich gehört Stoch als Doppel-Olympiasieger, Weltmeister, Gesamt-Weltcupsieger und Gewinner der Vierschanzentournee zu einem elitären Kreis von nur fünf Springern, denen dies geglückt ist. Dagegen liest sich die Titelausbeute seines Athleten bescheiden: Er war lediglich Teil eines Teams, als er 2015 den WM-Titel im Mixed-Wettbewerb sowie dreimal Silber bei Wettbewerben von der Großschanze und beim Skifliegen geholt hat.

          Im Gegensatz zum erfolgsverwöhnten österreichischen Team, das in Gregor Schlierenzauer auf Platz 15 seinen besten Springer hat, kann Werner Schuster mit seinem Team mehr als zufrieden sein. „Der Wettkampf ist schnell eingeordnet“, sagte der Cheftrainer zufrieden, „es war eine gute Teamleistung.“ Andreas Wellinger und Markus Eisenbichler gehören als Siebter und Achter noch zu den aussichtsreichen Kandidaten für einen Platz auf dem Podium in der Endabrechnung. Dazu kommt Karl Geiger als Zehnter der Zwischenwertung.

          Der Oberstdorfer überraschte als Siebter des Neujahrsspringen positiv. Stephan Leyhe folgt schon auf Platz 13. „Karl und Stephan sind fixe Bestandteile unseres Teams“, sagt Schuster zum 24-jährigen Allgäuer und seinem 25-jährigen Teamkollegen aus Willingen. „Beide entwickeln sich nicht mit riesigen Schritten, sondern machen dies mit kleinen Tippelschritten“, so Schuster. Doch starke sowie konstante vierte und fünfte Springer seien mit Blick auf die Team-Wettbewerbe bei der in zweieinhalb Wochen in Oberstdorf anstehenden Skiflug-WM wie auch bei den Olympischen Spielen im Februar in Pyeongchang ungemein wichtig. Ansonsten habe sich keiner seiner Springer aus der zweiten Garde aufgedrängt. Auch nicht Olympiasieger Andreas Wank, der bei beiden Springen den zweiten Durchgang verpasst hat. „Er hat zweimal nicht gut performt“, urteilt Schuster knallhart.

          Wetterglück: Kamil Stoch hatte zweimal bessere Bedingungen als Freitag

          Und so richtet sich der Blick der Öffentlichkeit bis zum Abschlussspringen am Samstag in Bischofshofen mehr oder weniger allein auf Richard Freitag. Zunächst hofft er darauf, dass sich Kamil Stoch durch den infernalischen Krach, der im Hexenkessel Bergiselschanze immer herrscht, aus der Ruhe bringen lässt. Schuster rechnet in Innsbruck an diesem Donnerstag (14.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Vierschanzentournee, im ZDF und bei Eurosport) allerdings noch nicht mit der Wende. „Dort werden keine großen Punkte gewonnen oder verloren“, sagt der 48-jährige Coach, „das kann eher mal in Bischofshofen passieren, da kann ein Sprung schon mal zehn Punkte ausmachen.“ Momentan beträgt der Abstand zwischen den beiden Spitzenspringern 11,8 Punkte.

          Richard Freitag wäre es recht, wenn ihm an der Paul-Außenleitner-Schanze die Wende zu seinen Gunsten gelingen würde. Er denkt dabei auch an sein Vorbild Hannawald: „Lasst den Sven noch etwas zittern...“

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