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Vierschanzentournee : Freund fliegt weit, Prevc noch weiter

  • -Aktualisiert am

Nicht ganz über den Wolken, aber weit hinaus fliegt Severin Freund in Innsbruck. Bild: Reuters

Nach dem Sturz im Probedurchgang zeigt Severin Freund beim dritten Springen der Vierschanzentournee einen beeindruckenden Wettkampf auf der Bergisel-Schanze. Sein Pech: Die große Kunst des Slowenen Peter Prevc.

          3 Min.

          Voller Anerkennung klatschte Severin Freund in die Hände. Er stand in der grauen Box des Führenden, und gerade war der letzte Springer des Wettkampfs gelandet. Sein großer Konkurrent, der Slowene Peter Prevc. Freund hatte ihn extrem unter Druck gesetzt. Im zweiten Durchgang war dem Deutschen ein grandioser Sprung auf 128 Meter gelungen. Doch Prevc konnte selbst das noch einmal toppen. Er flog auf beeindruckende 132 Meter. So gewann er am Sonntag in Innsbruck das dritte Springen der Vierschanzentournee vor Freund und dem Norweger Kenneth Gangnes.

          Zugleich gelang Prevc mit seinem zweiten Erfolg nach Garmisch-Partenkirchen wohl schon die Entscheidung im Kampf um den Tournee-Gesamtsieg. Er führt nun mit 19,7 Punkten vor Freund, umgerechnet sind dies etwa elf Meter. Obwohl Freund mit Platz zwei sein bestes Ergebnis an der Bergisel-Schanze erreicht hatte, hakte er angesichts dieses großen Rückstand die Gesamtwertung bereits ab. „Da bräuchte es schon ein Wunder in Bischofshofen, oder ein Missgeschick – und das wünsche ich keinem“, sagte der 27-Jährige.

          Als Zweiter der Tournee-Wertung steuert er jedoch auf sein mit Abstand bestes Ergebnis bei der Traditionsveranstaltung zu. „Es war ein super guter Wettkampf, besonders mit meiner Vorgeschichte“, sagte Freund nach einem für ihn überaus turbulenten Tag. Denn bei seinem Trainingssprung vor Beginn des offiziellen Wettbewerbs gab es bereits den ersten großen Aufschrei im Publikum. Freund war auf die überragende Weite von 129 Metern gesprungen. Doch bei der Landung war ihm der linke Ski weggerissen. Er stürzte und knallte mit dem Hinterkopf auf den Schnee. Umso größer war kurz danach der Jubel, als der Stadionsprecher verkündete: Severin Freund werde starten, er habe nur etwas Kopfweh.

          „Ich hatte danach gar keine Zeit, viel darüber nachzudenken“, berichtete der Bayer später. Tatsächlich hatte er den Sturz gut verdaut. Im ersten Durchgang flog er acht Springer vor Prevc von der Schanze, musste also vorlegen – und er tat dies auf beachtliche Weise. Bei schwierigen Bedingungen mit starkem Rückenwind landete er bei sehr guten 122,5 Metern. Aber Prevc konterte schon diesen Sprung. Er kam auf 125 Meter und hatte dabei sogar noch schlechtere Bedingungen als Freund. Prevc gewann den ersten Durchgang vor dem Norweger Kenneth Gangnes, gleich dahinter reihte sich Freund ein.

          Im Probedurchgang stürzte Severin Freund bei der Landung. Bilderstrecke

          Die besondere Stimmung am Bergisel steigerte sich von Minute zu Minute. Wie von einem Katapult geschossen, tauchen die Springer dort über dem Hang auf, gleiten ganz nah an den Zuschauern in den Talkessel hinab und schnellen dann wieder den steilen Gegenhang hinauf. Zum Zweikampf zwischen Freund und Prevc kam zudem eine Art Duell zwischen den 22500 Fans im ausverkauften Stadion, das lieferten sich allerdings die Deutschen und die Österreicher.

          Im Vergleich zu den vergangenen Jahren waren deutlich mehr Deutsche nach Innsbruck gekommen, die mit Tröten und Rasseln ordentlich Lärm machten. Hinzu kam: Zum ersten Mal herrschte bei der Tournee Winteratmosphäre. In der Nacht auf Sonntag hatte es geschneit. Die gesamte Umgebung der Schanze sah bei Sonnenschein wie mit Puderzucker bestreut aus – und es war wirklich echter Schnee.

