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Vierschanzentournee : „Der zweite Sprung war echt fein“

  • -Aktualisiert am

Richard Freitag zeigte eine starke Leistung und wurde wieder Zweiter. Bild: NIESNER/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Kamil Stoch gewinnt auch das Neujahrsspringen. Wieder wird Richard Freitag Zweiter. Bei der Vierschanzentournee gibt es ein Duell auf Augenhöhe – mit einem Vorteil für den Polen.

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          Richard Freitag ballte gleich nach der Landung beide Fäuste. In seinem Gesicht hatte der 26-Jährige ein breites Grinsen. Mit 137 Metern war dem Führenden im Weltcup am Montag beim Neujahrs-Skispringen in Garmisch-Partenkirchen wieder ein sehr guter Sprung gelungen. Auch Bundestrainer Werner Schuster boxte mit der linken Faust in die Luft. Nach einem schwächeren Versuch im ersten Durchgang auf 132 Meter und Platz sechs hatte sich sein Athlet beim zweiten Springen der Vierschanzentournee wieder gesteigert. „Ritschi ist ein außergewöhnlicher zweiter Sprung gelungen“, urteilte Norwegens Cheftrainer Alexander Stöckl: „Das ist gut für die Tourneewertung, denn dadurch wird’s eng bleiben.“

          Spannend wurde es auch, als nur noch zwei Springer ihren Sprung vor sich hatten. Auf einen Schlag hatte der Wind angefangen, heftig zu blasen. Die Jury unterbrach. Weil die Unterbrechung doch ein wenig länger dauerte, ließ sie den jungen Slowenen Tilen Bartol und den Polen Kamil Stoch sogar ins windgeschützte Zelt, damit sie nicht zu sehr auskühlten. Als Stoch als Letzter noch oben auf dem Bakken saß, kam es zum Showdown. Der Titelverteidiger zeigte abermals seine Extraklasse. Auf 139,5 Meter segelte der Pole hinunter. „Kamil ist in einer hervorragenden Form“, sagte Schuster. Und auch Freitag erkannte Stochs Leistung neidlos an: „Vor Kamil muss man den Hut ziehen, wie er das nach der Pause hinbekommen hat.“ Er selbst war mit sich auch im Reinen: „Ich bin sehr zufrieden mit diesem zweiten Platz. Der zweite Sprung war echt fein.“

          Das Ergebnis beim Neujahrsspringen lautete wie beim Eröffnungsspringen in Oberstdorf: Erster Kamil Stoch, Zweiter Richard Freitag. 11,8 Punkte trennen die beiden bei Halbzeit, das sind 6,56 Meter. Der Trend spricht also für den Polen. Doch noch ist nichts entschieden. Nach den beiden ersten Springen ist klar: Die Entscheidung fällt zwischen dem Doppel-Olympiasieger aus Polen und dem Springer aus dem Erzgebirge, der seit dem Sommer in Oberstdorf lebt. „Es wird eng bleiben, glaube und hoffe ich“, sagte Freitag. Trotzdem warnte er: „Bei der Tournee gibt’s immer Überraschungen, deshalb kann ich nicht sagen, wie es weiter- und ausgeht.“

          Titelverteidiger Kamil Stoch gewinnt auch das zweite Springen.

          Ganz schlecht läuft es für die Österreicher. Gregor Schlierenzauer wurde als Bester seines Teams nur 19. Die Hoffnungen auf einen Gesamtsieg, der zwischen 2009 und 2015 ausschließlich an Österreicher ging, muss Trainer Heinz Kuttin aufgeben. „Ich bin leider ein bisschen ratlos. Das ist sehr, sehr bitter“, sagte Doppel-Weltmeister Stefan Kraft, der als Mitfavorit und Vierter von Oberstdorf am Montag nicht einmal den zweiten Durchgang erreichte. Neben Kraft können auch der Slowene Peter Prevc und der Norweger Daniel Andre Tande den Gesamtsieg bei der 66. Ausgabe der Tournee bereits abschreiben.

          Die Vierschanzentournee bezieht ihre Spannung diesmal aus dem Zweikampf Stoch gegen Freitag. Es ist ein Duell auf Augenhöhe. „Auch wenn Kamil die ersten beiden Springen gewonnen hat, denke ich nicht, dass er besser ist als Richard“, urteilt Schuster. Jetzt zieht der Tross weiter zur Bergiselschanze nach Innsbruck, wo am Donnerstag Teil drei folgt. Dort hat der Deutsche vor drei Jahren schon einmal gewinnen können. Deshalb freut er sich auf diese Station. Auch wenn er sich mit Prognosen zurückhält. „Grundsätzlich ist alles drin. Aber es ist auch so: Kamil springt zurzeit so stark, der wird in Innsbruck auch sehr, sehr gut springen. Lassen wir uns überraschen“, sagte Richard Freitag.

          Ein wenig Abstand zu diesen beiden Springern hat Andreas Wellinger. Der 22-jährige Ruhpoldinger haderte vor allem mit seinem ersten Sprung auf 125,5 Meter. „Ich krieg’s noch nicht so hin, dass ich zwei Sprünge auf dem hohen Niveau mache. Der zweite war wieder besser, dieses Gefühl nehme ich mit nach Innsbruck.“ Mit diesem Flug über 138 Meter konnte er sich zumindest noch auf den 11. Platz verbessern, eine Position hinter Stephan Leyhe. Markus Eisenbichler kam auf Platz 13. „Ich verzweifle nicht, aber ich hätte mir bessere Versuche gewünscht“, sagte der Siegsdorfer.

          Begeistert war Richard Freitag wieder einmal von der Begeisterung, die er als Führender im Gesamt-Weltcup ausgelöst hat. „Das ganze Stadion ist voll, das macht riesigen Spaß“, sagte er voller Freude, „das Stadion ist so weitläufig, wenn man da von oben draufschaut, im Hintergrund die Leute noch Langlaufen sieht, das ist schon gigantisch.“ Was er nicht gesehen hat: Die ersten Fans konnten es gar nicht erwarten, bis die Tore des Olympiastadions in Garmisch endlich um 10 Uhr geöffnet wurden. Trotz Neujahr standen sie schon eine Stunde vor den verschlossenen Türen. Der Kampf um die besten Plätze in der altehrwürdigen Arena erfordert Einsatz. Schließlich ist Skispringen wieder in. Dank Richard Freitag.

          Richard Freitag konnte auch auf Platz zwei wieder lächeln.

          Da ließen es die deutschen Skispringer etwas gemächlicher angehen. Um 11 Uhr verließen die Busse das Hotel in Seefeld, wo das Team während der Springen in Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck wohnt. Nicht nur wegen des großen Hypes, der momentan herrscht, hatte Bundestrainer Werner Schuster schon vor der Vierschanzentournee die Parole ausgegeben: „Wir behalten unseren gewohnten Ablauf so gut wie möglich bei.“ In familiärer Atmosphäre hatten sie am Abend davor Silvester gefeiert. Etwas gegessen, danach gespielt. Ein Teil der Gruppe Schafkopf, der andere am Gameboy. Da war das Skispringen ganz weit weg. Der Vorbereitung hat’s nicht geschadet.

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