          „Dieser Tag tut allen gut“, bilanzierte Bundestrainer Werner Schuster. Neben Freund überzeugten nämlich auch die anderen Deutschen. Andreas Wellinger kam auf Platz sechs, Andreas Wank wurde Neunter und Vorjahressieger Richard Freitag Zehnter. Stephan Leyhe kam auf Rang 21. „Wir haben das als Team moralisch gut durchgezogen“, sagte Schuster. Besonders lobte er aber Freund: „Ich bin sehr stolz auf ihn. Sein Sturz hätte böse enden können.“ In diesem Zusammenhang kritisierte Schuster auch die Veranstalter, die Präparierung des Schanzenhanges nach dem Neuschnee sei nicht ausreichend gewesen. „Er ist in ein Loch am Hang gekommen und das hat einen guten Teil zum Sturz beigetragen“, sagte der Österreicher. „Aber er hat danach großes Selbstbewusstsein bewiesen.“

          Zumal die Bergisel-Schanze durchaus eine große Herausforderung für ihn ist. Sie liegt eher Athleten mit einem extrem starken Absprung als den Fliegern. Und der steile Gegenhang beeinflusst deutlich die Balance bei der Landung – wie bei Freunds Trainingssturz. Diese Beschaffenheit erschwert es außerdem, einen tadellosen Telemark zu setzen. „Man muss hier immer sehr präzise springen, der kleinste Fehler kann sich fatal auswirken“, betonte Schuster.

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          Freund haderte deshalb ein bisschen mit seinem ersten Sprung. „Da hätte ich gerne noch mehr rausgehauen“, sagte er. Aber vor allem zollte er Prevc großen Respekt. Das Duell in Innsbruck erinnerte Freund an einen Zweikampf zwischen beiden vor zwei Jahren in Planica. Damals war Freund im zweiten Durchgang phantastische 141 Meter weit gesprungen. „Da dachte ich schon, das muss der Sieg sein“, erzählte er. Doch Prevc flog schon damals weiter, wenn auch nur einen halben Meter. „Er ist derzeit eben saustark – und einen kleinen Schritt besser als ich“, sagte Freund über seinen Rivalen. „Für mich heißt es jetzt: cool bleiben und weitermachen.“

          Erstmal bekommt er eine kleine Pause, wie alle Athleten. Am Montag ist Ruhetag und erst am Dienstag geht es mit der Qualifikation für das abschließende vierte Springen in Bischofshofen weiter (17 Uhr / Live in der ARD, bei Eurosport und im Vierschanzentournee-Ticker bei FAZ.NET). Und auch wenn es mit dem Gesamtsieg wohl nicht mehr klappt, mit seinen Gedanken war Freund bereits schon bei den nächsten Aufgaben: „Es kommen noch einige schöne Sachen in dieser Saison.“

          3. Springen der Vierschanzentournee in Innsbruck/Österreich:

          1. Peter Prevc (Slowenien) 269,5 Pkt. (125,0/132,0 m);
          2. Severin Freund (Rastbüchl) 258,4 (122,5/128,0);
          3. Kenneth Gangnes (Norwegen) 251,5 (126,5/124,0);
          4. Johann Forfang (Norwegen) 249,7 (122,0/124,0);
          5. Michael Hayböck (Österreich) 247,5 (119,0/123,5);
          6. Andreas Wellinger (Ruhpolding) 239,5 (122,5/120,0);
          7. Noriaki Kasai (Japan) 236,8 (124,5/119,5);
          8. Daiki Ito (Japan) 235,8 (120,0/121,0);
          9. Andreas Wank (Hinterzarten) 235,4 (120,0/122,5);
          10. Richard Freitag (Aue) 233,3 (117,5/123,0);

          ...21. Stephan Leyhe (Willingen) 223,7 (117,5/119,5);
          31. Karl Geiger (Oberstdorf) 105,8 (116,5);
          39. Michael Neumayer (Oberstdorf) 96,2 (109,5)

          Vierschanzentournee-Gesamtwertung:

          1. Peter Prevc (Slowenien) 842,1 Pkt.;
          2. Severin Freund (Rastbüchl)  822,4;
          3. Kenneth Gangnes (Norwegen) 800,2;
          4. Michael Hayböck  (Österreich) 799,0;
          5. Johann Forfang (Norwegen) 779,3;
          6. Anders  Fannemel (Norwegen) 769,1;
          7. Noriaki Kasai (Japan) 758,4;
          8. Stefan  Kraft (Österreich) 758,2;
          9. Richard Freitag (Aue) 753,4;
          10.  Andreas Wank (Hinterzarten) 731,7;
          11. Andreas Wellinger  (Ruhpolding) 726,9;

          ...15. Stephan Leyhe (Willingen) 709,0;
          26. Michael Neumayer (Oberstdorf) 550,3;
          30. Karl Geiger (Oberstdorf) 445,5;
          33. Pius Paschke (Kiefersfelden) 331,8;
          43. David Siegel (Baiersbronn) 222,5;
          45. Marinus Kraus (Oberaudorf) 204,7;
          55. Markus Eisenbichler (Siegsdorf) 108,2

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